Im Sommer 1941 glaubten wir, der Krieg sei so gut wie gewonnen. Unsere Panzer rasten nach Osten, und niemand zweifelte daran, dass Moskau bald fallen würde. Doch dann, vor den Toren von Smolensk,…

Im Hochsommer 1941 schien der deutsche Vormarsch im Osten einem festen, fast mechanischen Muster zu folgen. Tiefe Panzerkeile durchbrachen die Front, motorisierte Verbände stießen weit in die Tiefe vor und schlossen ganze Armeen in Kesseln ein, während die nachrückende Infanterie deren Vernichtung besiegelte. Dieses Zusammenspiel aus Bewegung, Tempo und Vernichtung hatte in Polen und Westeuropa funktioniert, und in den ersten Wochen des Feldzugs gegen die Sowjetunion schien es sich zu wiederholen. Doch bei Smolensk begann dieses bewährte Muster erstmals zu bröckeln – nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern durch das Zusammentreffen mehrerer Kräfte gleichzeitig.

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Nach dem Fall von Minsk setzten die beiden Panzergruppen der Heeresgruppe Mitte ihren Vormarsch mit hoher Geschwindigkeit fort. Die 2. Panzergruppe unter Heinz Guderian drängte nach Osten in Richtung des Dnjepr, während die 3. Panzergruppe unter Hermann Hoth weiter nördlich über die Düna vorstieß.

Am 9. Juli nahm Hoth Witebsk, einen wichtigen Knotenpunkt, der den Weg nach Nordosten öffnete. Nur ein bis zwei Tage später, am 10. und 11.

Juli, erzwang Guderian den Übergang über den Dnjepr südlich und nördlich von Mogiljow. Damit war eine der letzten großen Flusslinien vor Smolensk überwunden, und die Panzerverbände standen scheinbar frei im offenen Raum, bereit für den nächsten Sprung nach Osten. Das Tempo dieser Vorstöße war beträchtlich. Die motorisierten Spitzen legten unter günstigen Bedingungen bis zu 90 oder 100 Kilometer am Tag zurück.

Am 15. Juli erreichte die 7. Panzerdivision den Raum um Jarzewo, östlich von Smolensk, und schnitt damit eine der wichtigsten Straßen- und Bahnverbindungen in Richtung Moskau ab. Auf der Karte wirkte dies wie der Beginn eines weiteren mustergültigen Kessels.

Doch hinter dieser Bewegung öffnete sich eine gefährliche Lücke. Die Infanteriearmeen, die den Erfolg der Panzer sichern und die Masse der Gefangenen bewältigen sollten, folgten nur mit etwa 30 Kilometern am Tag. Zwischen den schnellen Panzerspitzen und der nachrückenden Infanterie klaffte ein Abstand, der von Tag zu Tag anwuchs und die vordersten Verbände zunehmend auf sich allein stellte. Für die beiden Panzerführer war dieses Vorbrechen kein Zufall, sondern Ausdruck einer bewussten Denkweise.

Guderian galt als Verfechter des Grundsatzes, den einmal gewonnenen Schwung um jeden Preis zu erhalten und dem geschlagenen Gegner keine Zeit zur Erholung zu lassen. Hoth teilte diese Auffassung im Kern und trieb seine Verbände ebenso weit nach vorn. Beide handelten im Vertrauen darauf, dass Geschwindigkeit selbst zur Waffe werde, weil sie den Gegner in Entscheidungen zwinge, für die ihm die Zeit fehle. Diese Haltung hatte in den vorangegangenen Feldzügen glänzende Ergebnisse gebracht.

Doch sie beruhte auf einer stillschweigenden Voraussetzung: dass der Raum überschaubar bleibe und der Nachschub dem Vorstoß folgen könne. Im Raum um Smolensk begann diese Voraussetzung erstmals zu wanken, und die Kühnheit der Führung geriet in einen wachsenden Widerspruch zu den tatsächlichen Möglichkeiten der eigenen Truppe. Dieser Abstand wäre kein grundsätzliches Problem gewesen, wenn die deutsche Annahme zugetroffen hätte, dass die Hauptkräfte der Roten Armee bereits westlich der Flüsse vernichtet worden seien. Genau diese Annahme prägte das Denken der Führung.

Man ging davon aus, dass jenseits von Düna und Dnjepr nur noch versprengte Reste zu erwarten seien, die man in der Verfolgung aufreiben könne. Stattdessen trafen die Panzerspitzen am Ostufer auf frische Armeen, die die sowjetische Führung aus der Tiefe des Landes herangeführt und neu aufgestellt hatte. Was als Verfolgung eines geschlagenen Gegners geplant war, verwandelte sich in ein Ringen mit einem Feind, der laufend neue Kräfte in die Waagschale warf. Damit war die erste Voraussetzung des raschen Erfolges bereits in Frage gestellt, noch ehe der eigentliche Kessel geschlossen war.

Diese frischen Armeen entstanden nicht durch Zufall, sondern durch eine bewusste Entscheidung der sowjetischen Führung. Während die Reste der zerschlagenen Westfront noch zurückgingen, wurden aus dem Inneren des Landes neue Verbände herangeführt und in zweiter Linie hinter Düna und Dnjepr aufgestellt. Ihre Ausbildung und Ausrüstung war oft mangelhaft. Viele Einheiten wurden ohne ausreichende Erfahrung und mit knappem Gerät in den Kampf geworfen.

