Von Hermann Balk spricht man gern als einem der begabtesten Panzerführer des Zweiten Weltkriegs, einem Offizier, der überall dort hingeschickt wurde, wo eine Front zu zerbrechen drohte. Dieses Bild ist nicht völlig falsch, aber es ist zu einfach. Balk besaß keine geheime Formel, mit der sich überlegene Armeen dauerhaft schlagen ließen. Seine Stärke lag darin, auf einem begrenzten Abschnitt schnell zu erkennen, wo der Gegner verwundbar war, Kräfte dorthin zu konzentrieren und einen Gegenstoß zu führen, bevor aus einem örtlichen Einbruch eine operative Katastrophe wurde.

Zwischen 1942 und 1944 wurde diese Fähigkeit mehrfach sichtbar. Doch ebenso wichtig ist die andere Hälfte seiner Geschichte. Dieselben Methoden stießen später an ihre Grenzen, als ihm Treibstoff, Panzer, erfahrene Soldaten und operative Beweglichkeit fehlten. Es geht hier deshalb nicht um die Legende eines unbesiegbaren Feldherrn, sondern um die Mechanik seines Kommandierens.
Drei Fragen stehen im Mittelpunkt. Wie traf Balk seine Entscheidungen unmittelbar am Gefechtsfeld? Er hielt seine Panzer möglichst nicht gleichmäßig über eine lange Front verteilt, sondern versuchte, sie als bewegliche Faust zusammenzuhalten. Wenn der Gegner durchbrach, sollte die eigene Reaktion nicht in einem langsamen Verschieben der gesamten Linie bestehen.
Stattdessen wurde der Einbruch beurteilt, die Flanke gesucht und mit einem konzentrierten Gegenstoß getroffen. Nachtmärsche gehörten dabei zu seinen wichtigsten Werkzeugen, weil sie Truppen über größere Entfernungen verschieben konnten und zugleich die Überraschung begünstigten. Zweitens: Welche Ausbildung und Führungsstruktur machten solche Entscheidungen überhaupt möglich? Balk setzte stark auf selbstständig handelnde Offiziere und Unteroffiziere, auf Funkverbindungen und auf das Zusammenspiel von Panzern, Panzergrenadieren und Artillerie.
Drittens: Wo lag die Grenze dieses Systems? Eine Methode, die auf einem schmalen Abschnitt einen Durchbruch schließen konnte, konnte nicht automatisch eine ganze Front retten, wenn sich die gegnerische Masse, die eigene Erschöpfung und die strategische Lage grundlegend verändert hatten. Hermann Balk wurde in Danzig-Langfuhr geboren und trat vor dem Ersten Weltkrieg in das Hannoversche Jägerbataillon Nummer 10 in Goslar ein. Sein Vater Wilhelm Balk war Offizier und Militärschriftsteller, doch daraus eine familiäre Dynastie militärischer Genies zu machen, wäre falsch.
Entscheidender war die militärische Umgebung, in der der junge Offizier aufwuchs. Im Ersten Weltkrieg lernte Balk den Krieg nicht aus der Perspektive eines entfernten Stabes kennen, sondern aus unmittelbarer Nähe. Er kämpfte an mehreren Fronten und wurde nach der überwiegenden biographischen Überlieferung sieben Mal verwundet. Er führte Patrouillen und diente gegen Ende des Krieges als Kompanieführer einer Maschinengewehrkompanie.
Solche Erfahrungen bedeuteten nicht automatisch militärische Brillanz. Sie bedeuteten vor allem, dass Balk lernte, unter schlechten Informationen, unter Zeitdruck und trotz hoher Verluste handlungsfähig zu bleiben. Der Krieg bestand für ihn nicht aus sauberen Kartenlinien, sondern aus Unterbrechungen, Nebel, Ausfällen, improvisierten Entscheidungen und der Frage, was ein Unterführer in diesem Augenblick tatsächlich tun konnte. Nach dem Krieg blieb Balk in der Reichswehr.
Er gehörte zu den ungefähr viertausend Offizieren, die in der stark verkleinerten deutschen Armee weiterdienen konnten. Im Jahr 1922 wechselte er zum 18. Reiterregiment und blieb dort viele Jahre. Zweimal lehnte er die Möglichkeit ab, dauerhaft die klassische Generalstabslaufbahn einzuschlagen.
Er entschied sich damit bewusst für eine stärker truppenbezogene Karriere. Diese Jahre waren für seinen späteren Stil wichtig, weil sie ihm eine Vorstellung von Bewegung vermittelten, die über den klassischen Panzerkampf hinausging. Geschwindigkeit bedeutete nicht einfach, schneller zu fahren als der Gegner. Sie bedeutete, Kräfte so zu bewegen, dass der Gegner an einem entscheidenden Punkt zu spät reagieren musste.
Dazu passte die deutsche Führungstradition der Auftragstaktik. Ein Unterführer erhielt nicht für jede Bewegung eine genaue Anweisung, sondern einen Auftrag, einen Zweck und einen Rahmen, innerhalb dessen er selbst entscheiden sollte. Das funktionierte nur, wenn die betreffenden Offiziere und Unteroffiziere entsprechend ausgebildet waren und wenn Kommunikation und Vertrauen vorhanden waren. Balk sollte später davon profitieren.
Sein Führungsstil beruhte stark darauf, dass er nicht jede Einzelheit selbst kontrollieren musste. Sein Stab konnte die größere Lage bearbeiten, während er sich auf den Abschnitt konzentrierte, an dem die Entscheidung fallen sollte. Diese Verbindung aus dezentraler Führung und persönlicher Präsenz wurde später zu einem Kennzeichen seiner Kommandos. Der erste große Beweis dafür kam im Westen.
