Ich stand in den Trümmern Berlins, umgeben von Männern, die nicht einmal meine Sprache sprachen, und fragte mich, wie ich hierher gekommen war. Wir waren keine Helden, nur Reste einer geschlagenen…

Im Frühjahr 1945, als die Rote Armee die Oder bereits überschritten hatte und der Ring um Berlin sich Tag für Tag enger zog, verteidigten in den Straßen der deutschen Hauptstadt Männer eine Stadt, die nicht ihre eigene war und deren Sprache viele von ihnen kaum beherrschten. Unter den letzten Kämpfern, die in den Trümmern des Regierungsviertels ausharrten, befanden sich Franzosen, Niederländer, Flamen, Skandinavier und Angehörige weiterer Nationen. Sie trugen die Uniform der Waffen-SS, jener Organisation, die untrennbar mit den Verbrechen des nationalsozialistischen Staates verbunden war. Dieser Umstand wirft eine Frage auf, die sich nicht mit einfachen Antworten begnügen lässt: Wie kam es, dass Tausende von Menschen aus Ländern, die das Deutsche Reich überfallen und besetzt hatte, am Ende an der Seite des Angreifers und bis zu dessen letztem Atemzug kämpften?

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Um diese Frage zu beantworten, muss man den Blick über die letzten Tage Berlins hinausweiten und die gesamte Entwicklung betrachten, die diese Männer in die Ruinen der deutschen Hauptstadt führte. Diese Darstellung verfolgt drei Linien. Die erste betrifft das Ausmaß und die Beweggründe, aus denen Ausländer in die bewaffneten Formationen des nationalsozialistischen Deutschlands gezogen wurden, wobei der Zusammenhang mit dem totalen Krieg und den schweren deutschen Verlusten nach 1943 eine zentrale Rolle spielt. Die zweite Linie befasst sich mit den militärischen Entscheidungen, der Taktik und den Handlungen der Reste dieser Verbände in den letzten Operationen des Jahres 1945, dargestellt an konkreten Kämpfen.

Die dritte Linie verfolgt die unmittelbaren und die langfristigen Folgen für die Freiwilligen selbst und fragt, warum ihre Geschichte in den nationalen Erinnerungen so oft am Rand steht. Diese drei Stränge gehören zusammen, denn erst in ihrer Verbindung wird deutlich, dass die letzten Kämpfe kein isoliertes Ereignis waren, sondern das Endstadium eines langen und in sich widersprüchlichen Prozesses. Der historische Rahmen ist dabei unmissverständlich. Bis zum Frühjahr 1945 hatte das Dritte Reich den Krieg strategisch bereits verloren, und dennoch mobilisierte es weiterhin jeden, den es erreichen konnte, einschließlich der Ausländer.

Am Ende dieser Betrachtung steht daher weder das Bild einer vergessenen europäischen Armee noch ein allgemeingültiges Beispiel soldatischer Tapferkeit. Was bleibt, ist die nüchterne Feststellung, dass es sich um verstreute Gruppen von Menschen handelte, die aus unterschiedlichen Gründen in den Dienst eines verbrecherischen Regimes gezogen wurden, und zwar in dem Moment, in dem das Regime in seinem Todeskampf lag. Ihre militärischen Handlungen, selbst dort, wo sie örtlich taktisch wirksam waren, änderten nichts am Ausgang und vollzogen sich im Rahmen einer bereits verlorenen Verteidigung. Ihr Schicksal nach dem Mai wurde zur unmittelbaren Folge der getroffenen Entscheidungen und der Logik der Vergeltung, die von den Siegern ausging.

Damit stellt sich zunächst die grundlegende Frage, wie überhaupt so viele Menschen aus so vielen Ländern in jenem Frühjahr in den Reihen der SS stehen konnten. Um dies zu verstehen, muss man an den Anfang zurückgehen, in die Jahre 1940 bis 1942, als die Anwerbung von Ausländern noch überwiegend ideologisch begründet wurde. In dieser frühen Phase richtete sich der Aufruf vor allem an jene Völker, die die nationalsozialistische Rassenlehre als germanisch einstufte, also an Niederländer, Flamen, Skandinavier und teilweise an Wallonen. Der Werbung lag ein doppeltes Versprechen zugrunde.

Auf der einen Seite stand der Antibolschewismus, die Vorstellung eines Kreuzzugs gegen die Sowjetunion, der als Verteidigung der europäischen Zivilisation ausgegeben wurde. Auf der anderen Seite stand der Pangermanismus, die Idee eines neuen, von Deutschland geführten Europas, in dem die verwandten germanischen Völker einen ehrenvollen Platz einnehmen sollten. Bereits im Jahr 1941, mit dem Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion, entstanden aus diesem Gedanken die ersten nationalen Freiwilligenverbände: die Freiwilligen-Legion Niederlande, die Legion Norwegen, das Freikorps Danmark sowie die flämische und die wallonische Legion, letztere unter der Führung des Rexisten Léon Degrelle. Diese Einheiten wurden zunächst als eigenständige nationale Legionen aufgestellt, später jedoch in größere Verbände der Waffen-SS eingegliedert.

