„Die sechste Armee ist gefallen.” Dieser Satz hallte durch die Trümmer von Stalingrad, und ich dachte, ich hätte alles gesehen. Doch nur drei Monate später stand ich in den Reihen einer neuen…

Die sechste Armee war im kollektiven Gedächtnis mit Stalingrad verbunden, doch am zweiten Februar neunzehnhundertdreiundvierzig kapitulierte die ursprüngliche Formation in den Trümmern der Stadt an der Wolga. Rund zehn Männer gerieten in sowjetische Gefangenschaft, nur wenige kehrten jemals zurück. Die Vernichtung dieser Armee zählte zu den schwersten Niederlagen, die die Wehrmacht bis dahin erlitten hatte, ein tiefer Einschnitt im Verlauf der Ostfront. Und dennoch verschwand die Nummer sechs nicht aus den Rängen des Heeres.

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Bereits Anfang März benannte das Oberkommando die Armeeabteilung Holl in eine neue sechste Armee um. Es handelte sich nicht um die Wiederauferstehung der alten Eliteformation, sondern um einen Neuaufbau aus Resten, Ersatzmannschaften und herangeführten Verbänden, denen man einen klangvollen Namen gab. Viele Fragen drängen sich bei dieser Geschichte auf. Wie versuchte die Wehrmacht unter den Bedingungen des totalen Krieges und eines drückenden Mangels an Ressourcen, die weit auseinandergezogene Front im Süden zu halten?

Wie entschieden die Befehlshaber, zunächst Karl Adolf Hollidt, später Maximilian Fretter-Pico und Hermann Balck, in konkreten Operationen von der Verteidigung eines Flussabschnitts bis zu Entsatzversuchen? Und warum vermochten einzelne örtliche Erfolge das Gesamtbild nicht mehr zu verändern? Die Antwort liegt im historischen Zusammenhang. Bis zum Frühjahr neunzehnhundertdreiundvierzig war das Deutsche Reich an der Ostfront zur strategischen Verteidigung übergegangen, nach den ungeheuren Verlusten bei Stalingrad und nach dem Scheitern des Unternehmens Zitadelle im Sommer desselben Jahres.

Die neue sechste Armee kämpfte im Verband der Heeresgruppe Süd, später der Heeresgruppe Südukraine und schließlich erneut der Heeresgruppe Süd, häufig Seite an Seite mit rumänischen und ungarischen Großverbänden. Am Ende dieser Betrachtung wird deutlich, dass selbst sachkundige taktische Entscheidungen einzelner Befehlshaber das grundlegende Ungleichgewicht der Kräfte und die seit neunzehnhunderteinundvierzig angehäuften strategischen Fehler nicht mehr ausgleichen konnten. Es ist keine Geschichte des Triumphs, sondern eine Geschichte des allmählichen Verschleißes und des erzwungenen Rückzugs. Die Armeeabteilung Holl war im Winter aus verschiedenen Verbänden zusammengestellt worden, um die klaffende Lücke zu schließen, die der Zusammenbruch der Front am Don gerissen hatte.

Als General Hollidt das Kommando übernahm, bestand die Formation vor allem aus Infanteriedivisionen. Panzer und Sturmgeschütze standen anfangs nur in begrenzter Zahl zur Verfügung, viele Verbände waren durch die vorangegangenen Kämpfe stark abgenutzt. Die Auffüllung erfolgte aus rückwärtigen Diensten, aus Genesenden, die aus den Lazaretten zurückkehrten, und aus jungen Rekruten, die erst an der Front lernen mussten, was sie im Ausbildungsbetrieb nicht vollständig hatten lernen können. Dass ausgerechnet diese Formation die Nummer sechs erhielt, hatte einen doppelten Grund.

Der Name besaß ein Ansehen, das über die Katastrophe von Stalingrad hinaus fortwirkte, und die Not zwang dazu, rasch einen tragfähigen Verband zu schaffen, der den Süden der Front decken konnte, während die wichtigsten beweglichen Kräfte weiter nördlich gebunden waren. Die Lage dieser neuen Armee war von Anfang an durch einen tiefen Widerspruch geprägt. Auf dem Papier trug sie den Namen einer der berühmtesten Armeen des deutschen Heeres, in der Wirklichkeit aber mangelte es ihr an fast allem, was eine schlagkräftige Armee ausmacht. Die Infanteriedivisionen waren personell ausgezehrt, viele Kompanien erreichten nur einen Bruchteil ihrer vorgesehenen Stärke, und die Zahl der erfahrenen Unterführer, die im Gefecht den Zusammenhalt sichern, war dramatisch gesunken.