Doch ihre bloße Anwesenheit veränderte die Rechnung grundlegend. Wo die deutsche Führung mit leergefegtem Raum rechnete, standen nun Truppen, die zwar einzeln unterlegen sein mochten, in ihrer Gesamtheit jedoch immer neuen Widerstand leisteten. Für den Angreifer bedeutete dies, dass jeder Durchbruch nicht in die Leere führte, sondern auf eine neue Verteidigungslinie stieß. Die Tiefe des Raumes und die Bereitschaft der sowjetischen Führung, ganze Armeen als Preis für Zeit einzusetzen, wurden damit zu einem Faktor, den kein noch so kühner Panzervorstoß allein überwinden konnte.

In dieser Lage begann die Bildung des Kessels von Smolensk. Das Ziel bestand darin, die sowjetische 16. , 19. und 20.

Armee im Raum der Stadt einzuschließen. Von Süden her drängte die 29. Division heran. Von Norden versuchte die 7.

Panzerdivision den Ring zu schließen. Beide Verbände sollten sich östlich der Stadt die Hand reichen und so die eingeschlossenen Kräfte von ihren Nachschub- und Fluchtwegen abschneiden. Auf den Lagekarten schien der Kessel bald geschlossen. Doch die Wirklichkeit am Boden sah anders aus, denn die vorhandenen Kräfte reichten nicht, um die weiten Räume lückenlos zu sperren.

Der Ring blieb über Tage hinweg durchlässig. Erst um den 22. Juli gelang die vollständige Kontrolle über Smolensk selbst, und der Kessel blieb bis etwa zum 26. und 27.

Juli an mehreren Stellen offen. Die endgültige Säuberung des eingeschlossenen Raumes zog sich bis in die ersten Augusttage hin, etwa bis zum 5. August. In dieser Zeitspanne nutzten bedeutende Teile der 19.

und 20. Armee einen schmalen Korridor bei Solowjowo, um sich über den Dnjepr nach Osten abzusetzen. Am Ende zählte die deutsche Seite bis Anfang August etwa 300. 000 bis 350.

000 Gefangene, eine gewaltige Zahl, die auf einen großen operativen Erfolg hindeutete. Und doch war ein erheblicher Teil der eingeschlossenen Truppen entkommen und stand kurz darauf erneut in der Front. Die Kämpfe im Inneren des Kessels trugen einen Charakter, der sich deutlich von den raschen Durchbrüchen der vorangegangenen Wochen unterschied. Die eingeschlossenen sowjetischen Armeen ergaben sich nicht, sondern versuchten immer wieder geschlossene Stöße gegen die dünnen deutschen Riegel zu führen, meist in Richtung des rettenden Korridors nach Osten.

Diese Ausbruchsversuche erfolgten oft bei Nacht, gebündelt an schmalen Abschnitten, und trafen dort auf motorisierte Verbände, die kaum genug Kräfte hatten, um die ganze Länge des Rings zu sichern. Wo der deutsche Riegel nachgab, strömten Teile der eingeschlossenen Truppen hindurch, sammelten sich jenseits des Dnjepr und traten wenig später erneut zum Kampf an. Für die deutschen Divisionen bedeutete dies einen zermürbenden Kleinkrieg, in dem sich die Fronten mehrfach am Tag verschoben und in dem der Verbrauch an Menschen, Munition und Nerven weit über dem lag, was ein sauberer, rasch geschlossener Kessel gekostet hätte. Der Grund für diese unvollständige Vernichtung lag in der Struktur des Gefechts.

Die deutschen Panzerdivisionen mussten zwei Aufgaben zugleich bewältigen. Nach außen hatten sie eine Front gegen die von Osten anrennenden sowjetischen Entsatzkräfte zu halten. Nach innen mussten sie die Ausbruchsversuche der eingeschlossenen Armeen abwehren. Die Infanterie, die diese Doppelaufgabe hätte übernehmen sollen, war noch weit entfernt.

So entstand die paradoxe Lage, dass hochbewegliche Panzerverbände als stehende Absperrtruppe gebunden wurden, während ihre eigentliche Stärke im Vorstoß in die Tiefe lag. Hier stellt sich eine naheliegende Frage: Warum führte die rasche Einnahme der Stadt Smolensk nicht zur sofortigen Vernichtung der Kräfte innerhalb des Kessels? Die Antwort liegt in eben diesem Missverhältnis zwischen der Schnelligkeit der Panzer und der Langsamkeit der nachfolgenden Infanterie, das den Kessel über Wochen instabil und durchlässig hielt. Während diese Kämpfe andauerten, zeigten sich erste Anzeichen einer tiefer liegenden Erschöpfung, die sich nicht mehr allein mit dem Widerstand des Gegners erklären ließ.