Aus den germanischen Freiwilligen entstanden Formationen wie die Division Wiking und im Jahr 1943 die Division Nordland, die den Kern des von Felix Steiner geführten III. Germanischen Panzerkorps bildeten. In diesen frühen Einheiten war der Anteil überzeugter Anhänger der nationalsozialistischen oder zumindest scharf antikommunistischen Ideologie vergleichsweise hoch. Diese Männer meldeten sich in einer Zeit, in der das Deutsche Reich noch militärische Erfolge vorweisen konnte, und ihre Entscheidung fiel häufig aus politischer Überzeugung.

Hinter dieser Anwerbung stand die Vorstellung Heinrich Himmlers, aus den germanischen Völkern eine übernationale, rassisch definierte Elite zu formen, die den Kern eines künftigen, von der SS beherrschten Europas bilden sollte. Mit dem Kriegsverlauf änderte sich der Charakter der Anwerbung grundlegend. Die schweren Niederlagen der Jahre 1943 und 1944 markierten den Wendepunkt. Die Katastrophe von Stalingrad im Winter 1942/43, die Abnutzungsschlacht bei Kursk und schließlich die sowjetische Großoffensive mit dem Decknamen Bagration, die im Sommer 1944 die deutsche Heeresgruppe Mitte zerschlug, rissen gewaltige Lücken in die deutschen Reihen.

Der Bedarf an Soldaten wuchs in einem Maße, das mit den bisherigen Methoden nicht mehr zu decken war. In dieser Lage weitete das Regime seine Rekrutierung auf immer neue Gruppen aus, und der ursprünglich germanische Rahmen wurde stillschweigend aufgegeben. Aus der französischen Legion gegen den Bolschewismus, kurz LVF genannt, die schon 1941 gebildet worden war, aus Angehörigen der Vichy-Miliz und aus verschiedenen kollaborierenden Gruppen entstand über die Zwischenstufe einer französischen Sturmbrigade, die im Sommer 1944 in Galizien schwere Verluste erlitten hatte, schließlich die Formation Charlemagne. Im Baltikum wurden lettische und estnische Divisionen aufgestellt, die zu einem erheblichen Teil nicht mehr aus Freiwilligen, sondern aus Wehrpflichtigen bestanden, denn die deutschen Besatzungsbehörden führten dort eine faktische Mobilmachung durch.

Auf dem Balkan wurden muslimische Verbände gebildet, und selbst aus dem Gebiet der Sowjetunion kamen einzelne Gruppen hinzu, darunter Angehörige der von General Wlassow geführten Bewegung sowie Kosakenverbände. Der Wandel von der ideologischen Werbung zur Zwangsrekrutierung vollzog sich dabei nicht als klarer Bruch, sondern als schleichende Verschiebung, in der beide Formen eine Zeit lang nebeneinander bestanden. Die Größenordnungen dieser Entwicklung lassen sich in Zahlen fassen, auch wenn diese Zahlen stets mit einer gewissen Unsicherheit behaftet bleiben. Auf ihrem zahlenmäßigen Höhepunkt im Jahr 1944 umfasste die Waffen-SS etwa 950.

000 Mann. Von diesen war ein erheblicher Teil nicht deutscher Herkunft, wobei die Schätzungen zwischen 240. 000 und 310. 000 Nichtdeutschen schwanken.

Aus den Niederlanden kamen etwa 20. 000 bis 25. 000 Mann, aus Belgien rund 18. 000, aufgeteilt in einen flämischen und einen wallonischen Teil, und die französische Formation Charlemagne erreichte in ihren verschiedenen Vorläufern und in ihrer Endform eine Gesamtzahl von etwa 7.

000 bis 11. 000 Mann. Aus den skandinavischen Ländern meldeten sich mehrere Tausend Dänen und Norweger, während die lettischen Verbände bis zu 80. 000 und die estnischen Formationen mehrere Zehntausend Angehörige zählten.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass es sich nicht um eine Randerscheinung handelte, sondern um ein ausgedehntes System, das im Verlauf des Krieges eine wachsende Bedeutung für die deutsche Kriegführung gewann. Zugleich verbirgt sich hinter den nüchternen Zahlen ein tiefgreifender Wandel in der Zusammensetzung und in den Beweggründen der Rekrutierten, denn die absoluten Zahlen sagen für sich genommen nichts darüber aus, wie freiwillig der Eintritt tatsächlich war. Die Unterschiede zwischen den frühen Freiwilligenverbänden und den späteren Formationen waren beträchtlich. In den frühen Einheiten wie Wiking und Nordland dominierte, wie bereits erwähnt, die ideologische Motivation.

In den späteren Formationen hingegen war die Motivlage weitaus gemischter, und häufig trat an die Stelle der freien Entscheidung ein mehr oder weniger großer Zwang. Manche traten ein, um der Zwangsarbeit oder der Gefangenschaft zu entgehen. Andere wurden im Rahmen einer regelrechten Wehrpflicht eingezogen. Wieder andere folgten örtlichen Machthabern oder gerieten in eine Lage, in der der Eintritt als der einzig gangbare Weg erschien.

Nicht selten spielte auch schlichte materielle Not eine Rolle, denn der Sold, die Verpflegung und die Versorgung der Familien boten in einer verarmten und ausgeplünderten Besatzungswirtschaft einen realen Anreiz. Die Vorstellung einer einheitlichen europäischen Freiwilligenbewegung, die aus reiner Überzeugung für eine gemeinsame Sache kämpfte, hält der historischen Prüfung nicht stand. Vielmehr handelte es sich um ein Nebeneinander sehr unterschiedlicher Gruppen, deren gemeinsamer Nenner allein die Uniform und die Unterordnung unter das nationalsozialistische Kommando war. Die Beweggründe der Freiwilligen lassen sich nur im jeweiligen historischen Zusammenhang verstehen.