Gerade diese Unterführer waren durch nichts zu ersetzen, denn ihre Erfahrung ließ sich nicht in wenigen Wochen nachbilden. Die Wehrmacht griff auf jede verfügbare Quelle zurück. Genesende wurden vorzeitig entlassen, rückwärtige Dienste ausgekämmt, Jahrgänge herangezogen, die zuvor als nicht kriegsverwendungsfähig gegolten hatten. Auf diese Weise entstand eine Armee, die nach außen vollständig erschien, deren innerer Kern jedoch brüchig blieb.

Diese Diskrepanz zwischen Anschein und Wirklichkeit begleitete die gesamte weitere Geschichte, denn immer wieder wurde die Formation zerschlagen, immer wieder aus Resten neu aufgebaut, und niemals erreichte sie wieder jene Geschlossenheit einer über lange Zeit zusammengewachsenen Truppe. Der Abschnitt, den diese Armee halten sollte, lag am Fluss Mius. Dieser Flusslauf deckte das Donezbecken mit seinen Kohlengruben und seiner Schwerindustrie und bildete zugleich den südlichen Flügel der gesamten Heeresgruppe Süd. Ein Durchbruch hätte nicht nur wichtige Industriegebiete freigelegt, sondern auch die Flanke ganzer Heeresgruppen bedroht.

Deshalb richtete die Wehrmacht dort eine tief gestaffelte Verteidigung ein, die den Fluss als natürliches Hindernis nutzte und durch Stellungssysteme, Minenfelder und vorbereitete Artilleriestellungen verstärkt wurde. Nach der Katastrophe von Stalingrad und nach dem Scheitern der Entsatzversuche verstärkte die deutsche Führung eilig den südlichen Abschnitt, solange die wichtigsten Panzer und motorisierten Verbände in anderen Richtungen gebunden waren. Die neue sechste Armee war damit von Anfang an in eine defensive Rolle gedrängt, in der es nicht um Eroberungen ging, sondern um das Halten eines Riegels unter ständigem Druck. Im Sommer kam dieser Druck mit voller Wucht.

Am siebzehnten Juli gingen die Truppen der sowjetischen Südfront zum Angriff über. Die bereitstehenden Kräfte umfassten etwa siebenundzwanzigtausend Mann sowie mehr als siebenhundert Panzer und Selbstfahrlafetten. Diesem geballten Ansturm hatte die sechste Armee an der vordersten Linie nur begrenzte Kräfte entgegenzusetzen. In den ersten Tagen gelang den Angreifern ein Einbruch, der eine Tiefe und Breite von etwa fünfzehn bis zwanzig Kilometern erreichte.

Die deutschen Verbände erlitten schwere Verluste, einzelne Stützpunkte gingen verloren, und die Gefahr eines weiteren Zusammenbruchs stand deutlich im Raum. Die sowjetische Führung rechnete mit einem durchschlagenden Erfolg, denn sie verfügte über zahlenmäßige Überlegenheit, über gründliche artilleristische Vorbereitung und über die begründete Annahme, dass die deutschen Truppen nach den vorangegangenen Kämpfen erschöpft waren. Das Kräfteverhältnis sprach eindeutig für die Angreifer, und die Erinnerung an Stalingrad, das erst ein halbes Jahr zurücklag, legte nahe, dass sich eine ähnliche Katastrophe wiederholen könnte. Für die Soldaten an der vordersten Linie bedeutete dieser Angriff eine Bewährungsprobe von äußerster Härte.

Die sowjetische artilleristische Vorbereitung legte sich mit erdrückender Wucht über die Stellungen, zerschlug Gräben und Bunker und riss Lücken in die Verteidigung, bevor die Angriffswellen anrollten. Wer diese Feuervorbereitung überlebte, sah sich anschließend einer Überzahl an Infanterie und Panzern gegenüber, die aus dem zerwühlten Vorgelände hervorbrach. Es war bemerkenswert, dass die Verteidigung überhaupt in Teilen standhielt, und es war vor allem der Zähigkeit einzelner Stützpunkte zu verdanken, dass der Einbruch nicht sofort in die Tiefe durchschlug. Zugleich zeigte sich hier ein Muster, das den gesamten weiteren Verlauf kennzeichnen sollte.

