Im Januar 1933, als Hitler den Eid als Reichskanzler ablegte, war Deutschland wirtschaftlich am Boden. Es war nicht nur eine Krise, sondern das Ergebnis von 15 Jahren Katastrophen, die die Staatsfinanzen zerstört, die Währung entwertet und Millionen Menschen an den Rand des Existenzminimums getrieben hatten. Der Erste Weltkrieg hatte das Kaiserreich durch Gelddrucken und Kriegsanleihen finanziert, in der Hoffnung auf einen Sieg, der nie kam. Der Versailler Vertrag von 1919 erlegte Deutschland Reparationen von 132 Milliarden Goldmark auf – eine Summe, die das Bruttoinlandsprodukt um ein Vielfaches überstieg.

Die Weimarer Regierung versuchte zu zahlen, doch der Druck war unerträglich. Die Lösung war die denkbar einfachste und verheerendste: mehr Geld drucken. Die Hyperinflation von 1921 bis 1923 war beispiellos. Im November 1923 kostete ein Dollar 4,2 Billionen Mark.
Der Brotpreis verdoppelte sich alle paar Stunden. Menschen füllten Schubkarren mit Geldscheinen, um einen Liter Milch zu kaufen. Ersparnisse eines ganzen Lebens verflogen innerhalb von Wochen. Der Mittelstand, der den Krieg mit Vermögen überstanden hatte, wurde wirtschaftlich vernichtet.
Ein Angestellter, der 20 Jahre gespart hatte, konnte sich nicht einmal mehr eine Briefmarke leisten. Dieses Misstrauen gegenüber Finanzinstitutionen und Regierungen wuchs über ein Jahrzehnt und ebnete den Weg für eine politische Kraft, die Ordnung und Stabilität versprach. Der Dawes-Plan von 1924 und der Young-Plan von 1929 versuchten, die Reparationen umzustrukturieren, doch das Gleichgewicht war fragil. Deutschland lieh sich Geld von amerikanischen Banken, zahlte Reparationen an Frankreich und Großbritannien, die damit ihre Schulden bei den USA beglichen – ein absurder Kreislauf, der Deutschland nur tiefer in Schulden trieb.
Als 1929 die Wall Street crashte, zogen die amerikanischen Banken ihre Kredite ab, und das Gebäude brach zusammen. Die Weltwirtschaftskrise traf Deutschland mit voller Wucht. Die Industrieproduktion halbierte sich, die Arbeitslosigkeit stieg auf 30 Prozent, in manchen Städten auf über 60 Prozent. Die Staatskassen waren leer.
Kanzler Brüning versuchte, durch radikale Sparpolitik zu retten, was nicht zu retten war – er wurde als „Hungerkanzler“ bekannt. In dieser Verzweiflung stieg die NSDAP von 2,6 Prozent der Stimmen 1928 auf 37,4 Prozent im Juli 1932. Hitlers Botschaft war einfach: Schuld waren die Juden, die Kommunisten, die Weimarer Politiker. Er versprach Arbeit, Ordnung und Vergeltung.
Für Millionen, die alles verloren hatten, war das unwiderstehlich. Als Hitler 1933 an die Macht kam, waren die Zahlen unerbittlich: Auslandsschulden über 20 Milliarden Mark, Devisenreserven fast nicht vorhanden, der internationale Kreditmarkt verschlossen. Und dennoch startete dieser insolvente Staat eines der ehrgeizigsten Aufrüstungsprogramme der Geschichte. Der Mann, der das möglich machen sollte, war Hjalmar Schacht, ein Bankier mit außergewöhnlichem finanziellem Erfindungsreichtum.
Schacht hatte bereits 1923 die Hyperinflation gestoppt, indem er die Rentenmark mit landwirtschaftlichen und industriellen Gütern unterlegte. Er war international als Finanzgenie anerkannt. 1930 trat er als Reichsbankpräsident zurück, weil er den Young-Plan ablehnte. 1933 ernannte Hitler ihn erneut, 1934 machte er ihn zum Wirtschaftsminister.
Schacht war sich seiner doppelten Rolle bewusst: Nach außen das respektable Gesicht des Regimes, nach innen der Architekt der Finanzierung. Das erste Hindernis war die Devisenkrise. Deutschland musste Rohstoffe importieren, hatte aber keine Devisen. 1934 erklärte Schacht ein einseitiges Moratorium auf Auslandsschulden.
