Die Kämpfe um den Brückenkopf von Nikopol und um das Erzrevier von Kriwoi Rog im Winter 1943/44 gehören zu jenen Abschnitten des Krieges im Osten, die sich nur dann verstehen lassen, wenn man eine Rechnung nachvollzieht, die an der Front längst nicht mehr aufging. Da war der wirtschaftliche Wert, den die deutsche Führung dem Raum zuschrieb: das Mangan von Nikopol, das für die Herstellung hochfester Stähle unentbehrlich schien, dazu das Eisenerz von Kriwoi Rog. Da war die operative Vorstellung, vom Brückenkopf östlich des Dnjepr aus eines Tages wieder in Richtung Krim wirken zu können. Und da war die konkrete Entscheidungsebene der sechsten Armee und der Gruppe Schörner, die Stellungen halten sollten, obwohl der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd, Erich von Manstein, immer wieder eine Verkürzung der Front forderte.

Der Verlauf der Kämpfe im Januar und Februar entschied am Ende alles. Die sowjetische dritte und vierte ukrainische Front zerlegten die deutsche Verteidigung Schritt für Schritt, beseitigten den Brückenkopf und nahmen schließlich Kriwoi Rog. Der historische Hintergrund ist rasch umrissen. Nach den schweren Abwehrkämpfen am Dnjepr im Herbst 1943 war es der sechsten Armee unter General Karl-Adolf Hollidt gelungen, der drohenden Einschließung zu entgehen und sich in einem weit nach Osten vorspringenden Frontbogen festzusetzen, dessen Mittelpunkt der Eisenbahnknoten Apostolowo bildete.
Östlich des Stroms wurde ein Brückenkopf gehalten, der die Stadt Nikopol und die umliegenden Manganfelder deckte. Adolf Hitler bezeichnete den möglichen Verlust dieses Raumes mehrfach in drastischen Worten und stellte ihn in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ausgang des Krieges. Ohne Mangan, so seine Überzeugung, könne die Erzeugung bestimmter Panzerstähle und Geschützrohre nicht in gewohntem Umfang fortgeführt werden. Die Realität an Ort und Stelle sah anders aus.
Der Abbau war bis zum Winter praktisch zum Erliegen gekommen. Die Gruben lagen im Bereich der Artillerie. Ein geordneter Betrieb war nicht mehr möglich, und die bereits geförderten Vorräte konnten wegen des Zustands der Eisenbahn und der Straßen nur zu einem Bruchteil abtransportiert werden. Der wirtschaftliche Wert des Raumes bestand zu diesem Zeitpunkt also weniger in laufender Förderung als in einer Erwartung, die sich nicht mehr einlösen ließ.
Zugleich stand hinter dem Festhalten eine zweite Überlegung, die in den Akten seltener ausgesprochen wird, in den Lagebesprechungen aber immer wieder auftauchte. Solange der Brückenkopf östlich des Dnjepr bestand, blieb theoretisch die Möglichkeit erhalten, von dort aus nach Süden in Richtung der Landenge von Perekop zu wirken und die auf der Krim eingeschlossene 17. Armee wieder an die Hauptfront anzuschließen. Dass für ein solches Unternehmen weder Panzerverbände noch Betriebsstoff noch Luftunterstützung in ausreichendem Umfang zur Verfügung standen, änderte an der Zählebigkeit dieser Absicht wenig.
Dies ist keine Geschichte von heldenhafter Verteidigung und auch nicht von einem angeblich sinnlosen Opfergang. Es ist die Geschichte militärischer Rechnungen und ihrer Grenzen. Es geht darum, welche Überlegungen dazu führten, einen Frontvorsprung um jeden Preis zu halten, welche Mittel dafür zur Verfügung standen, welche Annahmen sich als tragfähig erwiesen und welche nicht, und welches Ergebnis am Ende auf beiden Seiten stand. Der Nikopoler Manganbezirk gehörte zu den größten bekannten Lagerstätten dieses Rohstoffs überhaupt.
Mangan ist für die Stahlerzeugung unentbehrlich, weil es Schwefel und Sauerstoff bindet und weil legierte Manganstähle jene Zähigkeit und Härte erreichen, die für Panzerplatten, Geschützrohre, Kettenglieder und hochbelastete Bauteile verlangt wird. Deutsche Stellen bewerteten den Anteil des Nikopoler Raums an der Versorgung der Rüstungsindustrie im Jahr 1942 als erheblich. Etwa hundert Kilometer weiter nordwestlich lag mit Kriwoi Rog eines der bedeutendsten Eisenerzreviere Europas, dessen Gruben und Verhüttungsanlagen seit Sommer 1941 unter deutscher Verwaltung standen. Beide Reviere zusammen bildeten in den Berichten des Rüstungsministeriums und in den Lagebesprechungen im Führerhauptquartier ein Argument von großem Gewicht.
Entscheidend ist jedoch die zeitliche Einordnung. Bis zum Herbst war der Betrieb weitgehend eingestellt worden. Ein Teil der Ausrüstung war abgebaut oder zerstört, und die Lagerbestände an gefördertem Erz blieben in großen Mengen liegen, weil die wenigen benutzbaren Bahnlinien für Nachschub und Truppenbewegungen gebraucht wurden. Die Abhängigkeit der Kriegswirtschaft von diesen Vorkommen war real.
Der laufende Nutzen des Besitzes in jenem Winter war es nicht mehr. Genau diese Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Bedeutung auf dem Papier und tatsächlichem Ertrag an Ort und Stelle bildet den Kern des gesamten Vorgangs. Manganerz kam in diesem Winter auch aus Griechenland, vom Balkan und aus vorhandenen Lagern im Reichsgebiet, die für einen begrenzten Zeitraum reichten. Der Verlust von Nikopol bedeutete damit keine sofortige Unterbrechung der Stahlerzeugung, sondern eine Verengung des Spielraums, die sich erst über Monate auswirken konnte.