Die deutsche Verteidigung konnte den ersten Ansturm zwar abfangen, aber nur um den Preis schwerer Verluste, die sich immer schwerer ersetzen ließen. Warum wuchs sich dieser Durchbruch nicht zu einem vollständigen Zusammenbruch aus, wie es ein halbes Jahr zuvor geschehen war? Die Antwort liegt in der Reaktion der deutschen Führung und in den besonderen Bedingungen dieses Abschnitts. Der Einbruch war zwar tief, doch er blieb örtlich begrenzt, und die deutsche Verteidigung hatte an den Flanken standgehalten.

Die angreifenden Verbände stießen in einen Sack hinein, dessen Ränder noch in deutscher Hand waren. Die Tiefe des Einbruchs, die zunächst wie ein Erfolg aussah, wurde damit zu einer Falle, denn je weiter die sowjetischen Kräfte vordrangen, desto verwundbarer wurden ihre eigenen Flanken und ihre rückwärtigen Verbindungen. Die Reaktion Hollidts bestand darin, begrenzte Reserven heranzuführen und einen Gegenstoß vorzubereiten. Dazu gehörten Panzer und motorisierte Verbände, von denen ein Teil zuvor am Unternehmen Zitadelle im Raum von Kursk beteiligt gewesen war und nun rasch nach Süden verlegt wurde.

Diese Verlegung war bezeichnend für die Arbeitsweise der Wehrmacht in dieser Phase. Sie besaß keine ausreichenden strategischen Reserven mehr, sondern musste bewegliche Kräfte ständig von einem bedrohten Abschnitt zum nächsten verschieben, um die jeweils gefährlichste Lücke zu schließen. Der deutsche Gegenstoß Ende Juli und Anfang August war das Ergebnis genau dieses Verfahrens. Die Panzer und motorisierten Kräfte wurden an einem eng begrenzten Abschnitt zusammengezogen, unterstützt von der Artillerie und von der Luftwaffe, insbesondere von Verbänden der Luftflotte vier.

Das Ergebnis war die Einkesselung mehrerer sowjetischer Divisionen, die Gefangennahme mehrerer tausend Soldaten und die Wiederherstellung der Linie am Mius bis zum zweiten August. Mehrere Faktoren wirkten zusammen. Die deutsche Führung bildete trotz des allgemeinen Mangels an einem eng begrenzten Abschnitt einen Schwerpunkt, statt die verfügbaren Kräfte über die gesamte Front zu verteilen. Diese Fähigkeit zur Schwerpunktbildung blieb selbst dann erhalten, als die Mittel immer knapper wurden.

Hinzu kam die Nutzung des Flusslaufs als natürliches Hindernis, das die Verteidigung erleichterte und dem Angreifer das rasche Nachführen von Kräften erschwerte. Ferner gelang das Zusammenwirken zwischen Infanterie und den begrenzten Panzerreserven, was für einen erfolgreichen Gegenstoß unerlässlich war. Und schließlich litt die sowjetische Seite unter den typischen Schwierigkeiten eines raschen Vorstoßes, denn ihre Nachschubwege waren überdehnt. Munition und Treibstoff kamen nur mit Verzögerung an die Spitzen heran, und die vorgestoßenen Verbände waren zunehmend von ihrer eigenen Versorgung abgeschnitten.

In diesem Zusammentreffen von deutscher Schwerpunktbildung und sowjetischen Versorgungsproblemen lag der Schlüssel zum örtlichen Erfolg. Es ist wichtig, dieses Ergebnis richtig einzuordnen. Die Einkesselung mehrerer Divisionen und die Gefangennahme mehrerer tausend Soldaten waren im Rahmen einer einzelnen Abwehrschlacht ein beachtlicher Erfolg. Für die beteiligten Verbände war die Wiederherstellung der Linie ein greifbarer Beweis, dass die Front noch nicht endgültig zerbrochen war.

Doch dieser Erfolg maß sich an einem sehr engen Maßstab. Er bedeutete lediglich, dass eine Ausgangslage wiederhergestellt wurde, die vor dem Angriff bestanden hatte, ohne dass sich am Kräfteverhältnis etwas Grundlegendes geändert hätte. Der Gegner hatte einen Rückschlag erlitten, aber er hatte weder seine Angriffskraft noch seinen Willen verloren, und schon wenige Wochen später sollte er an diesem und an benachbarten Abschnitten mit neuen und stärkeren Kräften wiederkehren. Ein taktischer Sieg, der die strategische Lage nicht berührt, verschiebt lediglich den Zeitpunkt der nächsten Krise.