Schon Mitte Juli spürten die Panzer- und motorisierten Divisionen einen wachsenden Mangel an Treibstoff, Munition und Ersatzteilen. Die weiten Strecken, die zwischen den Frontspitzen und den rückwärtigen Versorgungsbasen lagen, machten jede Nachlieferung zu einem langwierigen Unternehmen. Panzer, die durch Gefechtsschäden oder schlicht durch die Dauerbelastung ausfielen, konnten oft nicht rechtzeitig instand gesetzt werden, weil die nötigen Teile fehlten oder erst über Hunderte von Kilometern herangeschafft werden mussten. Aus einem Vorsprung an Beweglichkeit wurde so allmählich eine Abhängigkeit von einer Versorgung, die nicht mehr Schritt hielt.

Die Folgen zeigten sich rasch in den Zahlen. Um den 20. Juli wurde die Gefechtsstärke vieler Panzerdivisionen der Heeresgruppe Mitte nur noch auf etwa 50 Prozent des Ausgangswertes geschätzt. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Panzer, mit denen der Feldzug begonnen hatte, entweder zerstört, beschädigt oder wegen technischer Ausfälle nicht einsatzbereit war.

Diese Verbände hielten das Tempo also nicht mehr aus voller Kraft, sondern zunehmend aus der Substanz heraus, indem sie die verbliebenen einsatzfähigen Fahrzeuge über jedes vernünftige Maß hinaus beanspruchten. Jeder weitere Vorstoß verringerte damit die Reserve, aus der die nächste Bewegung gespeist werden konnte. Neben dem Material litten auch die Menschen. Die Besatzungen hatten seit dem 22.

Juni nahezu ohne Ruhepausen gekämpft, oft bei drückender Sommerhitze und im ständigen Staub der unbefestigten Straßen. Erfahrene Fahrer, Richtschützen und Kommandanten, die in den Vorkriegsjahren mühsam ausgebildet worden waren, fielen aus und ließen sich nicht rasch ersetzen. Jeder Verlust eines eingespielten Besatzungsmitglieds verringerte die Gefechtskraft einer Einheit stärker, als es die bloße Zahl vermuten ließ, weil das Zusammenspiel an Bord eines Panzers auf Übung und Vertrauen beruht. Auch die Fahrzeuge selbst zeigten die Spuren der Dauerbelastung.

Motoren, Getriebe und Laufwerke waren für lange Märsche über raue Pisten nicht ausgelegt, und viele Ausfälle gingen nicht auf Feindeinwirkung zurück, sondern schlicht auf Verschleiß. Die vordersten Verbände fuhren so gewissermaßen mit angezogener Handbremse weiter, gebremst von der eigenen Abnutzung. Damit deutete sich ein grundlegender Zusammenhang an. Das hohe Tempo der ersten Julihälfte war nicht Ausdruck eines gesunden, tragfähigen Systems, sondern das Ergebnis einer extremen Überlastung der vordersten Verbände.

Solange diese Verbände vorstießen, hielt die Bewegung an. Doch das Versorgungssystem im Rücken kam bereits ins Stocken und konnte den Verbrauch an Treibstoff, Munition und Material nicht mehr ausgleichen. Die entscheidende Frage verlagerte sich damit vom Inneren des Kessels nach außen. Was geschah an den äußeren Rändern, dort, wo die frischen sowjetischen Armeen gegen den dünnen deutschen Sperrriegel anrannten?

Genau an diesen Rändern sollte sich in den folgenden Wochen entscheiden, ob aus der vorübergehenden Stockung eine dauerhafte Pause werden würde. An den äußeren Rändern des Kessels spielte sich in den letzten Julitagen ein Geschehen ab, das die deutsche Führung so nicht erwartet hatte. Statt eines auslaufenden Widerstands geschlagener Reste entfaltete die Rote Armee eine Reihe von Gegenschlägen, die von Tag zu Tag an Wucht gewannen. Unter der Gesamtleitung von Marschall Timoschenko wurden zunächst fünf, wenig später sieben neu aufgestellte Armeen gegen die deutschen Sperrfronten geworfen, darunter die 24.

, die 28. , die 29. und die 30. Armee.

Diese Verbände waren erst in den Wochen zuvor zusammengestellt worden, oft aus Reservisten und unvollständig ausgerüsteten Einheiten. Dennoch traten sie nicht vereinzelt an, sondern in einer fortlaufenden Kette von Stößen, die den deutschen Riegeln kaum eine Atempause ließ. Die Angriffe setzten vom 21. Juli an aus östlicher und nordöstlicher Richtung ein und richteten sich gegen die dünn besetzten Außenfronten der Panzergruppen.

Besonders erbittert entwickelten sich die Kämpfe um Jelnja, einen Frontvorsprung südöstlich von Smolensk, der bald zum Sinnbild dieser neuen Art des Krieges wurde. Zugleich versuchte General Rokossowski mit zusammengerafften Kräften einen Korridor zu den eingeschlossenen Armeen aufzureißen und ihnen einen Weg nach Osten offen zu halten. Diese Vorstöße kosteten die Rote Armee gewaltige Verluste, denn sie wurden häufig ohne ausreichende Vorbereitung, ohne genügend Artillerie und gegen einen taktisch überlegenen Gegner geführt. Doch ihre Wirkung bemaß sich nicht am unmittelbaren Geländegewinn, sondern an der Bindung deutscher Kräfte, die dadurch entstand.