In den Lagebesprechungen wurde dieser Unterschied zwischen sofortigem Ausfall und mittelfristiger Verknappung jedoch selten sauber getrennt, und die schärfere Formulierung setzte sich regelmäßig durch. Militärisch war die Lage im Herbst durch den sowjetischen Übergang über den Dnjepr geprägt. Die sechste Armee in ihrer zweiten Aufstellung nach dem Untergang der ersten bei Stalingrad wich unter schweren Kämpfen zurück, entging bei Melitopol und im Raum südlich von Saporoschje mehrfach knapp der Umfassung und richtete sich schließlich in einer Linie ein, die von der Dnjeprschleife nach Süden verlief. Der Brückenkopf östlich des Stroms hatte eine Frontbreite von etwa 120 Kilometern und eine Tiefe von 20 bis 40 Kilometern.
Gehalten wurde er durch das 4. und das 29. Armeekorps, die zusammen mit dem nördlich anschließenden 17. Armeekorps ab Ende Oktober unter einer eigenen Führung zusammengefasst waren, die als Gruppe Schörner oder Armeeabteilung Nikopol bezeichnet wurde.
General der Gebirgstruppe Ferdinand Schörner, zugleich kommandierender General des 40. Panzerkorps, übernahm diesen Abschnitt und war für seine unnachgiebige Auffassung von Stellungsverteidigung bekannt. Damit entsprach er genau den Erwartungen der obersten Führung. Der Ausbau der Stellungen war für die Verhältnisse des Ostens beachtlich: drei hintereinander gestaffelte Grabenlinien, weit ausgedehnte Minenfelder, Stützpunkte auf den beherrschenden Höhen und in den Dörfern, eingegrabene Geschütze und Panzerabwehrstellungen an den Straßenkreuzungen.
Hinzu kamen natürliche Hindernisse. Der Fluss Kamenka mit seinen sumpfigen Niederungen sperrte Bewegungen quer zur Front, und die Aue des Dnjepr fror wegen der Strömung und der milden, feuchten Witterung nur unvollständig zu, was den Einsatz schwerer Waffen erschwerte. Der gesamte Nachschub für den Brückenkopf lief über den Knotenpunkt Apostolowo, der die Bahnlinien und die wenigen befestigten Straßen des Raumes bündelte. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Versorgungszentrum war die verwundbarste Stelle der gesamten Anlage, und sie sollte im Februar entscheidend werden.
Zur Einordnung gehört, dass die sechste Armee im Herbst zunächst zur Heeresgruppe A unter Generalfeldmarschall Ewald von Kleist gehörte, im Januar 1944 jedoch der Heeresgruppe Süd unterstellt war und erst am 2. Februar wieder zur Heeresgruppe A zurückkehrte. Manstein wies in diesen Wochen mehrfach darauf hin, dass der Vorsprung und die Krim zusammen Kräfte banden, die an anderer Stelle dringend gebraucht wurden, und beantragte die Räumung, um die Front zu verkürzen und bewegliche Reserven zu gewinnen. Hitler lehnte ab und berief sich dabei ausdrücklich auf das Mangan und auf die Rückwirkungen einer Räumung auf die Türkei und Bulgarien.
Der Gegensatz zwischen der Heeresgruppe und dem Führerhauptquartier verlief dabei nicht entlang der Frage, ob der Vorsprung gefährdet sei, denn darüber bestand kein Streit. Er verlief entlang der Frage, welchem Risiko der Vorzug zu geben sei: dem sicheren Verlust wirtschaftlich begründeter Positionen bei einer freiwilligen Räumung oder dem möglichen Verlust ganzer Korps bei einem erzwungenen Zusammenbruch. Manstein rechnete in Divisionen, die er für die Abwehr weiter nördlich brauchte. Das Oberkommando rechnete in Tonnen Erz und in politischen Wirkungen auf neutrale und verbündete Staaten.
Beide Rechnungen waren in sich schlüssig, bezogen sich jedoch auf unterschiedliche Größen, und nur eine von ihnen ließ sich an der Front überprüfen. Diese Haltung wurde durch die Erfahrungen der vorangegangenen Monate gestützt. Zwischen November und Mitte Januar 1944 hatten die dritte und die vierte ukrainische Front mehrfach versucht, den Brückenkopf abzuschneiden und in Richtung Nikopol und Kriwoi Rog durchzubrechen. Diese Angriffe blieben ohne durchschlagenden Erfolg.
Die Gründe lagen weniger in überlegener deutscher Stärke als in den Bedingungen, unter denen die sowjetischen Verbände antraten. Nach dem langen Vormarsch vom Don bis zum Dnjepr waren die Panzerbestände stark zusammengeschmolzen. Der Nachschub an Munition und Betriebsstoff kam über die zerstörten Bahnstrecken nur langsam heran, und die Artillerie konnte die für einen Durchbruch nötige Feuerdichte nicht erreichen. Dazu kam das Wetter.
Wechselnde Fröste und Tauperioden verwandelten die Schwarzerdeböden in zähen Schlamm, in dem Räderfahrzeuge stecken blieben und Vollkettenfahrzeuge Kraftstoffmengen verbrauchten, die kaum zu beschaffen waren. Auf deutscher Seite standen zwar abgekämpfte, aber erfahrene Divisionen, deren Rahmen an Offizieren und Unteroffizieren noch intakt war und die in vorbereiteten Stellungen mit kurzen Nachschubwegen kämpften. Örtliche Einbrüche wurden regelmäßig durch Gegenstöße mit kleinen Kampfgruppen und einzelnen Sturmgeschützen bereinigt. Das Ergebnis dieser Wochen war eine Bestätigung der bisherigen Linie.