Genau das war hier der Fall. Der Gegenstoß funktionierte jedoch nicht in jeder Hinsicht ideal. Die eigenen Verluste waren hoch, denn ein Gegenstoß gegen einen überlegenen Gegner kostet auch den Angreifer erhebliche Kräfte. Die Technik nutzte sich weiter ab.

Panzer fielen durch Kampfschäden und mechanische Defekte aus, und der Verschleiß an Material ließ sich unter den Bedingungen des Jahres neunzehnhundertdreiundvierzig nur schwer ersetzen. Vor allem aber war es unmöglich, den örtlichen Erfolg weiter auszubauen. Die sechste Armee konnte die Linie am Mius wiederherstellen, doch sie war nicht in der Lage, aus dieser Verteidigung heraus in die Offensive überzugehen oder dem Gegner einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Damit war die örtliche Stabilisierung kein Wendepunkt, sondern lediglich ein Aufschub.

Die strategische Initiative lag bereits fest in der Hand der sowjetischen Seite, und die deutsche Verteidigung konnte diese Initiative nicht mehr an sich reißen, sondern nur noch zeitweise bremsen. Ein Gedanke gilt für die gesamte weitere Geschichte. Die deutsche Führung konnte auf der Ebene einer einzelnen Schlacht durchaus noch Erfolge erzielen, weil sie über eine eingespielte Methodik verfügte, weil ihre Verbände auch in aussichtsloser Lage diszipliniert kämpften und weil einzelne Befehlshaber wie Hollidt die Kunst beherrschten, aus wenigen Mitteln das Äußerste herauszuholen. Doch keine dieser Fähigkeiten berührte die eigentliche Ursache der deutschen Schwäche, nämlich das wachsende Missverhältnis zwischen den Anforderungen der Front und den verfügbaren Mitteln.

Ein gewonnener Gegenstoß am Mius kostete Menschen und Material, die nicht mehr in gleichem Maße nachströmten, während die sowjetische Seite ihre Verluste ersetzen und ihre Kräfte verstärken konnte. Auf diese Weise verwandelte sich selbst ein taktischer Erfolg auf lange Sicht in einen weiteren Schritt der Erschöpfung. Genau diese Dynamik, in der jeder Abwehrerfolg die eigene Substanz weiter aufzehrte, bildet den roten Faden der gesamten Geschichte der neuen sechsten Armee. Der Winter des Jahres neunzehnhundertvierundvierzig eröffnete dann eine Kette von Rückschlägen, die weit schwerer wogen als die Krise am Mius.

Nach den Kämpfen um Kursk und am Mius rollte eine ganze Folge sowjetischer Operationen über den Süden der Ostfront hinweg, darunter die Nikopol-Kriwoi-Rog-Operation, die Beresnegowatje-Snigirjowka-Operation und schließlich die Odessaer Operation. In diesem unaufhörlichen Ansturm wurde die sechste Armee, die seit April zeitweilig unter dem Kommando von General Maximilian de Angelis stand, Schritt für Schritt aus ihren Stellungen gedrängt. Sie erlitt schwere Verluste, wich zurück und versuchte dennoch immer wieder wichtige Abschnitte zu halten, unter denen der Brückenkopf von Nikopol eine besondere Rolle spielte. Dieser Brückenkopf hatte einen handfesten wirtschaftlichen Grund, denn in seinem Raum lagen bedeutende Manganvorkommen.

Mangan war ein unentbehrlicher Rohstoff für die Stahlerzeugung und damit für die gesamte deutsche Rüstung. So band die deutsche Führung erhebliche Kräfte an einen Punkt, dessen Wert weniger militärisch als rohstoffwirtschaftlich begründet war. Genau diese Bindung erwies sich als gefährlich, als der sowjetische Druck weiter zunahm. Der Brückenkopf von Nikopol steht beispielhaft für ein grundsätzliches Dilemma dieser Kriegsphase.