Im Oktober 1939 übernahm Balk das Schützenregiment eins der ersten Panzerdivision. Im Mai des folgenden Jahres stand dieses Regiment an der Maas bei Sedan. Am 13. Mai begann der deutsche Angriff über den Fluss.
Die Übergänge waren zerstört oder unter Feuer, und die ersten Einheiten mussten mit Sturmbooten übersetzen. Französische Artillerie und Luftangriffe machten den schmalen Übergang gefährlich. Entscheidend war nicht ein abstrakter Begriff von Blitzkrieg, sondern die Frage, ob aus den ersten kleinen Brückenköpfen schnell genug ein zusammenhängender Raum für weitere Kräfte entstehen konnte. Balks Regiment drängte über die Maas und erweiterte den Brückenkopf.
Die Abläufe einer solchen Flussüberquerung waren zuvor in Übungen und Kriegsspielen vorbereitet worden, unter anderem im Kriegsspiel Koblenz. Das bedeutete nicht, dass der reale Kampf vorhersehbar gewesen wäre. Es bedeutete, dass bestimmte Verfahren vorbereitet waren und Unterführer wussten, welches Ziel erreicht werden musste, wenn die ursprünglichen Bedingungen nicht mehr existierten. Am 17.
Mai wurde Balk im Wehrmachtbericht namentlich erwähnt. Der Erfolg war real, aber er war kein Beweis dafür, dass eine einzelne Persönlichkeit Frankreich besiegt hatte. Die deutsche Offensive beruhte auf einem größeren operativen Konzept und fand innerhalb eines von Deutschland begonnenen Angriffskrieges statt. Auch die französischen Fehler gehörten zur Erklärung des Erfolgs.
Die deutsche Führung konnte Tempo und konzentrierte Kräfte nutzen, während die französische Reaktion an entscheidenden Stellen zu langsam ausfiel. Ein taktischer Erfolg ist immer auch davon abhängig, was der Gegner gleichzeitig tut oder nicht tut. Im Jahr 1941 führte Balk das Panzerregiment drei der zweiten Panzerdivision im Balkanfeldzug und in Griechenland. Dort war die Landschaft völlig anders als an der Maas.
Enge Gebirgsstraßen, schwieriges Gelände und zerstörte Verkehrswege begrenzten den Einsatz schwerer Fahrzeuge. Dennoch blieb ein Grundgedanke erhalten. Panzer und motorisierte Infanterie sollten nicht isoliert eingesetzt werden. Gemischte Kampfgruppen konnten Beweglichkeit auch dort erzeugen, wo das Gelände sie eigentlich erschwerte.
Hindernisse wurden nicht automatisch als Grund verstanden, eine Operation abzubrechen, sondern als Anlass, Zusammensetzung und Richtung der eigenen Kräfte anzupassen. Danach kehrte Balk erneut in eine Stabsfunktion zurück und arbeitete beim Oberkommando des Heeres im Bereich der schnellen beziehungsweise mobilen Truppen. Diese Verwendung zeigte zugleich eine Spannung, die seine Karriere immer wieder begleitete. Balk konnte Stabsarbeit leisten, fühlte sich aber stärker zur Truppenführung hingezogen.
Im Mai 1942 erhielt er das Kommando über die elfte Panzerdivision. Die Division wurde im Süden der Ostfront eingesetzt, als Deutschland seine Offensive in Richtung Don und Kaukasus führte. Doch bevor man diese Karriere als Geschichte eines erfolgreichen Panzerkommandeurs erzählt, muss der Rahmen klar sein. Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion hatte am 22.
Juni 1941 begonnen und war von Anfang an mit einer ideologisch geprägten Vernichtungspolitik verbunden. Der Kommissarbefehl, die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener und die Gewalt gegen Teile der Zivilbevölkerung waren keine zufälligen Auswüchse einzelner Gefechte, sondern gehörten zum System dieses Krieges. Auch reguläre Kampfverbände operierten innerhalb dieser Struktur. Taktische Fähigkeiten verändern nicht den Charakter des Krieges, in dem sie eingesetzt wurden.
Im Sommer und Herbst 1942 führte Balk die Panzerdivision in den Kämpfen am Don. Deutsche Berichte meldeten hohe Zahlen zerstörter sowjetischer Panzer. Solche Angaben müssen als Angaben einer Kriegspartei behandelt werden und nicht als exakte Buchhaltung. Aussagekräftiger als einzelne Zahlen ist das Muster seines Führens.
Balk wollte seine Panzer nicht über große Räume verteilen, nur damit auf der Karte überall deutsche Fahrzeuge standen. Er suchte den Schwerpunkt. Wo ein Angriff entschieden werden musste, sollten möglichst viele verfügbare Mittel zusammenwirken. Und wenn eine Bewegung nachts durchgeführt werden konnte, sollte sie möglichst nachts erfolgen.
Der Gedanke, dass Nachtmärsche Blut sparen konnten, war keine poetische Formel. Ein Verband, der sich im Schutz der Dunkelheit über viele Kilometer verschob, konnte am nächsten Morgen an einem Ort auftauchen, an dem der Gegner ihn nicht erwartete. Die strategische Lage änderte sich im November. Am 19.
November 1942 begann die sowjetische Operation Uranus. Die deutschen und verbündeten Kräfte nördlich und südlich von Stalingrad wurden an ihren schwächeren Flanken getroffen. Die sechste Armee geriet in den Kessel, und gleichzeitig drohte der Zusammenbruch der deutschen Positionen weiter westlich und südlich. Die elfte Panzerdivision wurde nun nicht mehr einfach als Teil eines geplanten Vormarsches eingesetzt.