Für die westeuropäische extreme Rechte bestand eine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus, verbunden mit der Hoffnung auf ein neues Europa unter deutscher Führung, in dem die eigenen politischen Vorstellungen zur Geltung kommen würden. Für viele Osteuropäer waren es antisowjetische Erfahrungen, die den Ausschlag gaben, insbesondere die Erinnerung an die sowjetische Besetzung und die Repressionen der Jahre 1940 und 1941, an die Massendeportationen und die Erschießungen, sowie der Wunsch, einer erneuten sowjetischen Herrschaft zu entgehen. Ein Teil der Franzosen sah im Dienst die Fortsetzung eines Kampfes gegen den Bolschewismus, den sie nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 auf diese Weise weiterführen wollten. Bei all diesen Beweggründen darf der entscheidende Zusammenhang jedoch nicht ausgeblendet werden.

Das nationalsozialistische Regime führte im Osten einen Vernichtungskrieg. Es betrieb eine Politik der Ausbeutung und des Völkermords, und es trug die Verantwortung für den Massenmord an den europäischen Juden und für zahllose weitere Verbrechen. Viele Freiwillige kannten das volle Ausmaß dieser Verbrechen nicht. Andere verdrängten oder ignorierten es bewusst.

Und wieder andere redeten sich ein, ihr Dienst sei angesichts der sowjetischen Bedrohung das kleinere Übel. Keine dieser Erklärungen hebt jedoch den Umstand auf, dass ihr Kampf einem System diente, dessen Wesen der Massenmord war. Es lohnt sich, genauer zu betrachten, warum dieses System der Rekrutierung eine Zeit lang überhaupt funktionierte. Mehrere Faktoren wirkten zusammen.

Die nationalsozialistische Propaganda verstand es, den Krieg im Osten als Verteidigung Europas gegen eine angeblich barbarische Bedrohung darzustellen, und diese Erzählung fand in bestimmten politischen Milieus Anklang. Die Waffen-SS bot zudem eine einheitliche und harte Ausbildung, die aus Rekruten unterschiedlichster Herkunft militärisch verwendbare Verbände formte, und sie verlieh den Angehörigen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer angeblich auserlesenen Gemeinschaft. Die antikommunistische Rhetorik verband Menschen aus verschiedenen Ländern über eine gemeinsame Feindbestimmung, und für einen Teil der Rekrutierten fehlten schlicht die realen Alternativen, sei es aufgrund der Besatzungslage, sei es aufgrund persönlicher Verstrickungen in die Kollaboration, die einen Rückzug kaum noch zuließen. Wer sich einmal offen auf die Seite der Besatzer gestellt hatte, dem war der Weg zurück in die eigene Gesellschaft in der Regel verbaut, sodass die Flucht nach vorn oft als einzig verbliebene Möglichkeit erschien.

In der Summe erklärt dies, weshalb das Regime über Jahre hinweg genügend Ausländer für seine Verbände gewinnen konnte. Ebenso wichtig ist jedoch die Frage, warum dieses System das Kriegsgeschick am Ende nicht wenden konnte. Die Antwort liegt in der strategischen Erschöpfung Deutschlands, die durch keine noch so entschlossene Rekrutierung auszugleichen war. Die materielle und personelle Überlegenheit der Alliierten, insbesondere der Sowjetunion, war erdrückend geworden.

Hinzu kam das tiefe Misstrauen, das Hitler und Himmler trotz aller Werbung gegenüber den nichtdeutschen Verbänden hegten, ein Misstrauen, das sich in mangelnder Ausrüstung, in der Zurückhaltung bei der Beförderung und in einer generellen Geringschätzung äußerte. Die enormen Verluste der letzten Kriegsjahre verwandelten viele dieser Formationen faktisch in Verschleißmaterial, das an besonders gefährdeten Abschnitten eingesetzt und aufgerieben wurde. Der behauptete Bündnischarakter zwischen dem Reich und seinen ausländischen Freiwilligen war in Wahrheit von Beginn an asymmetrisch und beruhte auf einer zynischen Ausnutzung menschlicher Ressourcen, die sich in der Endphase des Krieges in aller Deutlichkeit offenbarte. Das Versprechen eines gleichberechtigten Platzes im neuen Europa entpuppte sich als Propaganda, während die Realität in der Unterordnung, der Missachtung und dem Opfertod an aussichtslosen Frontabschnitten bestand.

So blieben von den einst verhältnismäßig großen Formationen zu Beginn des Jahres nur noch angeschlagene Reste übrig, die man in die verzweifeltsten Abschnitte der Front warf und die schließlich in den letzten Kämpfen um Berlin ihr Ende finden sollten. Um die letzten Kämpfe dieser Verbände zu verstehen, muss man sich zunächst die militärische Gesamtlage im Frühjahr 1945 vor Augen führen. Nach der Weichsel-Oder-Operation, die im Januar begonnen hatte, und nach der anschließenden Offensive in Pommern hatte die Rote Armee die strategische Initiative endgültig an sich gerissen. Die deutschen Fronten im Osten waren zerschlagen oder auf schmale Reststreifen zurückgedrängt, und die sowjetischen Verbände standen an der Oder, nur noch wenige Dutzend Kilometer von Berlin entfernt.