Militärisch wäre es klüger gewesen, eine solche vorgeschobene Stellung rechtzeitig zu räumen und die dort gebundenen Kräfte zur Verkürzung und Verstärkung der Front zu nutzen. Wirtschaftlich aber galt das Manganvorkommen als so bedeutsam, dass die Führung bereit war, erhebliche militärische Risiken einzugehen, um es möglichst lange zu behaupten. In diesem Widerstreit zwischen militärischer Vernunft und wirtschaftlicher Notwendigkeit setzte sich am Ende zu oft die Rücksicht auf den Rohstoff durch, und die Truppe bezahlte diesen Vorrang mit Verlusten, die in keinem Verhältnis zum erzielbaren Gewinn standen. Ein wiederkehrendes Muster dieser Monate bestand darin, dass der Rückzug häufig zu spät erfolgte.

Die Ursache lag weniger im Urteil der Frontbefehlshaber als in den Weisungen der obersten Führung, die es untersagten, Stellungen ohne ausdrücklichen Befehl aufzugeben. Diese Haltebefehle aus dem Führerhauptquartier zwangen die Verbände dazu, in bereits aussichtslosen Positionen auszuharren, bis der Gegner sie überflügelt hatte, sodass ein geordneter Rückzug oft nur noch unter schweren Verlusten oder überhaupt nicht mehr möglich war. Die Befehlshaber an der Front versuchten dieser Zwangslage mit den Mitteln der beweglichen Verteidigung zu begegnen. Sie bildeten Kampfgruppen aus zusammengewürfelten Resten, führten örtliche Gegenstöße, um bedrohte Abschnitte zu entlasten, und wichen dort, wo es der Befehl erlaubte, in vorbereitete Auffangstellungen zurück.

Doch diese Kunst der Verteidigung stieß an immer engere Grenzen. Der Mangel an Treibstoff schränkte die Beweglichkeit der wenigen Panzer und Fahrzeuge ein. Die Luftwaffe war kaum noch in der Lage, Schutz von oben zu geben, und der Verlust erfahrener junger Führer, die im Gefecht die Entscheidungen an Ort und Stelle trafen, wog immer schwerer. Hinzu kam eine hohe Fluktuation im Personalbestand, denn die Verbände wurden immer wieder mit unerfahrenen Ersatzmannschaften aufgefüllt, die kaum Zeit hatten, sich einzuleben, bevor sie im nächsten Abwehrkampf verbraucht wurden.

Auf diese Weise verlor die Armee nicht nur Raum, sondern auch Substanz, und jeder Rückzug bezahlte sich mit einem weiteren Stück Kampfkraft. Um diese Monate zu verstehen, muss man sich die Beschaffenheit des Geländes vor Augen führen. Der ukrainische Winter und das darauffolgende Tauwetter verwandelten die Wege in tiefen Morast, in dem Fahrzeuge und Geschütze stecken blieben und in dem jeder Rückzug zu einem Kampf gegen die Natur selbst wurde. Was an Treibstoff und Zugkraft vorhanden war, verbrauchte sich in dem Bemühen, die schweren Waffen überhaupt aus den bedrohten Stellungen herauszubringen.

Nicht selten mussten Geschütze und Fahrzeuge zurückgelassen und gesprengt werden, weil es unmöglich war, sie durch den Schlamm zu bewegen. Der Gegner, der die Initiative besaß und die Richtung der Stöße bestimmen konnte, hatte es leichter, denn er drängte nach vorn und musste nicht unter feindlichem Druck ganze Verbände über zerstörte Wege zurückführen. So verband sich die Ungunst des Geländes mit der Ungunst der militärischen Lage, und beide zusammen ließen die Verluste an Material immer weiter anschwellen. Die Armee verlor nicht allein in den Gefechten, sondern auch auf den Rückzugsstraßen einen erheblichen Teil ihrer schweren Ausrüstung, und was einmal verloren war, konnte unter den Bedingungen des Jahres neunzehnhundertvierundvierzig kaum noch ersetzt werden.

Im Mai trat die sechste Armee in einen neuen Zusammenhang ein. Sie wurde der Armeegruppe Dumitrescu unterstellt, die nach dem rumänischen General Petre Dumitrescu benannt war und unter nomineller rumänischer Führung stand. Deutsche Verbände waren damit einem verbündeten Befehlshaber unterstellt, was die veränderte Lage des Reiches deutlich machte, das stärker auf seine Verbündeten angewiesen war als je zuvor. Der Verband setzte sich aus deutschen Divisionen und der rumänischen Dritten Armee zusammen.