Genau darin lag der eigentliche Sinn dieser Operationen. Indem die eingeschlossenen Truppen weiterkämpften und von außen ständig neue Angriffe geführt wurden, wirkten die Kessel wie Anker, die den deutschen Vormarsch festhielten. Die Panzerdivisionen, die eigentlich hätten weiterstoßen sollen, blieben an Ort und Stelle gebunden, weil sie an mehreren Seiten zugleich beansprucht wurden. Die sowjetische Führung setzte diese Methode bewusst ein.

Sie nahm die hohen eigenen Verluste in Kauf, um Zeit zu gewinnen und dem Gegner die Möglichkeit zu nehmen, seine beweglichen Verbände zu einem neuen geschlossenen Schlag zu sammeln. Was auf deutscher Seite als kurzes Aufräumen geplant war, wurde so zu einer anhaltenden Front aktiver Verteidigung, an der sich die Angriffskraft der Heeresgruppe Mitte Tag für Tag verzehrte. Der Unterschied in den Maßstäben tritt hier deutlich hervor. Die deutsche Planung hatte mit der Vernichtung von Resten gerechnet, mit einem Übergang von der Schlacht zur Verfolgung.

Tatsächlich sah sie sich einem ununterbrochenen Kampf gegenüber, in dem der Gegner immer wieder neue Divisionen heranführte, sobald die alten aufgerieben waren. Für die Truppe an der Front bedeutete dies, dass es keine klare Trennlinie mehr gab zwischen der Zerschlagung des Kessels und der Abwehr der Entsatzangriffe. Beides verschmolz zu einem einzigen zähen Ringen, das die Initiative des Angreifers stückweise auflöste, ohne dass ein einzelner Rückschlag die Ursache gewesen wäre. Für die deutsche Seite lag in dieser scheinbar endlosen Folge neuer Armeen die eigentliche Überraschung.

Man hatte die Rote Armee gezählt, ihre Divisionen an der Grenze erfasst und deren Zerschlagung als das Ende des Widerstands begriffen. Doch hinter der ersten Staffel stand eine zweite, und hinter dieser eine dritte, gespeist aus der Mobilmachung eines riesigen Landes. Selbst wenn eine dieser Reservearmeen in wenigen Tagen aufgerieben wurde, rückte an ihre Stelle bald eine neue, mochte sie auch schlechter ausgebildet und schwächer bewaffnet sein. Dieses Nachfüllen aus der Tiefe war kein Zeichen taktischer Stärke, sondern ein strategisches Mittel eigener Art.

Es verwandelte die Zeit selbst in eine Waffe, denn jede Woche, die der deutsche Vormarsch verlor, nutzte die sowjetische Führung, um weitere Verbände aufzustellen und heranzuführen. Die Rechnung des schnellen Sieges beruhte darauf, den Gegner zu zerschlagen, ehe diese Tiefe wirksam werden konnte. Bei Smolensk begann diese Tiefe zum ersten Mal spürbar zu greifen. Zu diesem Widerstand des Gegners trat ein zweiter Faktor, der weniger sichtbar, aber tiefer wirksam war: die Logistik.

Der Kriegsschauplatz im Osten stellte an den Nachschub Anforderungen, die sich grundlegend von den Erfahrungen früherer Feldzüge unterschieden. Die wenigen befestigten Straßen genügten dem gewaltigen Verkehr nicht, und der weitaus größte Teil des Vormarsches führte über unbefestigte Landwege. Bei trockenem Wetter verwandelten sich diese Wege in Staubpisten, die Motoren und Filter zusetzten. Nach jedem stärkeren Regen jedoch wurden sie zu Schlammbändern, in denen Fahrzeuge einsanken und ganze Kolonnen zum Stehen kamen.

Der Nachschub, der ohnehin lange Wege zurückzulegen hatte, wurde dadurch unberechenbar und geriet immer wieder ins Stocken. Erschwerend kam die Frage der Eisenbahn hinzu. Die sowjetischen Gleise hatten eine andere Spurweite als die mitteleuropäischen, sodass die deutschen Züge nicht ohne Weiteres auf ihnen fahren konnten. Um den Nachschub über die Schiene heranzuführen, mussten die eroberten Strecken erst mühsam auf die eigene Spurweite umgenagelt werden – eine Arbeit, die Zeit verschlang und mit dem raschen Vormarsch der Panzerspitzen niemals Schritt hielt.

So entstand eine wachsende Kluft zwischen dem Ort, bis zu dem die Eisenbahn den Nachschub bringen konnte, und dem Ort, an dem er gebraucht wurde. Diese Lücke musste durch Lastkraftwagen überbrückt werden, deren Zahl begrenzt war und die selbst Treibstoff verbrauchten, den sie eigentlich nach vorn bringen sollten. Auch der Fuhrpark, der diese Lücke schließen sollte, litt unter dem Dauereinsatz. Die Lastkraftwagen fuhren Tag und Nacht über dieselben aufgeweichten oder steinharten Pisten, die schon die Panzer verschlissen hatten.