Gläubiger erhielten Sperrmark, die nur für den Kauf deutscher Waren verwendet werden konnten. Die Briten und Amerikaner protestierten, aber Schacht blieb hart: entweder Sperrmark oder totaler Zahlungsausfall. Die Gläubiger akzeptierten. Schacht entwickelte ein Netz bilateraler Handelsabkommen, den „Neuen Plan“.
Deutschland kaufte Rohstoffe und bezahlte mit Industriegütern, ohne Devisen zu transferieren. Rumänien lieferte Öl, bekam Maschinen. Jugoslawien exportierte Kupfer, erhielt Lokomotiven. Diese Länder gerieten in wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland.
Im Inland setzte Schacht strenge Devisenkontrollen durch. Kein Bürger durfte ausländische Devisen erwerben, Exporteure mussten ihre Einnahmen abführen. Kapitalflucht wurde mit Gefängnis bestraft. Die Wirtschaft wurde auf öffentliche Arbeiten ausgerichtet: Autobahnen, Moortrockenlegung, Wohnungsbau.
Die Arbeitslosigkeit sank, was dem Regime Propagandaerfolge brachte. Doch der Staat hatte kein Geld. Die kühnste Lösung war die Einführung der Mefo-Wechsel. 1934 gründete die Regierung eine Scheinfirma, die „Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH“ – Mefo.
Diese Firma hatte keine Geschäftstätigkeit, nur einen Zweck: als Finanzierungsvehikel zu dienen. Das Reich stellte Wechsel auf den Namen der Mefo aus, mit Laufzeiten von sechs Monaten bis fünf Jahren. Unternehmen, die Rüstungsgüter lieferten, erhielten ihre Zahlungen in Mefo-Wechseln. Diese konnten bei Banken diskontiert oder bei der Reichsbank eingelöst werden.
In der Praxis funktionierten sie wie Geld, tauchten aber nicht in den offiziellen Statistiken auf. Zwischen 1934 und 1938 wurden Mefo-Wechsel im Wert von rund 12 Milliarden Mark ausgegeben – 40 bis 50 Prozent der Rüstungsausgaben. Der offizielle Militäretat stieg von 750 Millionen Mark 1933 auf über 17 Milliarden 1938, aber die Mefo-Wechsel blieben unsichtbar. Ausländische Beobachter bekamen ein völlig verzerrtes Bild.
Der Trick basierte auf Kreditschöpfung: Banken diskontierten die Wechsel, die Reichsbank rediskontierte sie, die Geldmenge stieg. Es war verdeckte Defizitmonetarisierung, getarnt als private Handelswechsel. Hätte der Staat einfach Geld gedruckt, hätte die Bevölkerung, die sich an 1923 erinnerte, Alarm geschlagen. So wirkte es wie normale Geschäftstransaktionen.
Das System war so konstruiert, dass niemand das Gesamtvolumen kannte – nur die Reichsbank unter Schachts Kontrolle. Schacht wusste, dass die Mefo-Wechsel ein Provisorium waren. 1938 wurden die ersten fällig, und die Summe war unbezahlbar. Das trieb Hitler zur territorialen Expansion – die Eroberung neuer Gebiete war der einzige Ausweg aus der Finanzfalle.
Die Mefo-Wechsel trugen den Keim des Krieges in sich. Die privaten Banken wurden zu unfreiwilligen Komplizen. Sie konnten die Wechsel nicht ablehnen, ohne sich dem staatlichen Druck auszusetzen. Aber sie verstanden, was sie taten.
Das Schweigen der Banken ermöglichte das System. Gleichzeitig erodierte die Autonomie des Bankensektors: Banken, die 30 bis 40 Prozent ihrer Aktiva in Staatsanleihen hielten, konnten sich keiner Regierungspolitik widersetzen. Neben den kreativen Finanzinstrumenten griff das Regime auf direktere Methoden zurück: Steuerdruck, Vereinnahmung des Bankensystems und die Enteignung der jüdischen Bevölkerung. Das Steuersystem wurde reformiert, um die mittleren und oberen Schichten stärker zu belasten.
Steuervergünstigungen wurden an regimekonformes Verhalten gekoppelt: kinderreiche Familien, Wohneigentum, frühe Eheschließung. Unternehmen, die in Rüstungssektoren investierten, erhielten Vorzugsbehandlung. Das Fiskalsystem lenkte private Investitionen in die Kriegswirtschaft. Die Sparkassen wurden verpflichtet, Staatsanleihen zu kaufen.