Sie wurde zu einer beweglichen Reserve, die dorthin geschickt werden sollte, wo die Front gerade zu brechen drohte. Damit begann für Balk eine andere Art des Krieges. Es ging nicht mehr darum, mit einer starken Panzerdivision eine Operation nach Plan voranzutreiben, sondern darum, mit einem bereits abgenutzten Verband immer wieder neue Lücken zu schließen. Die Division kam nicht geschlossen an einem idealen Ausgangspunkt an, sondern musste unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen handeln.
Vor ihr lag der Raum am Tschir. Genau hier sollte sich zeigen, ob die bisherige Kombination aus Schwerpunktbildung, Nachtmärschen, Auftragstaktik und schnellen Gegenstößen auch unter extremem Druck funktionieren konnte. Am Tschir zeigte sich, wie Balks Führungsprinzipien unter Bedingungen funktionierten, die kaum schlechter sein konnten. Im Bereich der deutschen Verteidigung standen unter anderem die 336.
Infanteriedivision, Reste rumänischer Verbände und weitere hastig herangeführte Kräfte. Die Infanterie sollte den Raum halten, während die elfte Panzerdivision beweglich blieb. Ihre Aufgabe war nicht, jeden Meter Front zu besetzen. Sie sollte dort zuschlagen, wo der Gegner tatsächlich durchgebrochen war.
Diese Aufgabenteilung war riskant. Eine dünne Infanterielinie konnte einem massiven Angriff nicht überall standhalten, aber gerade deshalb durften die wenigen einsatzfähigen Panzer nicht in kleinen Gruppen entlang der gesamten Front verteilt werden. Das übergeordnete Kommando lag beim 48. Panzerkorps.
Der Korpsstab musste mehrere gefährdete Abschnitte beobachten, während Balk mit seiner Division immer wieder von einem Brennpunkt zum nächsten verschoben wurde. Die elfte Panzerdivision hatte längst nicht mehr ihre ursprüngliche Stärke. Je nach Tag schwankte die Zahl der einsatzfähigen Panzer erheblich. Zeitweise waren nur wenige Dutzend verfügbar.
Die genaue Stärke änderte sich durch Ausfälle, Reparaturen und die Rückkehr einzelner Fahrzeuge ständig. Entscheidend ist deshalb nicht eine starre Zahl, sondern die Tatsache, dass Balk keinen Verband führte, der die sowjetischen Angriffe auf breiter Front frontal auffangen konnte. Er musste seine geringe Stärke durch Bewegung und Konzentration ausgleichen. Der Grundgedanke war einfach, seine Umsetzung dagegen extrem schwierig.
Die Infanterie hielt den Fluss und die wichtigsten Übergänge so lange wie möglich. Wenn sowjetische Einheiten an einer Stelle durchbrachen, wurde die mobile Reserve möglichst nicht sofort in kleinen Gruppen in die Lücke geworfen. Der Gegner sollte sich aus seinem Ausgangsraum herausbewegen. Je weiter eine Spitze vordrang, desto länger konnten ihre Flanken werden und desto schwieriger wurde die Verbindung zu den nachfolgenden Kräften.
Dann setzte Balk seine beweglichen Kräfte ein. Die Panzer marschierten häufig nachts, um am Morgen an einem anderen Abschnitt aufzutauchen. Das Ziel war nicht, den Gegner durch rohe Masse zu vernichten, sondern für kurze Zeit genau dort überlegen zu sein, wo er verwundbar war. Am 7.
und 8. Dezember 1942 wurde dieses Prinzip im Raum des Sowchos Nummer 79 sichtbar. Sowjetische Kräfte des ersten Panzerkorps hatten den Tschir überschritten und bedrohten den Rücken der deutschen Verteidigung. Für die deutsche Seite war das mehr als ein lokaler Einbruch.
Wenn der Vorstoß weiterging, konnten Verkehrswege und rückwärtige Verbindungen gefährdet werden. Balks Division wurde deshalb gegen den Brückenkopf angesetzt. Die Bewegung war keineswegs so reibungslos, wie spätere vereinfachte Darstellungen manchmal vermuten lassen. Vereiste Straßen, technische Ausfälle, Erschöpfung und die Schwierigkeit, die Verbände rechtzeitig zusammenzuführen, begleiteten den Marsch.
Der deutsche Gegenangriff traf sowjetische Kräfte, die ihren Erfolg noch ausbauen mussten. Genau darin lag ein wesentlicher Teil seiner Wirkung. Nach dem Übersetzen des Flusses mussten Einheiten geordnet, Material nachgeführt und neue Angriffsrichtungen festgelegt werden. Die Deutschen nutzten diese Phase.
Deutsche Gefechtsberichte beanspruchten am Sowchos Nummer 79 die Zerstörung von mehr als fünfzig sowjetischen Panzern. Solche Zahlen sind als deutsche Gefechtsmeldungen zu behandeln, nicht als zweifelsfrei bestätigte Verluststatistik. Sicher ist jedoch, dass der sowjetische Vorstoß schwer getroffen und der Brückenkopf zurückgedrängt wurde. Damit war die Gefahr nicht dauerhaft beseitigt.
Wenige Stunden später konnte bereits ein neuer Angriff an einem anderen Abschnitt gemeldet werden. Das war der eigentliche Charakter der Kämpfe am Tschir. Ein erfolgreicher Gegenstoß löste das Problem nicht dauerhaft. Er kaufte Zeit.