Reifen, Achsen und Motoren gaben in großer Zahl auf, und da die deutschen Verbände Fahrzeuge unterschiedlichster Herkunft und Bauart mit sich führten, war die Ersatzteilversorgung ein einziges Durcheinander. Ein liegen gebliebener Lastwagen war nicht nur ein verlorenes Transportmittel, sondern auch eine Ladung, die nicht ankam. So zehrte die Versorgung an sich selbst, denn ein wachsender Teil des Treibstoffs und der Kräfte floss allein in die Aufgabe, die Nachschubwege überhaupt in Betrieb zu halten. Was in Zahlen wie ein schlichter Mangel aussah, war in Wahrheit ein sich selbst verstärkender Kreislauf, in dem jede Anstrengung neue Anstrengungen erforderte und die eigentliche Frontversorgung immer knapper wurde.

Zugleich vergrößerte sich der Abstand zwischen den beweglichen Spitzen und den nachfolgenden Fußtruppen weiter. Die Infanteriearmeen hinkten den Panzergruppen um 90 bis 100 Kilometer hinterher, und dieser Rückstand ließ sich mit reiner Marschleistung nicht mehr aufholen. Für den Nachschub bedeutete dies, dass er nicht nur die Panzer, sondern auch die weit auseinandergezogene Masse der Infanterie zu versorgen hatte, und zwar über ein Wegenetz, das den Ansprüchen nicht gewachsen war. Der Treibstoff wurde zum knappsten aller Güter.

Bereits Mitte Juli mussten einzelne Vorausabteilungen ihre Bewegungen einschränken – nicht weil der Feind sie aufgehalten hätte, sondern weil schlicht das Benzin fehlte, um die vorhandenen Fahrzeuge in Bewegung zu halten. Aus diesen Zwängen ergab sich ein neues Muster der Kriegführung, das die Berichte jener Wochen deutlich erkennen lassen. Von nun an konnte die Wehrmacht ihre Angriffe nicht mehr als durchgehenden Strom führen, sondern nur noch in Schüben. Ein Vorstoß wurde so lange getrieben, wie Treibstoff und Munition reichten.

Dann musste eine Pause folgen, in der die Vorräte aufgefüllt und die Fahrzeuge instand gesetzt wurden, ehe der nächste Schub möglich war. Dieses ruckartige Vorgehen stand im schroffen Gegensatz zu dem, was den Blitzkrieg zuvor ausgemacht hatte. In Westeuropa hatten die kurzen Entfernungen und die dichte, gut ausgebaute Infrastruktur es erlaubt, den Schwung ohne größere Unterbrechungen zu halten. Im Osten prallten dieselben Methoden auf einen Raum, in dem der Nachschub dem Tempo grundsätzlich nicht folgen konnte, und dieser Raum erwies sich als Gegner, der sich nicht durch Kühnheit allein bezwingen ließ.

Damit stand die deutsche Führung vor einem Widerspruch, der im Kern ihres eigenen Erfolgsrezepts lag. Der Blitzkrieg lebte von der Geschwindigkeit, doch gerade die Geschwindigkeit trieb die Verbände über die Grenze hinaus, bis zu der ihre Versorgung reichte. Je weiter die Panzer vorstießen, desto länger wurden die Nachschubwege, und je länger diese Wege wurden, desto seltener ließ sich das Tempo halten. So untergrub der Vormarsch die Voraussetzungen seines eigenen Gelingens.

Was in einem kleinen Raum eine Stärke gewesen war, wurde im weiten Raum des Ostens zu einer Falle, in die sich die beweglichen Verbände selbst hineinbewegten. Die Folgen dieser doppelten Belastung durch Gegner und Entfernung veränderten nun auch den taktischen Charakter der Kämpfe. Die Panzerdivisionen, die für den tiefen Stoß geschaffen waren, fanden sich mehr und mehr in der Rolle des Verteidigers wieder. Statt in die Tiefe zu stoßen, mussten sie feindliche Angriffe abfangen, verlorenes Gelände zurückgewinnen und örtliche Gegenstöße führen, um einen Durchbruch des Gegners zu verhindern.

Dieser Wandel war kein bewusster Entschluss, sondern das Ergebnis der Umstände. Wo die eigene Bewegung erlahmte und der Gegner unablässig drängte, blieb den beweglichen Verbänden nichts anderes übrig, als sich der neuen Lage anzupassen und ihre Kraft in der Abwehr zu verbrauchen, statt sie im Vorstoß zu entfalten. Bemerkenswert ist, dass die deutsche Truppe dabei ihre taktische Meisterschaft keineswegs verlor. Auf der Ebene des einzelnen Gefechts wirkten die bewährten Grundsätze weiter.

Die Auftragstaktik, jene Führungsweise, die den unteren Führern große Freiheit in der Wahl der Mittel ließ, solange sie das Ziel erreichten, bewährte sich auch in der Abwehr und ermöglichte rasche eigenständige Entschlüsse an der Front. Ebenso blieb der Gedanke des Schwerpunkts lebendig, das Bündeln der Kräfte an der entscheidenden Stelle, um dort örtlich überlegen zu sein. Wo immer es zum unmittelbaren Zusammenstoß kam, behielt die deutsche Seite meist die Oberhand, führte geschickte Gegenstöße und fügte dem Angreifer schwere Verluste zu. Doch dieser taktische Vorrang übersetzte sich nicht mehr in operativen Erfolg.