Die Führung der sechsten Armee und das Oberkommando des Heeres schlossen aus dem Scheitern der Angriffe, dass der Abschnitt auch weiterhin gehalten werden könne. Übersehen wurde dabei, dass die sowjetische Seite aus denselben Kämpfen andere Schlüsse zog und nicht auf Wiederholung, sondern auf systematische Kräfteansammlung und auf einen Schlag gegen den Nachschubknoten setzte. Die Umgruppierung, die im Januar begann, folgte einem klaren Gedanken. Statt den Brückenkopf frontal aufzurollen, sollte der Hauptstoß an der Wurzel des Frontbogens geführt werden, dort, wo der deutsche Nachschub verlief und wo ein Erfolg die im Brückenkopf stehenden Korps von ihrer Versorgung trennen würde.
Damit verschob sich der Schwerpunkt von der vierten zur dritten ukrainischen Front, und damit verlor auch die deutsche Beurteilung, die sich auf die Erfahrungen des November und Dezember stützte, ihre Grundlage. Die deutsche Aufklärung erkannte Bewegungen und meldete Kräfteverdichtungen, ordnete sie jedoch als Vorbereitung einer Wiederholung bisheriger Angriffe ein. Der Zustand der sechsten Armee Ende Januar lässt sich mit einiger Genauigkeit beschreiben. Die Gesamtstärke betrug einschließlich der rückwärtigen Dienste rund 260 000 Mann.
Gegliedert war die Armee in das 57. Panzerkorps, das 30. , das 17. , das 4.
und das 29. Armeekorps, wobei die beiden letztgenannten im Brückenkopf standen. An schnellen Verbänden verfügte sie über die 9. , die 23.
und die 24. Panzerdivision, wobei die 24. Anfang Februar aus dem Abschnitt herausgelöst und nach Norden abgegeben wurde, wo die bei Tscherkassy eingeschlossenen Verbände entsetzt werden sollten. Sie fehlte damit ausgerechnet in dem Augenblick, in dem eine bewegliche Reserve unentbehrlich gewesen wäre.
Die Panzerdivisionen selbst waren nur noch dem Namen nach vollständig. Einsatzbereite Kampfwagen zählten oft nur zwei bis drei Dutzend je Division, der Rest lag in Instandsetzungswerkstätten oder war abgeschrieben. Die Infanteriedivisionen der vorderen Linie verfügten im Durchschnitt über eine Grabenstärke von wenigen tausend Kämpfern, verteilt auf Abschnitte, die nach der Vorschrift dem Doppelten oder Dreifachen entsprochen hätten. Der Nachschub litt unter dem Zustand der Bahn, unter Luftangriffen und unter der Witterung.
Munition wurde bewirtschaftet, Betriebsstoff war knapp, Ersatz traf nur in Teilen ein. Trotz dieser Feststellungen, die in den Meldungen der Armee klar benannt wurden, hielten Hitler und Schörner an der Weisung fest, den Brückenkopf und das Erzgebiet zu halten. Die operative Verwundbarkeit eines tief vorspringenden Bogens, der an seiner Wurzel von zwei Seiten angreifbar war und dessen Versorgung an einem einzigen Ort hing, wurde dabei nicht bestritten, sondern der wirtschaftlichen und politischen Begründung nachgeordnet. Hinzu kam ein Umstand, der in den Stärkemeldungen nicht unmittelbar erscheint.
Die Aufteilung der Armee auf einen Frontbogen von mehreren hundert Kilometern Länge bedeutete, dass fast alle Kräfte in der vorderen Linie gebunden waren. Was als Reserve geführt wurde, bestand vielfach aus zusammengefassten Resten, aus Alarmeinheiten der rückwärtigen Dienste, aus Pionierbataillonen und aus einzelnen Abteilungen Sturmgeschütze. Solche Verbände konnten örtliche Einbrüche abriegeln. Sie waren jedoch außerstande, einen mit Panzerkorps geführten Durchbruch aufzufangen.
Der Abzug der 24. Panzerdivision wog deshalb schwerer, als die reine Zahl der Kampfwagen vermuten lässt. Mit ihr verschwand der einzige Verband, der im Raum Apostolowo noch geschlossen hätte eingreifen können. Auf der Gegenseite liefen die Vorbereitungen planmäßig.
Die dritte ukrainische Front unter General Rodion Malinowski wurde durch die 37. Armee und durch das 4. Garde-mechanisierte Korps verstärkt. Munitionsvorräte wurden über Wochen herangeführt, Artillerie wurde in den vorgesehenen Durchbruchsabschnitten verdichtet, und die 17.
Luftarmee verlegte ihre Verbände auf Feldflugplätze in unmittelbarer Nähe der Front. Die vierte ukrainische Front unter General Fjodor Tolbuchin sollte zeitgleich gegen den Brückenkopf selbst antreten und die dort stehenden Korps binden. Als Beginn der Operation wurde der 30. Januar festgelegt.
Die Offensive begann am 30. Januar, und sie begann bewusst nicht an der Stelle, an der die deutsche Führung sie erwartete. In den frühen Morgenstunden traten die sowjetische 6. und die 37.
Armee an den Flügeln des Frontbogens an, führten kurze, aber heftige Artillerievorbereitungen und drangen an mehreren Stellen in die vorderen Gräben ein. Diese Angriffe hatten den Zweck, die deutschen Reserven zu binden und die Aufmerksamkeit der Führung der sechsten Armee auf die Flanken zu lenken, und sie erfüllten diesen Zweck weitgehend. Am folgenden Tag, dem 31. Januar, folgte der Hauptstoß.