Am 16. April eröffnete die Rote Armee mit den Fronten der Marschälle Schukow und Konew die entscheidende Offensive auf die Reichshauptstadt. Und nach der Durchbruchsschlacht an den Seelower Höhen, die bis zum 19. April andauerte, war der Weg in die Stadt frei.

Am 25. April schlossen die sowjetischen Verbände den Ring um Berlin, während sich am selben Tag bei Torgau an der Elbe sowjetische und amerikanische Truppen die Hand reichten und das Reich damit endgültig in zwei Teile zerschnitten war. Die deutsche Hauptstadt wurde so zum letzten großen Knotenpunkt des Widerstands, zu einem Ort, an dem sich die Reste einer geschlagenen Armee sammelten, um eine Stadt zu verteidigen, deren Fall längst nur noch eine Frage der Zeit war. In diese Lage hinein gerieten auch die Überbleibsel der ausländischen Verbände, die man aus den zerschlagenen Formationen der vorangegangenen Wochen zusammenzog und auf die aussichtslosesten Abschnitte lenkte.

Ihr Einsatz in Berlin war weniger das Ergebnis einer durchdachten Planung, als vielmehr die Folge der allgemeinen Auflösung, in der jeder verfügbare Verband dorthin geworfen wurde, wo die Front am dringendsten Männer benötigte. Das aufschlussreichste Beispiel bietet die Geschichte der französischen Formation Charlemagne. Sie war in den Jahren 1944 und 1945 aus den Resten der Legion gegen den Bolschewismus, aus Angehörigen der Miliz und aus weiteren kollaborierenden Gruppen zusammengestellt worden. Im Februar zählte sie noch etwa 7.

340 Mann. Doch bereits kurz darauf, um den 20. Februar, geriet sie im Raum Hammerstein und Körlin in Pommern in schwere Kämpfe mit vorrückenden sowjetischen Verbänden und erlitt katastrophale Verluste. Die Formation wurde in kürzester Zeit weitgehend aufgerieben, versprengt und ihrer Zusammenhänge beraubt.

Ganze Kampfgruppen wurden eingekesselt oder auf dem Rückzug zur Ostsee zerschlagen. Von den ursprünglich mehreren Tausend Mann blieb nur ein kleiner Kern übrig, der noch kampffähig war. Als schließlich der Befehl erging, Kräfte nach Berlin zu verlegen, erreichte die deutsche Hauptstadt nur noch eine sehr geringe Zahl von Franzosen. Die Angaben schwanken erheblich und liegen je nach Quelle zwischen etwa 100 und 400 Mann, wobei die meisten Schätzungen von rund 300 bis 400 ausgehen.

Diese wurden zu einem Sturmbataillon zusammengefasst, das der deutsche SS-Offizier Gustav Krukenberg am 24. April in die Stadt führte. Krukenberg übernahm zugleich das Kommando über die stark geschwächte Division Nordland und war damit für den Abschnitt verantwortlich, in dem die Franzosen eingesetzt wurden. Die Handlungen dieses kleinen Verbandes zwischen dem 25.

April und dem 2. Mai gehören zu den am genauesten dokumentierten Episoden des ausländischen Einsatzes in der Endphase des Krieges. Die Franzosen wurden zunächst im Verteidigungssektor mit der Bezeichnung C eingesetzt, der den Berliner Stadtteil Neukölln und das Gebiet um den Hermannplatz umfasste, und in den folgenden Tagen weiter in Richtung Stadtmitte in den Regierungssektor um die Reichskanzlei zurückgenommen. Am 26.

April beteiligten sie sich an einem Gegenstoß, mit dem die vorrückenden sowjetischen Kräfte örtlich aufgehalten werden sollten. In den engen Straßen und zwischen den Ruinen entfaltete sich dabei jene Form des Häuserkampfes, die für die Schlacht um Berlin so kennzeichnend werden sollte. Die Franzosen setzten in großem Umfang die Panzerfaust ein, eine einfache, aber im Nahbereich äußerst wirksame Panzerabwehrwaffe, mit der auch kleine Gruppen von Infanteristen schwere gepanzerte Fahrzeuge ausschalten konnten. In den Trümmern der Großstadt, wo die Sichtweiten kurz waren und die Angreifer sich nah an die Panzer heranarbeiten konnten, erwies sich diese Waffe als besonders gefährlich für die sowjetischen Verbände.

Einzelne Männer traten in diesen Tagen besonders hervor, und ihre Namen sind mit bestimmten Episoden verbunden, auch wenn die genauen Zahlen der von ihnen zerstörten Panzer mit Vorsicht zu betrachten sind. Unter dem Kommando von Henri Fenet, einem der französischen Offiziere, sollen Gruppen von Panzerjägern einen beträchtlichen Teil der sowjetischen Panzer vernichtet haben, die im südöstlichen Sektor der Stadt verloren gingen. Nach einigen Angaben wurden in diesem Abschnitt bis zum 28. April etwa 108 Panzer ausgeschaltet, wobei ein erheblicher Anteil den französischen Panzerjägern zugeschrieben wird.

Solche Zahlen stammen zu einem großen Teil aus den Berichten der Beteiligten selbst und lassen sich nicht in jedem Einzelfall unabhängig überprüfen. Doch sie vermitteln einen Eindruck von der Intensität dieser Kämpfe. Am 29. April, als die Lage im Regierungsviertel bereits hoffnungslos war, verlieh Krukenberg mehreren Franzosen das Ritterkreuz, eine der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen.