Auf der Ebene des einzelnen Gefechts mochte man siegen. Auf der Ebene der großen Bewegung stand die Front. Die entscheidende Größe des Blitzkriegs, das anhaltende Tempo über weite Räume hinweg, ließ sich mit taktischer Überlegenheit allein nicht mehr herstellen. Ein gewonnenes Gefecht schuf keinen Durchbruch mehr, weil kein Treibstoff für die Ausnutzung da war, weil die nächste feindliche Armee bereits bereitstand und weil die eigenen Verbände zu ausgezehrt waren, um einen Erfolg in die Tiefe zu tragen.

So klaffte ein wachsender Abstand zwischen dem, was die Truppe im einzelnen Kampf leistete, und dem, was die Führung im Großen erreichen wollte. In diesem Missverhältnis liegt der Kern der Smolensk-Erfahrung. Der deutsche Vormarsch war nicht an einer verlorenen Schlacht gescheitert, denn die einzelnen Gefechte gingen meist zu Gunsten der Wehrmacht aus. Er war an einer Summe von Bedingungen gescheitert, die keine einzelne Entscheidung hätte umkehren können: am zähen Widerstand der eingeschlossenen Truppen, an der Kette immer neuer Gegenangriffe, an der Grenze der eigenen Versorgung und an der Erschöpfung der beweglichen Verbände.

Jeder dieser Faktoren für sich wäre zu bewältigen gewesen. In ihrer Verbindung jedoch bildeten sie eine Schranke, gegen die auch die kühnste Führung nicht mehr ankam. Bis zu diesem Punkt handelte es sich um ein Zusammenspiel aus Gegnerwirkung und logistischen Zwängen, um Kräfte also, die aus dem Wesen des Feldzugs selbst erwuchsen. Doch zu ihnen trat nun ein weiterer, ganz anders gearteter Faktor hinzu, der die entstandene Pause nicht nur erklärte, sondern festschrieb.

Es waren die Entscheidungen der obersten Führung, die Weisungen aus dem Führerhauptquartier und der Streit darüber, wohin die Hauptkraft des Feldzugs gerichtet werden sollte. Erst im Zusammenwirken mit diesen strategischen Weichenstellungen wurde aus der vorübergehenden Stockung an der Front ein dauerhafter Verlust des Tempos. Während die Truppe an der Front mit Gegenangriffen und Versorgungsnot rang, fiel im Führerhauptquartier eine Entscheidung, die den weiteren Verlauf des Feldzugs stärker prägen sollte als jedes einzelne Gefecht. Mit der Weisung Nr.

33 vom 19. Juli und den darauffolgenden Ergänzungen verlagerte die oberste Führung den Schwerpunkt des Angriffs weg von Moskau und hin zu den Flügeln. Ein Teil der beweglichen Kräfte sollte nach Norden schwenken, um den Vorstoß auf Leningrad zu unterstützen, ein anderer nach Süden in Richtung der Ukraine und der wirtschaftlich wichtigen Räume um Kiew. Die Hauptstadt selbst, das nächstliegende große Ziel, trat vorerst in den Hintergrund.

Für die Heeresgruppe Mitte, die eben noch auf dem kürzesten Weg dorthin gestanden hatte, bedeutete dies eine grundlegende Umkehr der bisherigen Stoßrichtung. Diese Weisung stieß bei den führenden Männern an der Front auf entschiedenen Widerspruch. Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Feldmarschall von Bock, ebenso wie die Panzerführer Guderian und Hoth, drängten darauf, den einmal gewonnenen Schwung nicht zu verschenken und ohne Verzug auf Moskau vorzustoßen. Aus ihrer Sicht lag das Herz des gegnerischen Widerstands genau vor ihnen, und jede Umlenkung der Kräfte musste dem Feind Zeit schenken, sich zu sammeln.

Die oberste Führung hingegen hielt an ihrer Absicht fest. Mit der Weisung Nr. 34 vom 30. Juli und den anschließenden Befehlen wurde die Umgruppierung bekräftigt.

Am 31. Juli erhielt die Heeresgruppe Mitte auf ihrer Hauptrichtung faktisch den Auftrag, zur Verteidigung überzugehen, während Teile der Panzergruppen für die Aufgaben an den Flügeln herausgezogen wurden. Es wäre zu einfach, diese Entscheidung nur als Fehler zu deuten. Aus einer bestimmten Sicht besaß sie durchaus ihre eigene Folgerichtigkeit.

Wer das Ziel des Feldzugs vor allem in der Vernichtung der feindlichen Streitkräfte und in der Inbesitznahme der wirtschaftlichen Grundlagen des Gegners sah, für den war der Schwenk zu den Flügeln kein Umweg, sondern ein logischer Schritt. Im Süden lockten die Getreide-, Kohle- und Industriegebiete der Ukraine sowie die Aussicht, große sowjetische Kräfte um Kiew einzuschließen. Im Norden ging es um Leningrad als Wiege der Rüstung und der Flotte. Der Widerspruch entstand erst dann, wenn man das Ziel nicht in der Fläche, sondern in der Zeit maß.