Die 8. Gardearmee unter General Wassili Tschuikow und die 46. Armee traten in einem schmalen Abschnitt an der Wurzel des Vorsprungs an, unterstützt durch eine Artilleriedichte, die alles übertraf, was in diesem Raum in den Monaten zuvor aufgeboten worden war. Getroffen wurden die 46.
und die 123. Infanteriedivision sowie die 16. Panzergrenadierdivision, deren Abschnitte nach den ersten Stunden aufgerissen waren. Die deutschen Stellungen hielten der Feuerwalze in den vorderen Gräben nicht stand.
Fernsprechverbindungen fielen aus, Beobachtungsstellen wurden zerschlagen, und die Führung auf Regimentsebene verlor über Stunden das Bild der Lage. In die entstandene Lücke wurde noch am selben Tag das 4. Garde-mechanisierte Korps mit etwa 120 Kampfwagen eingesetzt. Es stieß nicht in die Tiefe, um Gelände zu gewinnen, sondern entlang der Nachschubwege nach Süden und Westen.
Der Ort Scholochowo wurde genommen, womit eine der wenigen befestigten Verbindungen in den Brückenkopf unterbrochen war. Gleichzeitig trat die vierte ukrainische Front gegen den Brückenkopf selbst an, um dem 4. und dem 29. Armeekorps jede Möglichkeit zu nehmen, Kräfte nach Westen abzugeben.
Bemerkenswert an diesen ersten beiden Tagen ist weniger die Tiefe des Einbruchs als seine Richtung. Frühere Angriffe hatten sich gegen die Front des Brückenkopfes gerichtet und waren dort an Minenfeldern, Grabensystemen und flankierendem Feuer gescheitert. Diesmal wurde der Bogen an seiner schmalsten Stelle angeschnitten, und die deutsche Führung erkannte die Absicht erst, als die Panzerspitzen bereits hinter der ersten Stellung standen. Meldungen aus den Divisionsgefechtsständen sprachen zunächst von örtlichen Einbrüchen, die bereinigt werden sollten.
Erst mit den Meldungen über Panzerkräfte im Rücken der vorderen Linie wurde deutlich, dass es sich um eine Operation mit weiterreichendem Ziel handelte. Damit war die deutsche Führung von der ersten Stunde an vor eine Entscheidung gestellt, die sie mit den vorhandenen Mitteln nicht treffen konnte. Sie hätte den Brückenkopf räumen müssen, um die Wurzel des Bogens zu retten. Doch dazu fehlten sowohl die Genehmigung als auch die Zeit.
Die ersten Februartage brachten die Zuspitzung. Der Vorstoß der sowjetischen Panzer und Schützenverbände richtete sich unmissverständlich auf Apostolowo, und in der Führung der Gruppe Schörner setzte sich die Erkenntnis durch, dass die im Brückenkopf stehenden Korps in Kürze abgeschnitten sein würden. Am 2. Februar erging der Befehl zur Räumung des Brückenkopfes.
Die Gruppe Schörner sollte die vorbereitete Ursula-Stellung fest in die Hand nehmen, während das 29. Armeekorps über den Dnjepr in die Gudrun-Stellung zurückgenommen wurde. Am Nachmittag desselben Tages wechselte die sechste Armee wieder in den Befehlsbereich der Heeresgruppe A. Diese Entscheidung kam spät, aber sie kam noch rechtzeitig genug, um einen geordneten Absetzvorgang einzuleiten.
Zugleich versuchte die deutsche Führung, die Einbruchstelle an der Wurzel des Bogens abzuriegeln. Eingesetzt wurden Teile der 9. und der 23. Panzerdivision, Sturmgeschützabteilungen und zusammengefasste Reste der zerschlagenen Infanterieverbände.
Diese Gegenstöße kamen jedoch stückweise und unabgestimmt zum Tragen, weil die Verlegungen auf den aufgeweichten Wegen Tage statt Stunden dauerten. Die sowjetischen Verbände nutzten dabei planmäßig die Nahtstellen zwischen den deutschen Korps und Divisionen, also jene Abschnitte, in denen Verantwortlichkeiten wechselten und Führungsverbindungen am schwächsten waren. In den Kämpfen dieser Tage traten die Panzerverbände beider Seiten nur selten in geschlossener Form auf. Auf deutscher Seite kämpften Sturmgeschütze und einzelne Kampfwagen als bewegliche Feuerunterstützung der Infanterie an den Straßen und in den Ortschaften, weil das freie Gelände für schwere Fahrzeuge kaum befahrbar war.
Auf sowjetischer Seite bewegten sich die Panzerspitzen im Wesentlichen entlang der Dammstraßen und der Bahnlinien, begleitet von aufgesessener Infanterie, und ihre Vorstöße hingen unmittelbar von der Zuführung des Betriebsstoffs ab, die ihrerseits durch den Schlamm behindert wurde. Der Vormarsch verlief deshalb nicht gleichmäßig, sondern in Schüben, denen jeweils Tage des Nachziehens folgten. Am 5. Februar fiel Apostolowo.
Der Verlust dieses Ortes war der entscheidende Vorgang der gesamten Operation. Mit ihm verlor die sechste Armee ihren zentralen Umschlagplatz für Munition, Betriebsstoff und Verpflegung, und mehr noch: Die Armee wurde in zwei Teile getrennt, deren nördliche und südliche Gruppierung fortan nur noch über weite Umwege miteinander in Verbindung standen. Die unmittelbaren Folgen zeigten sich innerhalb von Stunden. Munitionsausgabestellen und Betriebsstofflager gingen verloren oder mussten in Brand gesetzt werden.