Die Ersparnisse der Bürger flossen ohne ihr Wissen in die Rüstung. Bis 1938 bestanden die Bilanzen der Großbanken größtenteils aus Staatsanleihen. Die Vermögenssteuer wurde verschärft, wohlhabende Deutsche wurden auf ihr Nettovermögen besteuert. Die brutalste Maßnahme war die systematische Enteignung der jüdischen Bevölkerung.
Die Nürnberger Gesetze von 1935 entzogen den Juden die Staatsbürgerschaft. Ab 1937 wurde die „Arisierung“ zum formalen Verfahren: Jüdische Eigentümer wurden gezwungen, ihre Unternehmen und Immobilien weit unter Marktwert zu verkaufen. Wer sich weigerte, wurde inhaftiert. Große Unternehmen wurden zu Spottpreisen übernommen, kleine Geschäfte beschlagnahmt.
Nach der Reichspogromnacht im November 1938 erlegte das Regime der jüdischen Gemeinde eine Strafzahlung von einer Milliarde Reichsmark auf. Die Versicherungsleistungen für die zerstörten Besitztümer wurden vom Staat beschlagnahmt. Die Opfer zahlten für ihre eigene Zerstörung. Göring beklagte auf einer Konferenz, dass die unkoordinierten Ausschreitungen Werte vernichtet hätten, die man hätte beschlagnahmen können.
Die Arisierung wurde beschleunigt. Zwischen 1933 und 1939 wurden Vermögenswerte von 8 bis 12 Milliarden Mark von jüdischen Eigentümern auf den Staat oder regime-nahe Käufer übertragen. Diese Summe war ein signifikanter Teil der Rüstungsfinanzierung. Die wirtschaftliche Gewalt gegen die Juden war auch ein Finanzierungsmechanismus.
Die deutsche Industrie spielte eine ambivalente Rolle. Die Großindustriellen finanzierten Hitler nicht entscheidend – die NSDAP hatte eigene Einnahmequellen. Der wichtigste Beitrag der Industrie war die Hinnahme der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933. Die Arbeitgeber profitierten von der Beseitigung der Tarifautonomie.
Die Löhne wurden per Dekret festgesetzt und blieben hinter der Produktivität zurück. Die Unternehmen eigneten sich einen Teil des Mehrwerts an, der in Produktionskapazitäten reinvestiert wurde. Die IG Farben, der größte Chemiekonzern Europas, erhielt Aufträge zur Entwicklung von synthetischem Treibstoff und Kautschuk – unverzichtbar für die deutsche Militärstrategie, da Deutschland kein eigenes Öl hatte. Der Staat garantierte Abnahmepreise und übernahm das Risiko.
Die Stahlkonzerne wie Krupp und Thyssen vervierfachten ihre Produktion. Die Automobilindustrie wurde transformiert: Volkswagen wurde 1937 als staatliches Projekt gegründet. Arbeiter sparten fünf Mark pro Woche, um einen Volkswagen zu kaufen. Als 1939 der Krieg kam, wurde das Werk auf Kriegsproduktion umgestellt, die Sparer erhielten nie ein Auto, ihr Geld wurde einbehalten.
Die Flugzeugfirmen Heinkel, Junkers, Messerschmitt und andere folgten demselben Muster: Staatsaufträge, Kapazitätserweiterung, Produktion für die Wehrmacht. Die Grenze zwischen Privatwirtschaft und Staat verschwamm. Die Unternehmen behielten ihre Aktien, aber der Staat bestimmte, was produziert wurde. Im August 1936 verfasste Hitler eine geheime Denkschrift, in der er die Logik seines Wirtschaftsprojekts darlegte: Deutschland müsse autark werden oder untergehen.
Die Wirtschaft müsse im Dienste der Kriegsvorbereitung stehen. Das Ziel: Kriegsbereitschaft innerhalb von vier Jahren, bis 1940. Hitler ernannte Hermann Göring zum Beauftragten für den Vierjahresplan. Göring war kein Ökonom, sondern Politiker – er sollte den Plan mit politischer Macht durchsetzen.