Denn jede Umlenkung der beweglichen Verbände lief dem einen Gut zuwider, das für den Blitzkrieg entscheidend war: dem ununterbrochenen Tempo auf dem kürzesten Weg zum entscheidenden Punkt. So stand nicht Vernunft gegen Unvernunft, sondern eine Denkweise gegen die andere, und die Entscheidung zugunsten der Flügel zog dem Vorstoß auf Moskau für Wochen den Boden unter den Füßen weg. Besonders folgenschwer war die Absicht, einen Teil der Panzerkräfte nach Süden abzudrehen, um bei Kiew eine gewaltige Einschließung sowjetischer Truppen zu ermöglichen. Auf den ersten Blick versprach dieser Schwenk einen der größten Kesselerfolge des ganzen Krieges, und tatsächlich sollte er wenige Wochen später eine enorme Zahl von Gefangenen einbringen.

Doch jeder Panzer, jede motorisierte Division, die für dieses Unternehmen nach Süden rollte, fehlte auf der Achse nach Osten. Die Zeit, die man vor Kiew gewann, verlor man vor Moskau, und die Frage, ob dieser Tausch die richtige Wahl war, sollte die Beurteilung des Feldzugs auf lange Sicht begleiten. Für den Verlauf der Ereignisse bei Smolensk ist entscheidend, dass die zentrale Stoßrichtung durch diesen Entschluss für Wochen ihres schärfsten Werkzeugs beraubt wurde, gerade in dem Augenblick, in dem der Gegner am verwundbarsten schien und zugleich am schnellsten neue Kräfte heranführte. Unabhängig davon, wie man diese Wahl bewertet, hatte sie eine unmittelbare Folge, die sich mit der Lage der Truppe deckte.

Die beweglichen Verbände brauchten ohnehin eine Atempause, um wieder einsatzfähig zu werden. Ihre Gefechtskraft war so weit gesunken, dass man sie erst mühsam auf etwa 60 bis 70 Prozent des Sollwerts zurückführen musste, ehe an neue große Aufgaben zu denken war. Fahrzeuge mussten instand gesetzt, Verluste an Menschen ausgeglichen, Treibstoff und Munition herangeschafft werden. Diese Wiederherstellung ließ sich nicht in wenigen Tagen bewältigen, sondern verlangte einen Zeitraum von etwa zwei Wochen, in denen die Panzergruppen für den großen Vorstoß praktisch ausfielen.

Die strategische Entscheidung und die Erschöpfung der Truppe wirkten hier in dieselbe Richtung und verstärkten einander. Die Pause, die aus der Not geboren war, wurde durch die Weisungen von oben gewissermaßen amtlich gemacht. Der Stillstand hatte auch eine Wirkung auf die Truppe selbst, die sich in keiner Statistik erfassen ließ. Wochenlang hatte der Vormarsch eine eigene Zugkraft entfaltet, in der jeder gewonnene Kilometer den nächsten zu versprechen schien und der Eindruck eines unaufhaltsamen Sieges die Anstrengungen trug.

Als diese Bewegung nun erlahmte und an ihre Stelle das Halten von Stellungen, das Abwehren von Angriffen und das Warten auf Nachschub trat, veränderte sich etwas im Wesen des Feldzugs. Die Gewissheit, dem Ziel mit jedem Tag näher zu kommen, wich der Erfahrung, an Ort und Stelle festzuliegen, während der Gegner stärker wurde. Dieser Wandel in der Erwartung war kein Zusammenbruch, doch er markierte das Ende einer Selbstverständlichkeit, mit der man zuvor jeden Widerstand für vorübergehend gehalten hatte. Für die sowjetische Seite war diese Zeit ein Geschenk von unschätzbarem Wert.

Während die deutschen Verbände sich sammelten und auffrischten, nutzte die Rote Armee jeden Tag, um ihre Stellungen auszubauen, neue Truppen heranzuführen und die Verteidigung in der Tiefe zu gliedern. Was der Angreifer an Zeit verlor, gewann der Verteidiger an Widerstandskraft. Genau dieser Tausch von Zeit gegen Stärke war es, den die sowjetische Führung mit ihren verlustreichen Gegenangriffen erzwungen hatte, und die strategische Umgruppierung des Gegners verlängerte den Aufschub noch weiter. Der Boden vor Moskau, den man Ende Juli beinahe frei geglaubt hatte, füllte sich in diesen Wochen mit neuen Divisionen und tiefen Verteidigungslinien.

Ein Ort verdichtete diese Entwicklung wie unter einem Brennglas: der Frontvorsprung von Jelnja. Was dort im August geschah, hatte mit dem Blitzkrieg der ersten Wochen nichts mehr gemein. An die Stelle des raschen Durchbruchs trat ein zäher Stellungskampf um wenige Kilometer Gelände mit Artillerieduellen, wiederholten Angriffen und ebenso wiederholten Gegenangriffen. Die Heeresgruppe Mitte wurde hier in eine Art des Krieges hineingezogen, die ihren eigenen Stärken zuwiderlief und die ihre Substanz Tag für Tag aufzehrte, ohne dass ein entscheidender Erfolg in Sicht kam.