Werkstätten wurden aufgegeben, Lazarette und rückwärtige Dienste in Eile nach Westen verlegt. Für die im Brückenkopf stehenden Verbände bedeutete der Verlust des Ortes, dass ihr Rückweg nicht mehr durch eigene Kräfte gesichert war, sondern von der Geschwindigkeit des Absetzens abhing. Für die nördlich anschließenden Korps bedeutete er, dass ihre Südflanke offen lag. Versuche, die Bresche durch Riegelstellungen entlang der wenigen brauchbaren Straßen zu schließen, scheiterten daran, dass die dafür vorgesehenen Verbände zugleich in der vorderen Linie gebunden waren.
Erschwerend wirkten die Witterungsbedingungen, die beide Seiten trafen, aber die Verteidigung härter belasteten, weil sie auf schnelle Verlegungen angewiesen war. Anhaltendes Tauwetter verwandelte die Straßen in Schlammbänder, in denen Fahrzeuge bis zu den Achsen einsanken. Nachschub wurde teilweise durch Pferdewagen, Schlepper oder Träger bewegt. Die 17.
Luftarmee wirkte in dieser Phase gegen Kolonnen, Übergänge und Bereitstellungen und schränkte die ohnehin schwierigen Bewegungen weiter ein, während die deutsche Luftwaffe wegen aufgeweichter Feldflugplätze und Betriebsstoffmangels nur noch mit geringen Einsatzzahlen erscheinen konnte. In dieser Woche entschied sich, dass es nicht mehr um das Halten des Raumes ging, sondern um die Frage, wie viele Verbände sich der Einschließung entziehen konnten. Parallel dazu lief der Rückzug aus dem Brückenkopf. Zwischen dem 6.
und dem 8. Februar ging das 4. Armeekorps über den Dnjepr zurück. Der Vorgang verlief über wenige Übergangsstellen, die von Artillerie und aus der Luft ständig bekämpft wurden.
Nachhuten hielten Zwischenstellungen, während der Hauptteil in Nachtmärschen abfloss. Die Kolonnen stauten sich vor den Brücken, und jede Verzögerung wirkte sich unmittelbar auf die Verluste aus. Schweres Gerät blieb in großem Umfang zurück. Geschütze, deren Zugmaschinen im Schlamm ausgefallen waren, wurden gesprengt.
Kraftfahrzeuge wurden in Brand gesetzt. Werkstattgerät, Vorräte und ein Teil der verwundeten Transporte konnten nicht mitgeführt werden. Die Truppe selbst kam in ihrer Masse über den Strom, verlor dabei jedoch einen erheblichen Teil ihrer Kampfkraft, weil Artillerie und Fahrzeuge fehlten und weil die Verbände nach dem Übergang zunächst ungeordnet gesammelt werden mussten. Aus deutscher Sicht war dieser Absetzvorgang die letzte in sich gelungene Leistung im Rahmen der Operation.
Der Zeitplan wurde im Wesentlichen eingehalten. Die Nachhuten lösten sich planmäßig, und eine geschlossene Einschließung ganzer Korps, wie sie nach der Trennung der Armee möglich erschienen war, trat nicht ein. Der Preis dafür bestand in der Aufgabe fast aller schweren Waffen, die nicht aus eigener Kraft bewegt werden konnten, und in einem Zustand der Verbände, der eine sofortige Verwendung in neuen Abwehrstellungen kaum zuließ. Am 8.
Februar drangen sowjetische Truppen in Nikopol ein. Es kam zu Straßenkämpfen um den Bahnhof, um die Anlagen am Fluss und um die Ortsränder, die bis in den Tag hinein andauerten, ehe die letzten deutschen Nachhuten absetzten. Die Übergänge über den Dnjepr wurden gesprengt. Schörner erhielt für die Räumung des Brückenkopfes am 17.
Februar das Eichenlaub zum Ritterkreuz. In der späteren Beurteilung wurde ihm zugleich vorgehalten, den Befehl zum Übergang über den Strom so spät gegeben zu haben, dass die Gruppe ihre Kraftfahrzeuge nahezu vollständig verlor. Die Verluste dieser drei Tage lassen sich nicht auf den Mann genau beziffern. Sie lagen jedoch nach den Meldungen der beteiligten Korps im Bereich mehrerer Tausend an Toten, Verwundeten und Vermissten, wobei der Anteil der Vermissten beim Absetzen über den Strom ungewöhnlich hoch ausfiel.
Schwerer wog der Verlust an Material, weil er sich nicht ersetzen ließ. Wer Artillerie, Panzerabwehrkanonen und Zugmaschinen zurücklassen musste, verlor damit auf Wochen hinaus die Fähigkeit, eine neue Stellung wirksam zu verteidigen. Zurück blieben die Manganfelder mit ihren beschädigten Fördereinrichtungen, dazu die Lagerbestände an bereits gefördertem Erz, deren Abtransport in den Monaten zuvor nicht gelungen war. Damit war jener Raum verloren, dessen wirtschaftlicher Wert die Begründung für das Halten des gesamten Vorsprungs geliefert hatte, und er ging verloren, ohne dass in den letzten Monaten daraus noch ein nennenswerter Ertrag gezogen worden wäre.
Die deutsche Führung antwortete mit einem Gegenangriff, der die Verbindung zwischen den getrennten Teilen der Armee wiederherstellen und die sowjetische Stoßgruppe in der Flanke treffen sollte. Zwischen dem 8. und dem 12. Februar traten Teile des 4.
, des 17. und des 29. Armeekorps gegen die Räume Bolschaja Lepsicha und Nowosemjonowka an. Beteiligt waren unter anderem die 302.
, die 17. , die 9. und die 258. Infanteriedivision, die 97.
Jägerdivision sowie die 125. Infanteriedivision. Örtlich wurden Geländegewinne erzielt. Einzelne Ortschaften wechselten mehrfach den Besitzer, und in den ersten beiden Tagen entstand aus deutscher Sicht der Eindruck, die Lage lasse sich stabilisieren.