Der Soldat Eugène Vaulot wird in mehreren Darstellungen genannt, weil er die Zerstörung mehrerer Panzer für sich in Anspruch nahm und zu diesen letzten Ausgezeichneten gehörte. Er fiel wenige Tage später. Auch die Namen Roger Albert Brunet und Henri Fenet sind mit dieser Auszeichnung und mit dem Kampf in diesen Tagen verbunden. Andere Episoden schildern die hartnäckige Verteidigung einzelner Stellungen, etwa den Widerstand an einem Maschinengewehrposten in der Nähe der Brücke am Halensee, wo kleine Gruppen den Vormarsch der sowjetischen Truppen über Stunden hinweg aufhielten.

Neben den Franzosen kämpften in demselben Raum auch Reste der Division Nordland, deren Kern aus dänischen und norwegischen Freiwilligen der Regimenter Danmark und Norge bestand und der weitere Angehörige verschiedener Nationen angehörten. Diese Division hatte ihren bisherigen Kommandeur verloren und war im Verlauf der Kämpfe um Berlin ebenfalls stark zusammengeschmolzen. Ihre verbliebenen Angehörigen führten einen ähnlichen Kampf wie die Franzosen, indem sie sich in den Ruinen eingruben und den sowjetischen Panzern mit Nahkampfwaffen entgegentraten. In den Wäldern und Ortschaften südöstlich der Stadt, im Kessel von Halbe, wurden zur gleichen Zeit auch niederländische Freiwillige der Formation Niederland und weitere Verbände aufgerieben, die den Ausbruch nach Westen versuchten.

Das Zusammentreffen dieser verschiedenen Nationalitäten in einem einzigen, immer enger werdenden Verteidigungsraum verdeutlicht den Charakter dieser letzten Kämpfe. Es waren nicht mehr geschlossene Verbände mit klarer nationaler Zugehörigkeit, sondern versprengte Reste, die man nach Verfügbarkeit zusammenwarf und die gemeinsam eine Verteidigung führten, deren Sinnlosigkeit den meisten Beteiligten bewusst gewesen sein muss. Es stellt sich die Frage, warum diese Verteidigung örtlich überhaupt eine gewisse Wirkung entfalten konnte. Mehrere Umstände kamen dabei zusammen.

Die dichte städtische Bebauung und die ausgedehnten Trümmerfelder begünstigten kleine Gruppen, die mit Panzerabwehrwaffen von kurzer Reichweite ausgestattet waren. In einem solchen Gelände verloren die großen sowjetischen Panzerverbände einen Teil ihres Vorteils, denn sie konnten ihre Beweglichkeit und ihre Feuerkraft nicht voll zur Geltung bringen. Hinzu kam, dass die sowjetischen Panzer bisweilen ohne ausreichende Begleitung durch eigene Infanterie vorgingen, was sie zu einer leichten Beute für die getarnten Panzerjäger machte, die aus Kellern, Hauseingängen und Trümmerhaufen heraus angriffen. Schließlich spielte die hohe Kampfmotivation eines Teils der Verteidiger eine Rolle.

Viele von ihnen wussten oder ahnten, dass die Gefangenschaft für Kollaborateure und für östliche Freiwillige oft den sofortigen Tod oder das Lager bedeutete, und diese Aussicht ließ ihnen kaum einen Anreiz zur Aufgabe. Der Kampf bis zum Ende war für sie weniger Ausdruck einer Siegeshoffnung, als vielmehr die Folge einer Lage, in der jede Alternative ebenso ausweglos erschien. Hinzu kam, dass ein Teil der Franzosen im Straßenkampf über eine beträchtliche Erfahrung verfügte, die sie an der Ostfront und in den vorangegangenen Rückzugskämpfen erworben hatten, sodass sie das Gelände geschickter ausnutzten als manche eilig zusammengestellte deutsche Ersatzeinheit. In den ersten Tagen des Berliner Straßenkampfes verlangsamte dies den sowjetischen Vormarsch in einzelnen Abschnitten spürbar und zwang die Angreifer zu einem vorsichtigeren, methodischeren Vorgehen von Häuserblock zu Häuserblock.

Ebenso deutlich muss jedoch gesagt werden, warum diese Verteidigung im Ganzen nicht funktionieren konnte und niemals eine reale Aussicht auf Erfolg besaß. Es fehlte an allem, was einen längeren Widerstand hätte tragen können. Es gab keine Reserven, die man hätte heranführen können, keine nennenswerte Artillerie, keine Luftunterstützung und keinen Treibstoff für größere Bewegungen. Die Munition wurde von Tag zu Tag knapper, die Verbände lösten sich im Straßenkampf auf, und die Verbindung zwischen den einzelnen Abschnitten brach vielfach zusammen.

Die zahlenmäßige und die feuertechnische Überlegenheit der sowjetischen Truppen war erdrückend, und die Einschließung Berlins hatte jede Möglichkeit eines geordneten Rückzugs oder einer Entsatzoperation von außen beseitigt. Die örtlichen Erfolge einzelner Panzerjäger änderten an dieser Grundtatsache nichts. Sie verzögerten den sowjetischen Vormarsch an einzelnen Punkten um Stunden oder Tage. Doch sie konnten den unaufhaltsamen Fall der Stadt weder aufhalten noch auch nur nennenswert hinauszögern.