Am Ende, Anfang September, gab die deutsche Führung den Vorsprung sogar preis und nahm die Front zurück, um Kräfte zu sparen. Für die Rote Armee war die Rückeroberung von Jelnja am 6. September ein erster sichtbarer Beleg dafür, dass der deutsche Vormarsch nicht mehr unaufhaltsam war. Für die Wehrmacht war es das Eingeständnis, dass sich auch mit taktischem Geschick nicht jede Stellung halten ließ, wenn Kräfte und Zeit fehlten.

Damit lässt sich der Mechanismus, der zum Verlust des Tempos führte, in seiner Gesamtheit überblicken. Vier Kräfte wirkten zusammen, und keine von ihnen allein hätte die Wirkung erzielt, die sie in ihrer Verbindung entfaltete. Zuerst war da der hartnäckige Widerstand der eingeschlossenen Truppen, der die beweglichen Verbände band und den Kessel über Wochen offen hielt. Dann kam die Kette der Gegenangriffe frischer Armeen, die dem Angreifer keine Ruhe zum Sammeln ließ.

Hinzu trat die logistische Grenze, jenseits derer der Nachschub dem Vorstoß nicht mehr folgen konnte. Und schließlich fügte sich die strategische Umlenkung der Kräfte hinzu, die die entstandene Pause besiegelte und in eine dauerhafte Verlagerung des Schwerpunkts überführte. Erst das Ineinandergreifen dieser vier Kräfte machte aus einer örtlichen Verzögerung einen grundlegenden Wandel im Charakter des ganzen Feldzugs. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Smolensk keine belanglose Zwischenstation war, kein bloßes Stocken zwischen zwei Vorstößen.

Es war der erste Punkt, an dem das gesamte Modell, das auf einen raschen Zusammenbruch des Gegners baute, an einer seiner tragenden Voraussetzungen versagte. Dieses Modell setzte darauf, den Feind zu schlagen, ehe seine Tiefe wirksam wurde, und den Krieg zu entscheiden, ehe Raum, Wetter und Erschöpfung ihre Rechnung stellten. Bei Smolensk zeigte sich zum ersten Mal, dass genau diese Voraussetzung auf dem zentralen Kriegsschauplatz nicht mehr trug. Der Gegner brach nicht zusammen, die Tiefe wurde wirksam, und die Zeit begann für den Verteidiger zu arbeiten.

Dabei ist Nüchternheit geboten, denn dieser Befund enthält kein Urteil über Sieg oder Niederlage im herkömmlichen Sinne. Rein operativ betrachtet errang die Wehrmacht bei Smolensk einen großen Erfolg. Sie schloss mehrere sowjetische Armeen ein, fügte ihnen schwerste Verluste zu, nahm eine bedeutende Stadt und schob die Front weit über den Dnjepr hinaus nach Osten. Nach den Maßstäben früherer Feldzüge wäre dies ein glänzendes Ergebnis gewesen.

Und doch verband sich mit diesem Erfolg ein Verlust, der auf der Landkarte nicht sichtbar war. Die Fähigkeit, ein ununterbrochenes Angriffstempo über weite Räume hinwegzuhalten, ging in eben diesen Wochen verloren. Der Preis des operativen Sieges war die Einbuße jener Eigenschaft, die den Blitzkrieg überhaupt erst zu dem gemacht hatte, was er war. Die Schlacht um Smolensk wurde damit zum ersten Fall, in dem das deutsche Vorgehen im Osten jenes Tempo verlor, das den Erfolg der vorangegangenen Wochen bestimmt hatte.

Der operative Gewinn war beträchtlich und stand außer Frage. Doch der Preis dieses Ergebnisses und die Umstände, unter denen es errungen wurde, veränderten den Charakter des gesamten Feldzugs auf eine Weise, die sich weder in Gefangenenzahlen noch in eroberten Quadratkilometern ausdrücken ließ. Die unablässigen sowjetischen Gegenschläge, die Zähigkeit der eingeschlossenen Truppen, die äußerste Dehnung der Nachschubwege und die Notwendigkeit langer Pausen zur Wiederherstellung der Panzerverbände verwandelten den Blitzkrieg aus einem durchgehenden Vorgang in eine Folge einzelner Schübe. Die strategischen Entscheidungen, die einen großen Teil der Kräfte auf die Flügel lenkten, schrieben diese Pause fest.

Zu Beginn des September verfügte die Heeresgruppe Mitte nicht mehr über jene Freiheit der Bewegung und jene Stoßkraft, mit denen sie in den Juli hineingegangen war. Dies änderte jedoch nichts an den taktischen Stärken der deutschen Truppen und bedeutete nicht, dass die Rote Armee zu diesem Zeitpunkt bereits die Initiative übernommen hatte. Doch es bedeutete, dass die ursprüngliche Voraussetzung des Unternehmens, die rasche Zerschlagung der Hauptkräfte des Gegners noch vor dem Eintreffen tiefer Reserven und vor dem Beginn des Herbstes, auf der zentralen Richtung nicht mehr galt.

Die weiteren Ereignisse jenes Herbstes und Winters entwickelten sich bereits unter Bedingungen, die sich zum ersten Mal genau hier im Raum von Smolensk abgezeichnet hatten.