Dieser Eindruck hielt nicht stand. Die sowjetische Führung führte Reserven heran, darunter die 48. und die 82. Garde-Schützendivision, und stützte die Abwehr durch massierten Artillerie- und Luftwaffeneinsatz.
Die deutschen Angriffsverbände waren zahlenmäßig zu schwach, um mehr als taktische Erfolge zu erzielen. Ihnen fehlten Panzer in geschlossener Formation, Betriebsstoff für nachhaltige Bewegungen und Artilleriemunition für längere Feuerunterstützung. Vor allem aber griffen sie nicht gemeinsam an, sondern in zeitlichem Abstand, weil die Bereitstellungen im Schlamm nicht zu koordinieren waren. Hinzu kam, dass die angreifenden Divisionen selbst bereits aus den Kämpfen der Vorwoche kamen und keine Ruhezeit, keinen Ersatz und keine Auffrischung erhalten hatten.
Ihre Bataillone führten vielfach nur noch die Stärke von Kompanien, ihre Artillerie war in der Zahl der Rohre und im Munitionsansatz stark eingeschränkt, und die Verbindung zwischen den Angriffsgruppen musste über Meldegänger aufrechterhalten werden, weil Fernsprechleitungen im aufgeweichten Boden nicht zu halten waren. Der Gegenangriff blieb damit ein Zusammenhang örtlicher Vorstöße ohne operative Wirkung. Er konnte den Zusammenhalt der Front stellenweise wiederherstellen, doch er konnte weder Apostolowo zurückgewinnen, noch die Trennung der Armee aufheben, noch die sowjetische Stoßrichtung ändern. Die 125.
Infanteriedivision, die zum 17. Armeekorps gehörte, wurde in diesen Kämpfen weitgehend zerschlagen. Ihre ausgebrochenen Reste bildeten nach der offiziellen Auflösung der Division Mitte März eine Divisionsgruppe innerhalb der 302. Infanteriedivision.
Dieser Vorgang kam an der Südfront in diesen Wochen mehrfach vor und macht die fortschreitende Auszehrung der Infanterie sichtbar. Zieht man an dieser Stelle eine Zwischenbilanz, so stellt sich die Frage, warum eine Verteidigung, die über ausgebaute Stellungen, erfahrene Verbände und mehrere Monate Vorbereitungszeit verfügte, innerhalb von rund zwei Wochen aufgebrochen werden konnte. Die Antwort liegt in einer Verbindung mehrerer Faktoren, von denen keiner allein ausgereicht hätte. Erstens hatte die sowjetische Seite ihre Kräfte diesmal nicht verteilt, sondern in schmalen Abschnitten zusammengefasst und dort ein Übergewicht an Infanterie, Artillerie und Panzern geschaffen, dem die dünn besetzten deutschen Linien nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatten.
Zweitens richtete sich der Hauptstoß nicht gegen die stärkste, sondern gegen die empfindlichste Stelle, nämlich gegen den Nachschubknoten an der Wurzel des Bogens. Der Fall von Apostolowo entwertete die gesamte Anlage der Verteidigung auf einen Schlag. Drittens fehlten der sechsten Armee bewegliche Reserven in ausreichender Stärke, seit die 24. Panzerdivision nach Norden abgegeben worden war, sodass jeder Einbruch nur mit zusammengewürfelten Kampfgruppen beantwortet werden konnte.
Viertens wirkten Witterung und Gelände einseitig zu Ungunsten des Verteidigers, weil dieser auf schnelle Verlegung entlang der Front angewiesen war, während der Angreifer sich in eine Richtung bewegte und seine Verluste an liegen gebliebenem Gerät durch Masse ausgleichen konnte. Fünftens war die Luftlage eindeutig: Die 17. Luftarmee konnte Bewegungen bei Tag weitgehend unterbinden. Sechstens schließlich wirkte ein Faktor, der sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt: die Bindung der Führung an eine Weisung, die jede rechtzeitige Anpassung der Linienführung ausschloss.
Ein Verteidiger, der Stellungen nach eigenem Ermessen aufgeben darf, kann Kräfte aus gefährdeten Abschnitten herausziehen und dort einsetzen, wo der Schwerpunkt des Angriffs liegt. Diese Möglichkeit bestand hier nicht. Und deshalb wurden Entscheidungen, die im Januar noch Bewegungsfreiheit gebracht hätten, erst im Februar getroffen, als sie nur noch der Schadensbegrenzung dienten. Die deutschen Divisionen zeigten in diesen Wochen die Fähigkeiten, die man von ihnen erwarten konnte.
Sie setzten sich unter Feindeinwirkung ab, hielten Zwischenstellungen, führten Gegenstöße und vermieden die Einschließung großer Teile. Was sie nicht leisten konnten, war die Wiederherstellung einer operativen Lage, die durch eine Entscheidung auf höchster Ebene bereits vor Beginn der Kämpfe festgelegt worden war. Nach dem Verlust des Brückenkopfes und des Knotenpunktes Apostolowo richtete sich der sowjetische Schwerpunkt folgerichtig auf das nächste Ziel, dessen Name der gesamten Operation ihre zweite Hälfte gab: das Erzrevier und die Stadt Kriwoi Rog. Nach dem Abschluss der Kämpfe um den Brückenkopf folgte eine kurze Phase der Umgruppierung, ehe die dritte ukrainische Front am 17.
Februar zum Angriff auf das Erzrevier antrat. Den Hauptstoß führten die 37. und die 46. Armee, unterstützt durch Artillerie, die über die aufgeweichten Wege nur mit erheblichem Aufwand herangeführt worden war.
Die Bedingungen waren für Angreifer wie Verteidiger gleichermaßen ungünstig. Schneetreiben wechselte mit Tauwetter. Die Sicht sank zeitweise auf wenige hundert Meter, und der Boden trug weder Räder- noch Kettenfahrzeuge zuverlässig. Munition und Betriebsstoff mussten in Teilen von Hand nach vorn gebracht werden.