Danach musste die Division wieder marschieren. Ein Verband konnte am Abend einen sowjetischen Vorstoß abweisen und noch in derselben Nacht viele Kilometer weiter verlegt werden, weil dort die nächste Lücke entstanden war. Genau deshalb wurde der Tschir später zu einem häufig untersuchten Beispiel beweglicher Verteidigung. Nicht weil Balk eine unüberwindbare Front geschaffen hätte, sondern weil er verhinderte, dass einzelne Einbrüche sofort zu einem zusammenhängenden Zusammenbruch wurden.
In den folgenden Tagen wiederholte sich das Muster. Mehrere sowjetische Übergänge und Einbrüche zwangen die elfte Panzerdivision zu ständigen Richtungswechseln. Wenn zwei Gefahren weit voneinander entfernt gleichzeitig entstanden, konnte die deutsche Reserve nicht an beiden Stellen mit voller Stärke eingreifen. Balk musste entscheiden, welcher Einbruch zuerst bekämpft werden sollte.
Während seine Panzer einen Abschnitt angriffen, bestand immer das Risiko, dass sich die Lage an einem anderen verschlechterte. Genau hier zeigte sich die eigentliche Belastung seines Systems. Die Stärke lag in der Konzentration. Die Schwäche lag darin, dass Konzentration immer bedeutete, an einem anderen Ort weniger Kräfte zu haben.
Balk entschied sich deshalb meist gegen eine gleichmäßige Verteilung der Panzer. Eine verstreute Reserve hätte auf der Karte vielleicht beruhigend ausgesehen. Im Gefecht hätte sie jedoch an keinem Punkt genügend Kampfkraft besessen. Seine Logik bestand nicht darin, überall stark zu sein, sondern für kurze Zeit an einem ausgewählten Punkt stärker zu sein als der unmittelbar gegenüberstehende Gegner.
Besonders bekannt wurde ein Gefecht am 19. Dezember 1942. Nach einem Nachtmarsch wurde das Panzerregiment gegen einen sowjetischen Vorstoß angesetzt. Ein Bataillon verfügte dabei nur noch über ungefähr fünfundzwanzig Panzer.
In der Dunkelheit gelangten die deutschen Fahrzeuge in den Rücken beziehungsweise an die Flanke einer sowjetischen Panzergruppe. Nach der deutschen Darstellung wurden zunächst zweiundvierzig sowjetische Panzer aus günstiger Position getroffen. In einem anschließenden Gefecht beanspruchten die Deutschen weitere Abschüsse. Die hohen Verlustzahlen unterscheiden sich in der Überlieferung und beruhen wesentlich auf deutschen Gefechtsmeldungen und späteren Darstellungen.
Für die Analyse ist deshalb weniger die genaue Summe entscheidend als die taktische Situation. Ein kleiner Verband hatte durch Nachtbewegung und günstige Positionierung für kurze Zeit einen erheblichen Vorteil gewonnen. Auch dieser Erfolg muss richtig eingeordnet werden. Die deutsche Seite konnte auf diese Weise eine Angriffsspitze schwer treffen oder einen Vorstoß für Stunden stoppen.
Sie konnte aber nicht die gesamte sowjetische Operationsführung kontrollieren. Hinter den vorderen Einheiten standen weitere Verbände, Artillerie, Nachschub und Reserven. Balks Gegenstoß konnte den vorderen Teil eines Angriffs treffen. Er konnte nicht verhindern, dass an einem anderen Punkt erneut angegriffen wurde.
Das ist der Unterschied zwischen taktischer und operativer Wirkung. Taktisch konnte ein Gegenstoß verheerend sein. Operativ konnte die sowjetische Offensive trotzdem weitergehen. Die Kämpfe zeigen auch die brutale Realität hinter der taktischen Beschreibung.
Ein erfolgreicher Gegenstoß bedeutete nicht, dass der Krieg plötzlich präzise oder kontrollierbar wurde. Menschen wurden in kurzer Zeit in gefährdete Abschnitte geworfen, um Einbrüche zu schließen. Balks Methode konnte die eigene Linie zeitweise stabilisieren, aber sie hatte ihren Preis. Der körperliche Verschleiß nahm zu.
Fahrzeuge mussten repariert werden, Munition und Treibstoff mussten nachgeführt werden, und Schlaf wurde zu einer fast ebenso wichtigen Ressource wie Ersatzpanzer. Die überlieferten Berichte beschreiben tagelange nahezu ununterbrochene Bewegungen und Kämpfe. Nachts wurde marschiert, am Tag gekämpft. Anschließend begann häufig die nächste Verlegung.
Der Gedanke, dass Nachtmärsche Blut sparen konnten, hatte deshalb eine zweite Seite. Sie verringerten unter Umständen die Gefahr während der Bewegung und erhöhten die Überraschung, fraßen aber die Kräfte der eigenen Soldaten auf andere Weise. Ein Verband kann einen solchen Rhythmus für eine begrenzte Zeit durchhalten. Er kann ihn nicht zu einem dauerhaften Zustand machen.
Genau deshalb darf der Tschir nicht als Beweis für eine universelle Formel verstanden werden. Balks Methode funktionierte hier, weil mehrere Voraussetzungen gleichzeitig vorhanden waren. Seine Offiziere und Unteroffiziere waren noch erfahren genug, um auch bei detaillierten Einzelbefehlen zu handeln. Funkverbindungen ermöglichten eine vergleichsweise schnelle Reaktion.