Der Vierjahresplan basierte auf zwei Säulen: Maximierung der Produktion strategischer Rohstoffe im Inland und Entwicklung synthetischer Ersatzstoffe. Die Autarkie war das Ziel, auch wenn sie wirtschaftlich ineffizient war. Die Produktion von Aluminium kostete weit mehr als der Import, synthetischer Treibstoff war drei- bis fünfmal teurer als Erdöl. Aber im Krieg zählen Weltmarktpreise nicht, wenn der Feind die Versorgungswege blockiert.
Deutschland verfügte über minderwertiges Eisenerz in Salzgitter, das in Friedenszeiten nicht konkurrenzfähig war. Der Vierjahresplan ordnete den Bau der Reichswerke Hermann Göring an, des größten Industriekomplexes Europas. Schacht opponierte gegen den Plan, warnte vor Inflation und Zahlungsbilanzkrise. Der Konflikt mit Göring wurde unüberbrückbar, 1937 trat Schacht als Wirtschaftsminister zurück, blieb aber bis 1939 Reichsbankpräsident.
Sein Ausscheiden markierte das Ende der finanziellen Disziplin. Bis 1938 produzierte Deutschland 1,35 Millionen Tonnen synthetischen Treibstoff pro Jahr – 46 Prozent des Benzinbedarfs der Wehrmacht. Synthetischer Kautschuk erreichte 1939 eine Kapazität von 22. 000 Tonnen.
Synthetischer Stickstoff, wichtig für Sprengstoff, machte Deutschland autark. Die Militärausgaben stiegen von 13 Prozent des Sozialprodukts 1936 auf 23 Prozent 1939. Fast ein Viertel des Wohlstands wurde für militärische Zwecke ausgegeben. Der Vierjahresplan verstärkte die staatliche Durchdringung der Wirtschaft.
Unternehmen, die nicht kooperierten, wurden kontrolliert oder enteignet. Das Privateigentum wurde formal nicht abgeschafft, aber seines Inhalts beraubt. Trotz der enormen Staatsausgaben kam es in den 1930er Jahren zu keiner sichtbaren Inflation. Die Regierung fror die Preise per Dekret ein.
Ab 1936 gab es einen allgemeinen Preisstopp. Unternehmer, die die Preise erhöhten, wurden bestraft. Doch der Mangel ließ sich nicht kontrollieren: Wenn der Preis für Speiseöl nicht steigen durfte, verschwand das Öl aus den Regalen. Es gab Schlangen, Bezugsscheine, Schwarzmarkt.
Die Inflation war nicht verschwunden, sondern zurückgestaut. Die Bürger sparten ihr Geld, das Bankensystem schöpfte es ab und kaufte Staatsanleihen, die weitere Rüstungsausgaben finanzierten. Ein geschlossener Kreislauf. Die Deutschen erlebten eine sichtbare Verbesserung: Die Arbeitslosigkeit verschwand, die Löhne stiegen moderat, die öffentliche Ordnung war wiederhergestellt.
Die Propaganda feierte den Führer. Aber die Deutschen konsumierten weniger, als sie produzierten. Der private Pro-Kopf-Konsum lag 1938 unter dem Niveau von 1928. Die Differenz verschlang die Wehrmacht.
Bis 1938 hatte die Finanzarchitektur ihre Grenze erreicht. Die Mefo-Wechsel wurden fällig, die Schulden waren immens, die Devisen fehlten. Die territoriale Expansion wurde zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Der Anschluss Österreichs im März 1938 war der erste große Akt organisierten Raubes.
Österreich besaß Goldreserven von 78 Tonnen und Devisen im Wert von 1,4 Milliarden Schilling. Alles wurde an die Reichsbank übertragen. Die österreichischen Unternehmen gingen in deutschen Besitz über. Die jüdische Gemeinde Wiens wurde in Rekordzeit enteignet.
Sechs Monate später wurde das Sudetenland kampflos übergeben. Die Skodawerke in Pilsen produzierten fortan für die Wehrmacht. Im März 1939 besetzte Hitler die Rest-Tschechei. Die tschechische Nationalbank besaß 45 Tonnen Gold, die über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel an Deutschland ausgeliefert wurden.
Die tschechische Rüstungsindustrie produzierte Panzer, die 1940 in Frankreich eingesetzt wurden. Der Überfall auf Polen im September 1939 markierte den Beginn einer noch brutaleren Ausbeutung. Das Generalgouvernement war ein Apparat zur Ressourcenextraktion. Die polnische Bevölkerung wurde zu Zwangsarbeitern degradiert.