Geschütze wurden mit vervielfachten Bespannungen bewegt, und die Luftunterstützung fiel an mehreren Tagen ganz aus. In den ersten Tagen wurden Vorstöße von fünf bis zwölf Kilometern erzielt, was unter diesen Umständen als beachtlich gelten muss, gemessen an den Erwartungen der Planung jedoch langsam blieb. Die deutschen Verbände wichen dabei nicht ungeordnet zurück, sondern kämpften um jeden Höhenzug, um jede Bahnstation und um jede Siedlung, in der sich Häuser zu Stützpunkten ausbauen ließen. Die 9.
und die 23. Panzerdivision sowie zusammengefasste Kampfgruppen der Infanterie führten fortlaufend Gegenstöße, die den Vormarsch verzögerten, ohne ihn aufhalten zu können. Am 21. Februar erreichten sowjetische Verbände die Ostrandsiedlungen und die nordöstlichen Vororte der Stadt.
Der Angriff auf Kriwoi Rog selbst wurde am folgenden Tag von zwei Seiten geführt, aus nordwestlicher und aus südöstlicher Richtung, um ein Festsetzen der Verteidiger im ausgedehnten Stadtgebiet mit seinen Industrieanlagen zu verhindern. Der Kampf um die Stadt selbst unterschied sich deutlich von den Bewegungsgefechten der vorangegangenen Wochen. Kriwoi Rog erstreckte sich als lang gezogenes Band von Bergbausiedlungen, Halden, Werksanlagen und Bahnanlagen über eine Länge von mehreren Dutzend Kilometern, sodass es keine klar abgegrenzte Ortslage gab, die sich hätte umfassen lassen. Die Verteidigung stützte sich auf massive Industriebauten, auf Halden, die als beherrschende Höhen wirkten, und auf die Bahndämme, die als natürliche Panzerhindernisse dienten.
Am 22. Februar fiel die Stadt. Ein besonderes Gewicht legte die sowjetische Führung auf die Verhinderung von Zerstörungen an den Anlagen, insbesondere an den Wasserwerken, den Pumpstationen der Gruben und den Kraftwerksteilen, weil eine Flutung der Schächte den Wiederaufbau um Jahre verzögert hätte. Vorausabteilungen erhielten den Auftrag, diese Objekte im Handstreich zu nehmen, was in einem Teil der Fälle gelang.
In Moskau wurde die Einnahme mit Artilleriesalut bekannt gegeben, wie es für Städte dieser Bedeutung üblich war. Der Angriff wurde in den folgenden Tagen nach Westen fortgesetzt. Die Verbände erreichten den Fluss Ingulez, bildeten unter fortgesetzten Abwehrkämpfen Brückenköpfe am Westufer und hielten sie bis zum Abschluss der Operation zwischen dem 25. und dem 29.
Februar. Diese Brückenköpfe waren keine Nebensache. Sie bildeten die Ausgangsstellungen für die Offensiven, die wenige Wochen später den gesamten Süden der Ukraine erfassen sollten. Die Bilanz in Zahlen ist so genau zu ziehen, wie es die Quellenlage zulässt.
Die sechste Armee meldete für den Monat Februar Gesamtverluste in der Größenordnung von bis zu 40 000 Mann, wobei diese Summe Gefallene, Verwundete, Vermisste und Kranke einschließt. Der Anteil der Erkrankten fiel wegen der Witterung und der Unterbringungsverhältnisse überdurchschnittlich hoch aus. Sowjetische Meldungen nennen mehrere Tausend Gefangene und umfangreiche Beutemengen an Geschützen, Fahrzeugen und Gerät, was mit dem deutschen Befund übereinstimmt, dass große Teile der schweren Ausrüstung beim Absetzen zurückgelassen werden mussten. Auch die sowjetischen Verluste waren beträchtlich und lagen nach den vorliegenden Aufstellungen für beide beteiligten Fronten zusammen deutlich über denen des Gegners, was der Rolle des Angreifers in einem befestigten und aufgeweichten Gelände entspricht.
Der Zustand der Divisionen nach Abschluss der Operation war entsprechend. Mehrere Verbände führten nur noch die Stärke von Kampfgruppen. Ein Verband wurde aufgelöst, andere wurden durch Zusammenlegung von Regimentern behelfsmäßig wiederhergestellt. Im Revier selbst blieben zerstörte oder gesprengte Fördereinrichtungen, geflutete oder verschüttete Schächte, unterbrochene Bahnverbindungen und Lagerbestände an Erz zurück, die von deutscher Seite nicht mehr hatten abtransportiert werden können.
Ein Teil der Bevölkerung war zuvor nach Westen verbracht oder zur Arbeit verpflichtet worden, andere hatten die Kampfzone in Richtung der Dörfer verlassen. Der Wiederaufbau der Gruben begann noch im Frühjahr, erreichte aber erst nach Kriegsende wieder den Vorkriegsstand. Damit stellt sich abschließend die Frage nach den Entscheidungen selbst. Der wirtschaftliche Grund für das Halten des Raumes war das Mangan und das Eisenerz.
Diese Begründung war im Jahr zuvor zutreffend gewesen, als die Gruben förderten und die Bahn den Abtransport bewältigte. Im Winter 1943/44 war sie es nicht mehr, weil die Förderung ruhte, die Anlagen im Bereich der feindlichen Artillerie lagen und die vorhandenen Vorräte mangels Transportraum liegen blieben. Gehalten wurde also nicht eine Rohstoffquelle, sondern ein Gelände, auf dem sich eine Rohstoffquelle befand. Der operative Grund war der Gedanke, vom Brückenkopf aus später in Richtung Krim wirken und die dort abgeschnittene 17.