Aus dieser Mischung ergaben sich erhebliche Probleme des Zusammenwirkens. Die Ausbildung der Truppen war unterschiedlich, Bewaffnung und Versorgung folgten verschiedenen Maßstäben, und vor allem war die Kampfmoral der rumänischen Verbände von ganz anderen politischen und militärischen Voraussetzungen bestimmt. Für viele rumänische Soldaten war der Krieg weit im eigenen Osten längst zu einer fremden Angelegenheit geworden, deren Sinn ihnen mit jeder Niederlage fraglicher erschien. Diese unterschiedliche Motivation war kein Randproblem, sondern ein Faktor von großer militärischer Bedeutung, denn die Widerstandskraft einer Front hängt entscheidend davon ab, dass ihre einzelnen Abschnitte gleichmäßig halten.

Der Frontabschnitt in Moldawien und im Norden Rumäniens, den dieser gemischte Verband zu decken hatte, wurde damit zu einem der verwundbarsten Punkte der gesamten Ostfront. Diese Schwäche entlud sich im August in einer Katastrophe, die in ihren Ausmaßen an Stalingrad erinnerte. Zwischen dem zwanzigsten und dem neunundzwanzigsten August führten die zweite und die dritte ukrainische Front einen massiven Schlag gegen die Heeresgruppe Südukraine, in deren Verband die sechste Armee stand. Die sowjetische Seite verfügte über eine erdrückende Überlegenheit an Artillerie, Panzern und Flugzeugen.

Sie hatte den Angriff sorgfältig vorbereitet und ihre Schwerpunkte gerade dort angesetzt, wo die Front am schwächsten war. Der Durchbruch gelang rasch, und schon nach wenigen Tagen schlossen sich die sowjetischen Zangen um einen großen Teil der sechsten Armee. Der rumänische Frontabschnitt brach zusammen, und dieser Zusammenbruch hatte innere wie äußere Ursachen. Von außen wirkte der überwältigende sowjetische Druck.

Von innen wirkte die politische Entwicklung in Rumänien selbst, das sich in diesen Tagen von seinem Bündnis löste und die Seiten wechselte. Als dieser Umschwung eintrat, verloren die deutschen Verbände nicht nur einen Verbündeten, sondern sie fanden sich plötzlich in einem Land wieder, dessen Truppen sich gegen sie zu wenden begannen und dessen Wege ihnen nicht mehr offenstanden. Die Folgen waren verheerend. Die sechste Armee wurde ein zweites Mal in ihrer Geschichte vernichtet.

Zehntausende Soldaten fielen oder gerieten in Gefangenschaft, ganze Divisionen lösten sich auf, und der Verband hörte für kurze Zeit als geschlossene Kraft auf zu bestehen. Für die Soldaten, die in diesen Tagen im Kessel standen, bedeutete der Zusammenbruch ein Chaos. Als die Verbindungen zerrissen und die Befehlswege abbrachen, löste sich der Zusammenhalt der großen Formationen in eine Vielzahl einzelner Gruppen auf, die auf eigene Faust versuchten, nach Westen durchzubrechen. Ohne ausreichenden Treibstoff, ohne Deckung aus der Luft und ohne verlässliche Nachrichten irrten diese Gruppen durch ein Land, in dem sich die Verhältnisse binnen Tagen völlig verkehrt hatten.

Wege, die gestern noch sicher gewesen waren, führten heute in die Gefangenschaft, und Orte, die als rückwärtige Räume gegolten hatten, lagen plötzlich im Rücken des Gegners. In dieser Auflösung ging ein großer Teil der Armee verloren, nicht immer in offener Schlacht, sondern häufig in aussichtsloser Zersplitterung, in der einzelne Verbände kapitulierten, weil ihnen jede Möglichkeit des geordneten Widerstands genommen war. Diese Art des Untergangs unterschied sich in ihrer Form von der Einschließung bei Stalingrad, doch in ihrem Ergebnis kam sie ihr gleich. Warum kam es zu dieser zweiten Vernichtung?

Mehrere Ursachen wirkten zusammen. An erster Stelle stand die Überschätzung der Zuverlässigkeit des Verbündeten, denn die deutsche Führung hatte sich in der Bewertung der rumänischen Widerstandskraft und der politischen Festigkeit des Bündnisses schwer getäuscht. Hinzu kamen die verspäteten Versuche, den Truppen einen Rückzug zu gestatten, denn wie schon in der Ukraine wurde auch hier der Befehl zum rechtzeitigen Absetzen zu spät gegeben, sodass die Verbände bereits eingeschlossen waren, als die Erlaubnis endlich kam. Ferner fehlten die ausreichenden beweglichen Reserven, die für einen wirkungsvollen Gegenstoß nötig gewesen wären, denn die wenigen Panzerverbände waren über zu breite Abschnitte verteilt und konnten nicht rechtzeitig zu einem Schwerpunkt zusammengefasst werden.