Die Infanterie band den Gegner, während die Panzer beweglich blieben. Artillerie, Aufklärung und Panzergrenadiere konnten den Gegenstoß unterstützen. Vor allem verfügte Balk noch über einen Kern von Soldaten und Führern, die wussten, wie ihre Verbände unter Zeitdruck reagierten. Hinzu kam die Art, wie die sowjetischen Kräfte ihre Angriffe in diesem Raum und zu diesem Zeitpunkt führten.
Die Rote Armee hatte sich bereits erheblich weiterentwickelt, doch am Tschir entstanden zwischen einzelnen Angriffen und beim Ausbau von Durchbrüchen noch Situationen, in denen deutsche Gegenstöße ansetzen konnten. Eine Spitze konnte weit vorstoßen, bevor alle nachfolgenden Kräfte vollständig bereitstanden. Für Balk bedeutete jede solche Verzögerung eine Chance. Er musste nicht stärker sein als die gesamte sowjetische fünfte Panzerarmee.
Er musste nur stark genug sein, um an einem bestimmten Ort einen Teil ihrer Kräfte zu treffen, bevor die sowjetische Masse dort voll zur Wirkung kam. Das war der eigentliche Schwerpunktgedanke. Auf der Gesamtkarte war die elfte Panzerdivision schwach. An einem bestimmten Punkt, zu einer bestimmten Stunde, konnte sie jedoch plötzlich eine günstige Kräfteverteilung herstellen.
Der Gegner musste seine Überlegenheit erst an diesem Punkt entfalten. Balk versuchte, ihn vorher zu treffen. Sein Vorteil lag also nicht in einer größeren Menge, sondern in der Fähigkeit, die vorhandenen Kräfte schneller an den entscheidenden Punkt zu bringen. Das erklärt auch, warum die persönliche Präsenz des Divisionskommandeurs eine Rolle spielte.
Balk wollte Entscheidungen nicht ausschließlich auf Meldungen stützen, die bei ihrem Eintreffen bereits veraltet sein konnten. Er bewegte sich häufig weit nach vorn und versuchte, die Lage an entscheidenden Abschnitten selbst zu beurteilen. Diese Methode war riskant, konnte aber bei einer Führung, die auf Geschwindigkeit beruhte, die Reaktionszeit verkürzen. Gleichzeitig darf man nicht übersehen, wie stark Unsicherheit und Zufall eine Rolle spielten.
Ein Gegenstoß konnte erfolgreich sein, weil eine sowjetische Einheit gerade ihre Richtung änderte. Ein Panzer konnte ausfallen, bevor er zum Schuss kam. Eine Funkverbindung konnte funktionieren oder abbrechen. Ein Gegner konnte seine Reserve rechtzeitig heranführen oder eben nicht.
Balk konnte diese Faktoren beeinflussen, aber nicht kontrollieren. Was im Nachhinein wie ein perfekter Ablauf aussieht, war für die Beteiligten eine Folge von Entscheidungen unter erheblicher Unsicherheit. Bis Ende Dezember gelang es den deutschen Verbänden am Tschir, einen unmittelbaren vollständigen Zusammenbruch dieses Abschnitts zu verhindern. Das war ein bedeutender taktischer und zeitlich begrenzter operativer Erfolg, aber er hatte klare Grenzen.
Stalingrad wurde dadurch nicht gerettet. Die sechste Armee blieb eingeschlossen. Der deutsche Südflügel befand sich weiterhin in einer strategisch gefährlichen Lage, und der Rückzug aus dem Kaukasus musste abgesichert werden. Balk hatte die strategische Lage nicht wiederhergestellt.
Seine Division hatte Zeit gewonnen. Im Januar 1943 wurde die Division weiter nach Süden verschoben. Nun ging es um die Sicherung des Raumes in Richtung Rostow, der für den Rückzug deutscher Kräfte aus dem Kaukasus von großer Bedeutung war. Wieder war die elfte Panzerdivision als bewegliche Reserve gefragt, doch die Unterschiede zum Sommer waren inzwischen offensichtlich.
Fahrzeuge und Besatzungen waren verschlissen. Verluste konnten nicht einfach durch gleichwertigen Ersatz ausgeglichen werden. Jede erfolgreiche Operation verbrauchte also einen Teil der Kräfte, die für die nächste benötigt wurden. Im Februar und März nahm die Division an den deutschen Gegenangriffen in der Ukraine teil.
Wieder konnte Balk mobile Verbände einsetzen, Flanken suchen und gegnerische Bewegungen ausnutzen. Doch die Voraussetzungen wurden schwieriger. Die Rote Armee verfügte über wachsende operative Erfahrung und große Reserven. Ein deutscher Gegenangriff konnte örtlich erfolgreich sein, ohne die strategische Entwicklung dauerhaft umzukehren.
Genau hier beginnt die Grenze dessen, was am Tschir noch funktioniert hatte. Balk erhielt am 21. Dezember 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz und am 4. März 1943 die Schwerter.
Später folgten die Brillanten. Diese Ehrungen zeigen, wie hoch seine militärische Führung von der deutschen Führung bewertet wurde. Sie beweisen jedoch nicht automatisch jede einzelne Zahl aus deutschen Gefechtsberichten und auch nicht, dass seine Methode strategisch erfolgreich war. Ein Orden dokumentiert die Bewertung eines Kommandeurs durch seine Führung.
Er ist keine neutrale Bilanz des Krieges. Der Tschir bleibt deshalb vor allem interessant, weil dort die Bedingungen für Balks Methode ungewöhnlich klar sichtbar werden. Eine schwache Front hält gerade lange genug. Eine mobile Reserve bleibt zusammen.