Armee wieder anschließen zu können. Auch diese Begründung war in sich schlüssig, setzte jedoch Kräfte voraus, die nicht vorhanden waren: mindestens mehrere vollwertige Panzerdivisionen, gesicherte Nachschubwege und eine Luftwaffe, die den Raum über dem Angriffsstreifen hätte freihalten können. Nichts davon stand zur Verfügung, und es gab auch keine Aussicht darauf, dass sich daran etwas ändern würde. Hinzu kamen die persönlichen Entscheidungen.
Hitler untersagte die Räumung mehrfach und wies die Anträge Mansteins zurück, wobei neben den Rohstoffen auch die vermutete Wirkung auf die Türkei und auf die verbündeten Staaten Südosteuropas angeführt wurde. Schörner setzte diese Weisung an Ort und Stelle mit Härte durch. Die taktische Seite der Rechnung ging dabei durchaus auf. Die ausgebauten Stellungen, die Erfahrung der Divisionen und die Kenntnis des Geländes ermöglichten es, den Abschnitt monatelang zu halten und im Februar einen geordneten Rückzug über den Strom durchzuführen.
Was diese Faktoren nicht leisten konnten, war der Ausgleich eines mehrfachen zahlenmäßigen Übergewichts, einer erdrückenden Luftlage und einer Zerschlagung der Gruppierung an ihrem Versorgungsknoten. Der entscheidende Punkt liegt nicht in einzelnen falschen Befehlen, sondern in der Reihenfolge der Kriterien. Solange wirtschaftliche und politische Erwägungen die Linienführung bestimmten, verlor die Führung an Ort und Stelle jene Beweglichkeit, die die einzige verbleibende Stärke einer unterlegenen Verteidigung gewesen wäre. Der Raum ging am Ende ohnehin verloren, jedoch zu einem Preis, der bei rechtzeitiger Verkürzung der Front geringer ausgefallen wäre, und ohne dass in der gewonnenen Zeit noch ein wirtschaftlicher Nutzen entstanden wäre.
In den Zusammenhang der Kampagnen dieses Jahres eingeordnet, war die Operation Nikopol-Kriwoi Rog ein Zwischenglied von erheblicher Wirkung. Mit dem Wegfall des Frontvorsprungs verschwand ein Hindernis, das die sowjetischen Fronten bislang zu einer Rücksichtnahme auf ihre eigene Flanke gezwungen hatte. Die am Ingulez gewonnenen Brückenköpfe wurden im März zu Ausgangsstellungen für die Angriffe in Richtung des südlichen Bug und weiter zum Dnister. Zugleich entfiel die letzte theoretische Möglichkeit, die Verbindung zur Krim wiederherzustellen, womit die dort stehende 17.
Armee endgültig auf sich allein gestellt war. Die sechste Armee selbst trat den März mit stark abgekämpften Verbänden, ohne nennenswerte bewegliche Reserven und in einer Linie an, die sie unter dem Druck der folgenden Offensiven nicht würde halten können. Bereits wenige Wochen später gerieten Teile der Armee im Raum zwischen dem Ingulez und dem südlichen Bug erneut in eine Lage, in der nur der Rückzug blieb, und die Erfahrungen des Februars wiederholten sich unter noch ungünstigeren Bedingungen. Fasst man das Ganze zusammen, so zeigt die Operation Nikopol-Kriwoi Rog in fast lehrbuchhafter Klarheit, wie strategische und wirtschaftliche Prioritäten, die auf der Ebene der obersten Führung festgeschrieben wurden, mit den operativen Möglichkeiten der Truppe vor Ort in Widerspruch geraten konnten.
Die sechste Armee hielt den Brückenkopf und das Erzrevier nicht deshalb, weil dies ihr in diesem Winter einen erkennbaren militärischen Vorteil verschafft hätte, sondern weil die Befehle aus einer Bewertung von Rohstoffvorkommen und aus der Hoffnung auf eine spätere Entlastung der 17. Armee auf der Krim hervorgingen. In der Praxis wurde längst kein Erz mehr gefördert, der Abtransport der Vorräte war begrenzt, und die Verbände standen in einem tief vorspringenden Bogen, der an seiner Wurzel angreifbar war und dessen Versorgung an einem einzigen Ort hing. Die sowjetische Seite hatte aus den erfolglosen Angriffen des November, Dezember und Januar die richtigen Schlüsse gezogen.
Sie sammelte über Wochen Kräfte, verdichtete Artillerie und Panzer in schmalen Abschnitten, sicherte sich die Überlegenheit in der Luft und führte den Hauptschlag nicht gegen die Front, sondern gegen den Nachschubknoten Apostolowo, um die Gruppierung zu zerschneiden. Die deutschen Divisionen zeigten dabei, wozu Erfahrung, ausgebaute Stellungen und eingespielte Führung im Rückzugsgefecht noch fähig waren. Sie setzten sich über den Strom ab, führten örtliche Gegenangriffe und entgingen der geschlossenen Einschließung. Verhindern konnten sie den Verlust des Raumes nicht.
Das Ergebnis der Operation, die Beseitigung des Brückenkopfes, die Einnahme von Nikopol und Kriwoi Rog und das weitere Vorrücken bis an den Ingulez, wurde damit zu einem Glied in der Kette der Winter- und Frühjahrskämpfe dieses Jahres im Süden. Es zeigt, wo die Grenzen einer Verteidigung liegen, der die operative Freiheit genommen ist und der die Reserven fehlen. Und es zeigt zugleich, wie wenig eine wirtschaftliche Begründung wert ist, wenn die wirtschaftliche Nutzung des umkämpften Raumes bereits aufgehört hat, bevor der erste Schuss der entscheidenden Operation fällt.