Die Entscheidung Krukenbergs und anderer Kommandeure, die Verteidigung bis zu dem Befehl zum Ausbruch am 1. Mai fortzusetzen, spiegelte einerseits die ideologische Härte und den Fanatismus wider, die in Teilen der Waffen-SS bis zuletzt vorhanden waren, andererseits aber auch das schlichte Fehlen realistischer Möglichkeiten einer Kapitulation, die für die ausländischen Freiwilligen mit einer erträglichen Aussicht verbunden gewesen wäre. In der Nacht zum 2. Mai lösten sich die verbliebenen Gruppen zu einem verzweifelten Ausbruchsversuch auf, der nur wenige über die sowjetischen Linien hinausführte, ehe der Stadtkommandant Weidling am 2.

Mai die Kapitulation der Garnison unterzeichnete. Die Franzosen der Charlemagne und die Angehörigen der Nordland waren dabei nicht die einzigen Ausländer, die in den letzten Tagen des Krieges auf verlorenem Posten kämpften, wenngleich sie das bekannteste Beispiel darstellen. Zur selben Zeit spielten sich an anderen Orten weitere Episoden ab, die das Bild abrunden. In Prag kam es Anfang Mai zu einem bemerkenswerten Vorgang, als Teile der von General Wlassow geführten Russischen Befreiungsarmee, die bis dahin auf deutscher Seite gestanden hatten, sich überraschend gegen die deutschen Truppen wandten und den tschechischen Aufständischen zu Hilfe kamen.

Dieser plötzliche Seitenwechsel verdeutlicht die zutiefst widersprüchliche und verzweifelte Lage, in der sich diese östlichen Formationen befanden, die weder von der einen noch von der anderen Seite Gnade erwarten konnten und in letzter Stunde nach einem Ausweg suchten, den es für sie nicht mehr gab. Auch einzelne Kosakenverbände kämpften in den letzten Wochen an verschiedenen Abschnitten, ehe auch sie in die allgemeine Katastrophe hineingezogen wurden. Diese Beispiele zeigen, dass der Einsatz der Ausländer in der Endphase des Krieges kein einheitliches Bild ergab, sondern eine Vielzahl von Schicksalen umfasste, die sich in ihrer Ausweglosigkeit gleichwohl ähnelten. Für die große Mehrheit der Beteiligten aber wurden diese Kämpfe zum letzten Kapitel ihres Krieges, an dessen Ende Gefangenschaft, Aburteilung oder Tod standen.

Mit dem Fall Berlins Anfang Mai begann für die überlebenden Freiwilligen jene Phase, in der sich die Folgen ihrer Entscheidung mit voller Härte offenbarten. In der Stadt selbst gerieten viele Franzosen der Charlemagne in sowjetische Gefangenschaft, und für einen Teil von ihnen endete der Krieg mit der sofortigen Erschießung an Ort und Stelle oder wenige Tage später. Die sowjetischen Truppen machten in der Regel keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Angehörigen der Waffen-SS, und die Kollaborateure hatten von einer Gefangennahme durch die Rote Armee ohnehin das Schlimmste zu erwarten. Gustav Krukenberg, der Kommandeur des Abschnitts, geriet in sowjetische Hand und blieb bis 1955 in langjähriger Haft.

Henri Fenet, einer der hervorgetretenen französischen Offiziere, wurde verwundet und geriet zunächst in westliche Hand, ehe man ihn an die französischen Behörden überstellte, die ihn vor Gericht stellten. Diese unterschiedlichen Wege zeigen bereits, dass das Schicksal der Freiwilligen nicht allein von ihren Taten, sondern in erheblichem Maße auch davon abhing, in wessen Gefangenschaft sie gerieten und aus welchem Land sie stammten. Am schwersten traf es jene Freiwilligen und Kollaborateure, die aus dem Gebiet der Sowjetunion stammten oder gegen sie gekämpft hatten. Die Angehörigen der Wlassow-Bewegung, die Kosaken und die übrigen östlichen Formationen sahen sich einer erbarmungslosen Vergeltung gegenüber.

Viele von ihnen wurden im Rahmen der von den Alliierten auf der Konferenz von Jalta vereinbarten Rückführung zwangsweise an die Sowjetunion ausgeliefert, auch dann, wenn sie sich zuvor westlichen Truppen ergeben hatten. Diese erzwungene Repatriierung, die im Westen bisweilen unter Zwang und mit Waffengewalt durchgesetzt wurde, bedeutete für einen großen Teil der Betroffenen die Erschießung oder die jahrelange Haft in den Lagern des sowjetischen Straflagersystems. Für die Führer dieser Bewegungen war der Ausgang besiegelt. Sie wurden vor Gericht gestellt und hingerichtet, und ihre Anhänger verschwanden zu Zehntausenden in einem System der Bestrafung, das kaum Unterschiede nach dem Grad der persönlichen Schuld machte.

Der Umstand, dass viele dieser Männer aus antisowjetischer Überzeugung oder aus der bitteren Erfahrung der eigenen Verfolgung heraus gehandelt hatten, spielte in der Logik der Vergeltung keine Rolle. In den westeuropäischen Ländern verliefen die Abrechnungen mit den Freiwilligen ebenfalls hart, jedoch nach anderen Maßstäben und mit größeren Unterschieden im Einzelfall. In Frankreich war die Stimmung gegenüber den Kollaborateuren in den Wochen nach der Befreiung von tiefem Zorn geprägt, und die sogenannte Säuberung forderte in ihrer ersten ungeordneten Phase zahlreiche Opfer. Es kam zu standrechtlichen Erschießungen, und in einem bekannten Fall ließ General Leclerc am 8.