Im Laufe des Krieges arbeiteten 7 bis 8 Millionen Zwangsarbeiter in deutschen Fabriken. 1944 machten sie 25 Prozent der Arbeitskräfte aus. Unternehmen wie Volkswagen, BMW, IG Farben, Krupp und Siemens setzten Zwangsarbeit ein. Die Lohnkosten waren minimal, viele starben.
Der Fall Frankreichs im Juni 1940 war der größte Akt organisierten Finanzraubes. Der Waffenstillstand zwang Frankreich zur Zahlung von Besatzungskosten von 400 Millionen Franc pro Tag – doppelt so hoch wie die tatsächlichen Kosten. Zwischen 1940 und 1944 summierten sich die Zahlungen auf 631 bis 700 Milliarden Franc. Die Reichsmark wurde zu einem künstlich überbewerteten Kurs von 20 Franc pro Mark umgetauscht, obwohl der reale Wert bei 10 bis 12 lag.
Die Deutschen kauften in Frankreich zum halben Preis. Die jüdischen Vermögenswerte wurden konfisziert. Die Aktion Möbel plünderte 38. 000 jüdische Wohnungen.
Der Einsatzstab Rosenberg raubte Kunst und Kulturgüter. In den Niederlanden fielen Industrieanlagen und Rohstoffe intakt in deutsche Hände. Belgien wurde systematisch ausgebeutet. In Norwegen wurde die Aluminiumindustrie für die deutsche Luftfahrt genutzt.
Auf dem Balkan beschleunigte sich der Ressourcenstrom. Das rumänische Öl aus Ploiești lieferte 1943 35 Prozent des deutschen Erdölverbrauchs. Als die Alliierten die Raffinerien bombardierten, wurde der Treibstoffmangel kritisch. Italien, ein Verbündeter, wurde nach dem Waffenstillstand 1943 besetzt und ausgeplündert.
Der Historiker Götz Aly argumentierte, dass ein erheblicher Teil des Raubes dem deutschen Durchschnittsbürger zugute kam. Die Soldaten schickten Päckchen nach Hause, die beschlagnahmten Güter tauchten auf den Märkten auf. Die Steuern blieben niedrig. Der Krieg zahlte sich für die deutsche Bevölkerung materiell aus.
Das Finanzgebäude hatte eine strukturelle Schwäche: Es brauchte ständige Expansion. Der Blitzkrieg war nicht nur eine Militärdoktrin, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Deutschland konnte keinen langen Krieg führen. Die Luftschlacht um England 1940 war die erste Fehlkalkulation.
Der Feldzug gegen Jugoslawien und Griechenland 1941 verzögerte den Angriff auf die Sowjetunion um Wochen. Der Überfall auf die UdSSR im Juni 1941 war der Wendepunkt. Hitler hatte gehofft, die Sowjetunion in 12 bis 16 Wochen zu besiegen, um Öl und Getreide zu erobern. Aber die UdSSR hatte das zehnfache Territorium und die vierfache Bevölkerung.
Deutschland produzierte 1941 3. 800 Flugzeuge, die Sowjetunion 15. 700. Die USA produzierten bereits mehr Rüstungsgüter als Deutschland jemals herstellen sollte.
Die Asymmetrie war erdrückend. Albert Speer, ab 1942 Rüstungsminister, steigerte die Produktion zwischen 1942 und 1944 um das Dreifache. Aber das reichte nicht. Die zurückgestaute Inflation begann an die Oberfläche zu drängen.
Der Schwarzmarkt wuchs. Die Inlandsschuld erreichte 1944 380 Milliarden Mark, das Volkseinkommen betrug nur 120 Milliarden. Das Verhältnis von Schulden zu Einkommen lag bei über 3:1. Die Banken hielten Staatsanleihen, die nie zurückgezahlt werden konnten.
Das Finanzsystem war technisch insolvent. Die letzte Lösung war die Intensivierung der Ausbeutung. In den unterirdischen Fabriken im Harz, wo die V2-Raketen montiert wurden, starben über 20. 000 von 60.
000 Zwangsarbeitern. Die fortschrittlichste Waffe wurde auf Leichen gebaut. Als das Reich im Mai 1945 zusammenbrach, war die Bilanz verheerend. Die Städte lagen in Trümmern, die Industrie war zerstört, die Reichsmark wertlos.