Ein Gegner durchbricht und benötigt Zeit, um seinen Erfolg auszubauen. Die deutsche Führung erkennt einen Schwerpunkt, verlegt Kräfte und greift an. Danach wird die Reserve verschoben. Solange diese Kette funktioniert, kann eine zahlenmäßig unterlegene Formation einen größeren Gegner immer wieder aus dem Rhythmus bringen.
Aber dieselbe Kette hatte einen entscheidenden Schwachpunkt. Sie brauchte Zeit, Beweglichkeit und erfahrene Soldaten. Sie brauchte außerdem Situationen, in denen der Gegner nach einem Durchbruch nicht sofort mit voller Kraft weiterstoßen konnte. Wenn diese Voraussetzungen verschwanden, wurde aus der Feuerwehr ein Verband, der an immer mehr Stellen gleichzeitig gebraucht wurde.
Die entscheidende Frage für die nächsten Jahre lautete deshalb nicht mehr, ob Balk einen Gegenstoß führen konnte, sondern ob überhaupt noch genügend Kräfte vorhanden waren, damit ein solcher Gegenstoß eine operative Wirkung erzielte. Im Jahr 1943 änderte sich die Art des Krieges, in dem Balk seine Fähigkeiten einsetzen musste. Im Frühjahr führte ihn sein Weg zunächst zur Division Großdeutschland. Danach folgten weitere Kommandos, darunter das 14.
Panzerkorps in Italien. Dort waren Gelände, Entfernungen und Gegner anders als am Don. Noch wichtiger war jedoch, dass Balk zunehmend nicht mehr eine einzelne Division, sondern größere Verbände führen musste. Im November 1943 übernahm Balk das 48.
Panzerkorps. Im Raum Schitomir und Radomyschl traf er auf eine Rote Armee, die sich seit dem Winter zuvor weiterentwickelt hatte. Die sowjetischen Verbände verfügten über größere operative Reserven, mehr Erfahrung bei der Führung großer Verbände und eine zunehmend wirksame Artillerie. Trotzdem konnte Balk örtliche Gegenangriffe organisieren.
Deutsche Panzerverbände griffen Flanken an, schnitten einzelne Kräfte ab und gewannen zeitweise Gelände zurück. Auf der Ebene einzelner Gefechte funktionierte das Prinzip weiterhin. Doch genau hier entstand ein entscheidender Unterschied zum Tschir. Dort konnte ein erfolgreicher Gegenstoß einen Einbruch für eine gewisse Zeit tatsächlich schließen.
Ende 1943 konnte derselbe Gegenstoß eine sowjetische Angriffsspitze zurückwerfen, ohne die sowjetische Operation insgesamt zu stoppen. Hinter der ersten Welle standen weitere Kräfte. Artillerie konnte nachgeführt werden, Reserven konnten eingesetzt werden, und die sowjetische Führung war zunehmend in der Lage, verlorene Zeit durch neue Angriffe auszugleichen. Balk konnte also weiterhin taktische Probleme lösen, während die operative Lage gleichzeitig gegen ihn arbeitete.
Das ist eine der wichtigsten Veränderungen seiner Karriere. Ein Kommandeur kann einen Kampf gewinnen und trotzdem einen Feldzug verlieren. Balk war besonders stark darin, einen unmittelbaren Gegner vor eine neue taktische Situation zu stellen. Er konnte ihn zwingen, seine Formation neu zu ordnen, eine Flanke zu sichern oder einen Angriff abzubrechen.
Aber wenn hinter diesem Gegner bereits weitere Armeen standen, wurde jeder lokale Erfolg teurer. Die deutsche Seite musste für jeden Gegenstoß Treibstoff, Munition, Panzer und erfahrene Besatzungen einsetzen. Der Unterschied lag deshalb nicht mehr nur in der Qualität einzelner Entscheidungen, sondern in der Größe und Leistungsfähigkeit der Systeme hinter ihnen. Im Sommer 1944 wurde diese Grenze noch deutlicher.
Während der sowjetischen Lwiw-Sandomierz-Operation gerieten deutsche Kräfte bei Brody in eine schwere Krise. Das 13. Armeekorps wurde eingeschlossen. Deutsche Entsatzversuche konnten den Kessel nicht dauerhaft aufbrechen.
Hier stieß die Logik des konzentrierten Gegenstoßes auf eine operative Einschließung, die von starken sowjetischen Kräften abgesichert wurde. Um eine solche Lage zu lösen, reichten schnelle Entscheidungen allein nicht aus. Man brauchte ausreichend starke Reserven, Treibstoff, Luftunterstützung und vor allem Zeit. Genau diese Voraussetzungen fehlten der deutschen Seite zunehmend.
Im August 1944 übernahm Balk die vierte Panzerarmee. Im Raum Baranow hatten sowjetische Verbände einen großen Brückenkopf über die Weichsel gebildet. Deutsche Gegenangriffe konnten örtlich Gelände zurückgewinnen und einzelne sowjetische Positionen unter Druck setzen. Doch der entscheidende Brückenkopf blieb bestehen.
Damit war die Situation fast symbolisch für die gesamte Entwicklung geworden. Balk konnte den Gegner noch treffen. Er konnte ihn verlangsamen. Er konnte einzelne Räume zurückgewinnen, aber er konnte die strategische Initiative nicht zurückholen.
Am 31. August 1944 erhielt Balk die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern. Er gehörte damit zu einer sehr kleinen Gruppe von Trägern dieser Auszeichnung. Doch auch hier muss zwischen militärischer Anerkennung und strategischem Ergebnis unterschieden werden.