Mai bei Bad Reichenhall eine Gruppe von zwölf gefangenen französischen SS-Angehörigen sofort hinrichten, die man in deutscher Uniform aufgegriffen hatte. Daneben trat die reguläre Justiz, die in geordneten Verfahren über die Angeklagten urteilte. Henri Fenet wurde zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, kam jedoch im Jahr 1959 vorzeitig frei. Diese Verbindung von summarischer Rache in der ersten Phase und geregelter Aburteilung in der Folgezeit kennzeichnete den französischen Umgang mit der Kollaboration insgesamt.

In den Niederlanden und in Belgien, aus denen zahlreiche Freiwillige stammten, verhängten eigens eingerichtete Sondergerichte Haftstrafen, die je nach Schwere des Falles von wenigen Jahren bis zu etwa 15 Jahren reichten, und in einer Reihe schwerer Fälle wurden auch Todesurteile gefällt und vollstreckt. Der Dienst in den Truppen des Feindes galt als schwerwiegender Verrat, der geahndet werden musste. Doch die Todesstrafe blieb hier die Ausnahme und traf vor allem jene, denen zusätzlich unmittelbare Verbrechen nachgewiesen werden konnten. In den skandinavischen Ländern verliefen die Verfahren nach ähnlichen Grundsätzen, mit Haftstrafen für die Rückkehrer und einer gesellschaftlichen Ächtung, die oft weit über die eigentliche Strafe hinausreichte und die Betroffenen und ihre Familien über Jahrzehnte begleitete.

Einige der bekanntesten Gestalten unter den Freiwilligen entzogen sich der Bestrafung durch Flucht. Der Wallone Léon Degrelle, einer der prominentesten westeuropäischen Kollaborateure, gelangte mit einem Flugzeug nach Spanien, wo er unter dem Schutz der Weigerung der spanischen Behörden, ihn auszuliefern, bis zu seinem Tod im Jahr 1994 lebte, während ihn ein belgisches Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt hatte. Andere tauchten unter, nahmen falsche Namen an oder emigrierten in späteren Jahren nach Übersee, um der Verfolgung und der Ächtung in ihrer Heimat zu entgehen. Diese Einzelschicksale dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die große Mehrheit der Freiwilligen der Weg in die Gefangenschaft, vor die Gerichte oder in den Tod führte.

Die spektakulären Fluchtgeschichten einzelner Prominenter bilden die Ausnahme, nicht die Regel, und sie haben in der späteren Erinnerung einen Platz eingenommen, der ihrer tatsächlichen Bedeutung kaum entspricht. Es lohnt sich, über die Gründe für die Härte dieser Abrechnung nachzudenken. Das strenge Schicksal der Freiwilligen war die unmittelbare Folge ihres Dienstes für ein Regime, das einen Angriffskrieg entfesselt und eine Politik des Völkermords betrieben hatte. Die Sieger, insbesondere die Sowjetunion und die französischen Behörden, waren nicht bereit, jenen Gnade zu gewähren, die bis zum letzten Tag auf der Seite des Feindes gekämpft hatten.

Wer in der Uniform des Angreifers gefangen wurde, konnte kaum auf Milde hoffen, und die allgemeine Erbitterung nach Jahren der Besatzung, der Deportationen und der Massenverbrechen ließ wenig Raum für differenzierte Betrachtungen. Zugleich gab es Unterschiede im Umgang, die nicht übersehen werden sollten. Bei den baltischen Verbänden etwa, die zu einem erheblichen Teil aus Wehrpflichtigen bestanden, kam es zu einer differenzierteren Bewertung. Zwar hatte der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg die SS insgesamt zur verbrecherischen Organisation erklärt, doch nahm er ausdrücklich jene aus, die zwangsweise eingezogen worden waren und sich keiner Verbrechen schuldig gemacht hatten.

In diesem Sinne stufte im Jahr 1950 eine Kommission der Vereinigten Staaten, die über das Schicksal der verschleppten Personen zu entscheiden hatte, die baltischen Legionen nicht ohne weiteres als Teil der verbrecherischen deutschen SS ein, sondern betrachtete sie nach Zweck, Weltanschauung und Zusammensetzung als davon verschieden. Diese Unterscheidung zeigt, dass die Nachkriegsjustiz bei aller Härte in einzelnen Fällen die Frage nach dem Grad der Freiwilligkeit und der persönlichen Verantwortung durchaus stellte, auch wenn diese Differenzierung in der Praxis oft hinter dem allgemeinen Bedürfnis nach Vergeltung zurücktrat. Es bleibt die Frage, warum die Geschichte dieser Männer so oft an den Rand der Erinnerung gedrängt wurde. Die Antwort liegt in der Beschaffenheit der nationalen Erzählungen, die sich im Nachkriegseuropa herausbildeten.

In fast allen betroffenen Ländern beherrschten nach 1945 die Themen des Widerstands und des nationalen Opfers das öffentliche Gedächtnis. Man erinnerte sich an den Kampf gegen die Besatzung, an die Partisanen und an das Leiden der eigenen Bevölkerung. Und diese Erzählung ließ für die Kollaboration und für den Dienst in den deutschen Verbänden nur wenig Raum. Die Freiwilligen passten nicht in das Bild, das die befreiten Nationen von sich selbst entwerfen wollten, und ihre Geschichte wurde daher zu einem unbequemen Thema, das man lieber verschwieg.