Die Inlandsschuld wurde durch die Währungsreform von 1948 liquidiert, die die Ersparnisse der Deutschen zum zweiten Mal innerhalb einer Generation vernichtete. Die Kriegsreparationen nach 1945 waren geringer als nach Versailles. Die Alliierten hatten gelernt: Ein besiegtes Land mit untragbaren Schulden zu belasten, erzeugt Instabilität. Der Marshallplan injizierte Kapital in die deutsche Wirtschaft.
Die Währungsreform und die Liberalisierung der Preise ermöglichten das Wirtschaftswunder. Die industrielle Basis war trotz der Bombardierung größer als 1933. Die Arbeiter hatten Qualifikationen aus einem Jahrzehnt intensiver Produktion. Was fehlte, war der richtige institutionelle Rahmen.
Die Frage der Reparationen blieb jahrzehntelang offen. Erst in den 1990er Jahren gründeten deutsche Unternehmen die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit 10 Milliarden Mark. Für die meisten Überlebenden kam die Entschädigung zu spät. Die NS-Wirtschaft stellt Ökonomen weiterhin vor Fragen.
War es Militärkeynesianismus, der Deutschland aus der Krise führte? Technisch ja, aber der oberflächliche Erfolg kaschierte eine Wirtschaft, die den gegenwärtigen Konsum opferte, um eine Maschinerie der Zerstörung aufzubauen. Adam Tooze zeigte in „Ökonomie der Zerstörung“, dass die deutsche Wirtschaft weitaus schwächer war, als die Propaganda behauptete. Sie war überlastet, mit verdeckter Verschuldung und zurückgestauter Inflation.
Als die Expansion stoppte, kollabierte das System. Die NS-Wirtschaft brauchte den Krieg, um zu überleben, nicht umgekehrt. Der Krieg war das geplante Resultat einer Politik, die sich nur durch Raub aufrechterhalten ließ. Die Gesamtausgaben für die Aufrüstung zwischen 1933 und 1939 beliefen sich auf rund 90 Milliarden Mark.
Finanziert durch 12 Milliarden Mefo-Wechsel, 20 bis 25 Milliarden Inlandsschulden, 8 bis 12 Milliarden aus der Arisierung und die Plünderung Österreichs und der Tschechoslowakei. Der Rest kam aus Steuern, Zwangssparen und Konsumdrosselung. Erst die Kombination machte es möglich. 1933 hatte die Reichswehr 100.
000 Mann, 1939 über 3,7 Millionen. Die Luftwaffe war zur zweitgrößten der Welt geworden. Die Rüstungsindustrie war der größte militärisch-industrielle Komplex Europas. 1938 gab Deutschland 17 Prozent seines Nationaleinkommens für Verteidigung aus, Großbritannien 7, Frankreich 9, die USA 1,5.
Deutschland ging mit einem Startvorteil in den Krieg. Aber die Goldreserven waren erschöpft, die Schulden unbezahlbar, die Inflation ein Pulverfass. Oberst Georg Thomas warnte 1939, dass die Reserven für 6 bis 12 Monate reichen würden. Der Krieg musste schnell gewonnen werden, sonst war er nicht zu gewinnen.
Hitler überschätzte die Schwäche seiner Gegner. Der Blitzkrieg funktionierte in Polen und Frankreich, aber nicht in der Sowjetunion. Die deutsche Wirtschaft der 1930er Jahre bewies, dass ein Staat mit politischem Willen Ressourcen mobilisieren kann, aber nicht umsonst. Die Kosten trugen zuerst die jüdischen Bürger, dann die Völker der besetzten Länder, die Zwangsarbeiter und schließlich die Deutschen selbst.
Hjalmar Schacht wurde in Nürnberg freigesprochen – der umstrittenste Freispruch. Er lebte bis 1970 und arbeitete als Finanzberater. Göring wurde zum Tode verurteilt, beging aber Selbstmord. Speer erhielt 20 Jahre.
Die Industriellen kamen mit milden Strafen davon. Das Paradoxon ist das präziseste Fazit: Die größte Armee, die Deutschland je aufbaute, wurde von ihren Opfern bezahlt. Die Mechanismen der Aufrüstung waren technisch raffiniert und moralisch brutal. Die Geheimhaltung war Teil des Konzepts.
Als das Geheimnis nicht mehr zu wahren war, war es zu spät, die Maschinerie zu stoppen.