Eine stabilisierte Front kann eine Front sein, die lediglich Zeit gewinnt. Der Brückenkopf bei Baranow blieb bestehen und wurde später zu einem der Ausgangsräume der sowjetischen Weichsel-Oder-Offensive im Januar 1945. Im September 1944 wechselte Balk an die Westfront und übernahm die Heeresgruppe G. Der Gegner waren nun amerikanische und andere alliierte Verbände.
Auch hier versuchte Balk beweglich zu führen und günstige Gegenangriffe zu organisieren. Aber die Voraussetzungen waren völlig andere. Die Alliierten verfügten über eine starke Luftwaffe, hohe Artilleriedichte, leistungsfähige Logistik und große Mengen an Ersatzmaterial. Ein deutscher Nachtmarsch konnte weiterhin Überraschung erzeugen.
Selbst ein erfolgreicher Gegenstoß konnte jedoch oft nur begrenzte Wirkung erzielen, weil der Gegner Verluste und Material wesentlich leichter ersetzen konnte. Im gleichen Zeitraum steht Balks Name auch im Zusammenhang mit der deutschen Rückzugspolitik in den Vogesen. Während der Operation Waldfest wurden im Zuge der deutschen Rückzugsmaßnahmen Ortschaften, Verkehrswege und Infrastruktur zerstört, Bewohner evakuiert oder verschleppt und Männer zur Zwangsarbeit herangezogen. Zu den schwer betroffenen Orten gehörten unter anderem Gérardmer, La Bresse und Saint-Dié.
Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe G befand sich Balk innerhalb der verantwortlichen Befehlskette. Eine von ihm unterzeichnete Weisung vom 2. November 1944 steht im Zusammenhang mit den Zerstörungsmaßnahmen beim vorgesehenen Rückzug. Nach dem Krieg verurteilte ihn ein französisches Militärgericht in Kolmar im Jahr 1950 in Abwesenheit zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit.
Eine Auslieferung an Frankreich erfolgte nicht. Diese Episode ist für seine Biografie wichtig, weil sie zeigt, dass Balks Geschichte nicht nur aus Gefechtskarten besteht. Der Mann, der auf dem Schlachtfeld schnelle Gegenstöße organisierte, war zugleich ein hoher Befehlshaber innerhalb eines Besatzungs- und Rückzugssystems, dessen Maßnahmen die Zivilbevölkerung unmittelbar trafen. Militärische Leistungsfähigkeit und Verantwortung für Befehle außerhalb des unmittelbaren Panzerkampfes dürfen deshalb nicht voneinander getrennt werden.
Noch unmittelbarer zeigte sich die Härte seiner Führung im Fall des Artillerieoffiziers Johann Schottke. Am 28. November 1944 wurde Schottke während einer kritischen Gefechtssituation betrunken angetroffen. Balk ließ ihn ohne das vorgeschriebene reguläre Kriegsgerichtsverfahren erschießen.
Nach dem Krieg wurde der Fall vor einem deutschen Gericht behandelt. Im Jahr 1955 wurde Balk wegen dieser rechtswidrigen Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt. Er verbüßte ungefähr achtzehn Monate. Der Fall lässt sich nicht einfach mit dem Hinweis erklären, dass im Krieg harte Disziplin notwendig gewesen sei.
Auch das damalige deutsche Militärrecht kannte Verfahren und Zuständigkeiten. Balk setzte sich darüber hinweg. Damit entsteht ein bemerkenswerter Kontrast zu seinem taktischen Führungsstil. Auftragstaktik bedeutete Eigeninitiative innerhalb eines vorgegebenen Rahmens.
Bei Schottke überschritt Balk dagegen einen rechtlichen Rahmen und wurde dafür nach dem Krieg verurteilt. Im Dezember 1944 begann die letzte große Phase seiner militärischen Laufbahn. Balk erhielt das Kommando über die sechste Armee. Zusammen mit ungarischen Kräften wurde sein Befehlsbereich zeitweise als Armeegruppe Balk bezeichnet.
Budapest war von sowjetischen und rumänischen Truppen eingeschlossen, und die deutsche Führung verlangte Entsatzversuche. Mit den Operationen Konrad eins, Konrad zwei und Konrad drei wurden starke deutsche Panzerkräfte gegen den Einschließungsring angesetzt. Wieder entstand das bekannte Muster: konzentrierte Panzerkräfte, schmale Angriffsachsen und der Versuch, an einem ausgewählten Punkt einen Durchbruch zu erzwingen. Die deutschen Angriffe erzielten teilweise erhebliche Geländegewinne und brachten die sowjetische Führung zeitweise in schwierige Situationen.
Doch Budapest wurde nicht entsetzt. Die sowjetische Verteidigung konnte neue Kräfte heranführen, bedrohte Flanken stabilisieren und die deutschen Vorstöße schließlich auffangen. Auch innerhalb der deutschen Führung bestanden unterschiedliche Auffassungen über Richtung und Durchführung der Angriffe. Entscheidend war jedoch das größere Problem.
Selbst ein tiefer, taktischer Vorstoß war nicht mehr automatisch stark genug, um eine operative Entscheidung zu erzwingen. Damit war endgültig sichtbar, was sich seit Brody und Baranow angekündigt hatte. Balk konnte noch immer Gegenangriffe führen. Was fehlte, war die operative Masse, die aus einem erfolgreichen Durchbruch eine strategische Entscheidung machen konnte.