Hinzu kam die besondere Lage des Kalten Krieges, in der die antisowjetischen Motive mancher Freiwilliger eine zweideutige Rolle spielten. Einerseits wurden sie verschwiegen, weil sie an die Kollaboration erinnerten. Andererseits konnten sie in bestimmten Zusammenhängen selektiv aufgegriffen werden, wenn es der antikommunistischen Ausrichtung der Nachkriegszeit entgegenkam. Aus dieser Gemengelage entstand eine Erinnerung, die weder klar verurteilte noch offen benannte, sondern das Thema in eine Grauzone des Schweigens verschob.

Erst in jüngerer Zeit hat die historische Forschung begonnen, diese Grauzone auszuleuchten und die Geschichte der ausländischen Freiwilligen ohne apologetische wie ohne verklärende Absicht zu untersuchen. Wo dieses Schweigen aufbrach, geschah dies nicht selten von der falschen Seite. In den Kreisen der ehemaligen Freiwilligen selbst und in einer geschichtsrevisionistischen Publizistik entstanden Erinnerungsberichte, die den eigenen Einsatz zum ritterlichen Kreuzzug verklärten und die Verbrechen des Regimes ausblendeten. Gerade aus solchen Darstellungen stammen viele der überhöhten Zahlenangaben über zerstörte Panzer und über die angebliche Wirkung der Verteidigung, weshalb sie mit besonderer Vorsicht zu behandeln sind.

Die nüchterne wissenschaftliche Aufarbeitung hatte dem gegenüber lange einen schweren Stand, weil sie sich zwischen dem Schweigen der offiziellen Erinnerung und der Verklärung durch die Beteiligten ihren Weg bahnen musste. Gerade dieses Schweigen aber hat zu einer Verzerrung beigetragen, die es zu vermeiden gilt. Die Geschichte der ausländischen Freiwilligen ist keine heroische Sage, und sie ist auch nicht die universelle Tragödie eines Europas, das sich angeblich geschlossen gegen den Bolschewismus erhoben hätte. Sie ist eine komplexe und häufig düstere Seite der Geschichte, die den Preis einer ideologischen Entscheidung und die Logik des totalen Krieges vor Augen führt.

Wer diese Geschichte zur Heldenerzählung verklärt, verkennt den verbrecherischen Charakter des Regimes, in dessen Dienst diese Männer standen. Wer sie hingegen allein zur Tragödie unschuldiger Opfer verklärt, verkennt die persönliche Verantwortung, die mit dem Eintritt in die Waffen-SS verbunden war. Die Wahrheit liegt in der nüchternen Anerkennung beider Aspekte, in der Feststellung, dass hier Menschen aus unterschiedlichen Beweggründen eine Entscheidung trafen, die sie an die Seite eines mörderischen Systems stellte, und dass sie die Folgen dieser Entscheidung in vollem Umfang zu tragen hatten. Am Ende steht damit ein klares Bild.

Bis zum Mai 1945 waren von der ausländischen Legion des nationalsozialistischen Deutschlands nur noch kleine, schwer angeschlagene Gruppen übrig geblieben. Ein Teil von ihnen, die Franzosen der Charlemagne sowie die Skandinavier und weitere Angehörige der Nordland, nahm an den letzten Kämpfen um Berlin teil. In der städtischen Verteidigung gelang es kleinen Verbänden, die mit der Panzerfaust ausgerüstet waren, den sowjetischen Truppen spürbare örtliche Verluste zuzufügen, insbesondere an Panzern. Doch diese Handlungen vollzogen sich zu einem Zeitpunkt, an dem die strategische Niederlage Deutschlands längst unumkehrbar geworden war.

Sie verzögerten nichts, sie wendeten nichts, und sie fanden in einer Stadt statt, deren Fall bereits feststand. Die große Mehrheit der ausländischen Freiwilligen, die in sowjetische Gefangenschaft gerieten, kam ums Leben oder verschwand in den Lagern. Jene, die sich den westlichen Alliierten ergaben, wurden in den meisten Fällen in ihre Heimatländer zurückgeführt, wo sie vor Gerichte oder vor Militärtribunale gestellt wurden. Die Urteile reichten von Erschießungen und langjährigen Haftstrafen bis zu milderen Maßnahmen in einzelnen Fällen.

Ihre Geschichte ist nicht die einer vergessenen europäischen Armee, und sie taugt nicht zum Stoff für heroische Mythen. Sie ist die Geschichte verstreuter Gruppen, die in den Dienst eines Regimes gezogen wurden, das die Verantwortung für einen Angriffskrieg und für Massenverbrechen gegen die Menschlichkeit trug. Ihre militärische Ausbildung und ihre einzelnen taktischen Erfolge in den letzten Kämpfen heben den Zusammenhang nicht auf, in dem sie kämpften, und ihr weiteres Schicksal wurde zur unmittelbaren Folge der getroffenen Entscheidung und der Umstände des totalen Krieges.

Das vergessene Bündnis bleibt eine schwierige und unbequeme Seite der Geschichte, gerade weil es sich in die vereinfachten Erzählungen keiner der beteiligten Seiten einfügen lässt.