Seine Methode war nicht plötzlich wertlos geworden. Die Bedingungen, unter denen sie ihre größte Wirkung entfalten konnte, existierten immer seltener. Im März 1945 folgte mit dem Unternehmen Frühlingserwachen die letzte große deutsche Offensive in Ungarn. Erhebliche Panzerkräfte, darunter Verbände der Waffen-SS, wurden eingesetzt.
Die Angriffe erzielten örtliche Fortschritte, konnten aber keinen strategischen Umschwung herbeiführen. Es wäre zu einfach, die Niederlage allein einzelnen SS-Kommandeuren oder einzelnen Fehlentscheidungen zuzuschreiben. Balk trug als hoher Armeeführer Verantwortung für die von ihm geführten Kräfte. Gleichzeitig waren die strukturellen Voraussetzungen für einen strategischen Erfolg längst verschwunden.
Am Ende blieb der Rückzug nach Österreich. Anfang Mai 1945 war der Krieg entschieden. Balk versuchte, möglichst viele der ihm unterstellten Soldaten in amerikanische statt sowjetische Gefangenschaft zu bringen. Am 8.
Mai trat er bei Kirchdorf in Österreich mit dem amerikanischen General Horace McBride in Verbindung und erklärte seinen Wunsch, die unter seinem Kommando stehenden Truppen den Amerikanern zu übergeben. Damit endete seine militärische Laufbahn nicht mit einem letzten erfolgreichen Manöver, sondern mit der Kapitulation einer geschlagenen Armee. Balk blieb bis 1947 in Kriegsgefangenschaft. In den ersten Nachkriegsjahren beteiligte er sich nicht an der amerikanischen Historical Division in dem Umfang, wie es zahlreiche andere ehemalige deutsche Generäle taten.
Nach seiner Entlassung arbeitete er zeitweise in einfachen zivilen Tätigkeiten und musste sich anschließend den Gerichtsverfahren stellen. Seine Memoiren, Ordnung im Chaos, erschienen im Jahr 1981. Sie sind als Quelle wertvoll, weil Balk darin seine Sicht auf zahlreiche Operationen schildert und auch Fehlentscheidungen anspricht. Gleichzeitig bleiben sie die Erinnerungen eines Beteiligten.
Sie müssen deshalb mit anderen Quellen verglichen werden und können nicht als neutrale Gesamtbilanz des Krieges gelesen werden. Später wurde Balks Erfahrung auch in westlichen militärischen Studien und Gesprächen ausgewertet. Besonders die Kämpfe am Tschir interessierten amerikanische Offiziere als Beispiel für bewegliche Verteidigung, konzentrierte Gegenangriffe und dezentrale Führung. Der fachliche Wert solcher Fallstudien ist jedoch von der politischen und moralischen Bewertung des Krieges zu unterscheiden.
Man kann eine taktische Methode analysieren, ohne den Mann zu idealisieren, der sie angewandt hat. Hermann Balk stabilisierte keine ganzen Fronten durch irgendeine übermenschliche Fähigkeit. Was er tatsächlich konnte, war begrenzte Zeit zu gewinnen, wenn bestimmte Bedingungen gleichzeitig vorhanden waren. Die Truppen mussten ausreichend ausgebildet sein, die Führungsstruktur musste funktionieren, ein beweglicher Kern musste für den Gegenstoß verfügbar bleiben, und der Gegner musste Situationen entstehen lassen, in denen seine Überlegenheit nicht sofort vollständig wirksam wurde.
Am Tschir im Dezember 1942 trafen diese Voraussetzungen noch zusammen. Eine dünne Infanterielinie konnte den Gegner nicht überall stoppen, aber ein konzentrierter Panzerverband konnte nach schneller Verlegung dort zuschlagen, wo eine sowjetische Angriffsspitze gerade verwundbar war. Später verschwanden diese Voraussetzungen eine nach der anderen. Die sowjetische Operationsführung wurde stärker.
Reserven und Artillerie konnten schneller und dichter eingesetzt werden. Im Westen kam die alliierte, materielle und luftgestützte Überlegenheit hinzu. Gleichzeitig verlor die deutsche Armee erfahrene Soldaten, Fahrzeuge, Treibstoff und Zeit. Balk konnte weiterhin schnell entscheiden und Gegenangriffe führen.
Doch aus einem taktischen Erfolg entstand immer seltener eine operative Wirkung. Unter Budapest wurde schließlich sichtbar, dass auch ein gut geführter Gegenstoß fehlende strategische Masse nicht ersetzen konnte. Und es gibt eine zweite Grenze, die nicht militärisch ist. Diese gesamte Entwicklung spielte sich innerhalb eines von Deutschland begonnenen und insbesondere im Osten verbrecherisch geführten Krieges ab.
Balk war nicht nur der Kommandeur erfolgreicher Gegenstöße am Tschir, sondern später auch ein hoher Befehlshaber innerhalb eines Systems von Besatzung, Zwang und Gewalt. Die Zerstörungen im Bereich seiner Heeresgruppe in den Vogesen und die rechtswidrige Erschießung Schottkes gehören deshalb ebenso zu seiner Biografie wie Sedan oder der Tschir. Am Ende bleibt kein Rezept für den Sieg, sondern ein nüchterner Befund. Balk zeigte, wie weit Ausbildung, Tempo, Initiative und Konzentration einen geschwächten Verband tragen konnten.
Doch diese Faktoren wirkten nur innerhalb bestimmter materieller und operativer Grenzen. Als der Gegner die Pausen immer besser schloss und die deutsche Armee ihre Reserven verlor, war auch der Raum für Balks Methode weitgehend erschöpft. Die Wehrmacht konnte noch gefährliche Gegenangriffe führen, aber sie konnte den Krieg nicht mehr gewinnen.