Und schließlich hatte die sowjetische Seite in dieser Phase des Krieges eine Meisterschaft der Operationsführung erreicht, die den deutschen Möglichkeiten weit überlegen war. Sie plante ihre Durchbrüche und Umfassungen mit großer Tiefe und setzte ihre Kräfte gebündelt und mit hohem Tempo ein. Ob die Armee der Einschließung hätte entgehen können, wenn sie rechtzeitig die Erlaubnis erhalten hätte, sich hinter den Dnister oder den Pruth abzusetzen, lässt sich nicht sicher beantworten. Doch vieles spricht dafür, dass ein früherer Rückzug wenigstens einen Teil der Verbände hätte retten können.

Die starre Bindung an das Halten von Stellungen, die längst nicht mehr zu halten waren, verwandelte eine schwere Niederlage in eine vollständige Katastrophe. Die Vernichtung der sechsten Armee in der Jassy-Kischinew-Operation war nicht das Werk eines einzelnen Fehlers, sondern das Ergebnis einer langen Kette von Zwängen und Fehleinschätzungen, die sich seit dem Frühjahr aufgestaut hatten. Die Armee war durch die Rückzugskämpfe geschwächt, in ein Bündnis eingebunden, das an seinem entscheidenden Punkt zerbrach, und an Weisungen gebunden, die ihr die Freiheit des rechtzeitigen Handelns nahmen. Ihr Untergang war weniger ein plötzliches Unglück als die folgerichtige Zuspitzung einer Entwicklung, die lange absehbar gewesen war.

Für die sowjetische Seite bedeutete dieser Sieg einen der glänzendsten Erfolge des gesamten Jahres. Er öffnete den Weg auf den Balkan und brachte binnen weniger Wochen den Zusammenbruch der deutschen Stellung im gesamten Südosten Europas mit sich. Rumänien schied als Verbündeter aus und trat auf die Gegenseite über, und in seinem Gefolge geriet auch die Lage in Bulgarien und Ungarn ins Wanken. Der Verlust der rumänischen Ölfelder von Ploesti traf die deutsche Kriegswirtschaft an einer empfindlichen Stelle, denn diese Ölquellen hatten über Jahre einen wesentlichen Teil des Treibstoffbedarfs gedeckt, und ihr Ausfall verschärfte den ohnehin bedrohlichen Mangel weiter.

Und dennoch verschwand der Name der sechsten Armee auch nach dieser zweiten Vernichtung nicht aus der Ordnung der Wehrmacht. Was von ihr übrig war, an Stäben, versprengten Verbänden und Resten, die dem Kessel entkommen waren, bildete den Ausgangspunkt für einen erneuten Wiederaufbau. Damit wiederholte sich, was schon im März neunzehnhundertdreiundvierzig geschehen war. Auch jetzt gab die deutsche Führung einer neu zusammengestellten Formation den alten Namen, um in kürzester Zeit wieder einen tragfähigen Verband zu schaffen.

Der Schauplatz dieses neuen Aufbaus lag nun in Ungarn, wo sich die letzten großen Kämpfe der sechsten Armee abspielen sollten. Der Wiederaufbau vollzog sich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Der Stab und die Reste der Verbände wurden neu geordnet, mit herangeführten Divisionen aufgefüllt und in einen neuen Frontabschnitt eingewiesen. Das Kommando ging an General Maximilian Fretter-Pico, dessen Name mit der bemerkenswertesten Einzelleistung dieser letzten Phase verbunden bleiben sollte.

Aus der sechsten Armee und der ihr unterstellten ungarischen zweiten Armee bildete man die Armeegruppe Fretter-Pico. Schon diese Zusammensetzung zeigt, dass sich die Bedingungen des Kampfes grundlegend verschoben hatten. Wie zuvor in Rumänien kämpfte die deutsche Armee auch jetzt in einem Bündnis, dessen Zusammenhalt brüchig war und dessen Verlässlichkeit von der politischen Lage des verbündeten Staates abhing. Der Zweck war die Verteidigung Ungarns, die für das Reich herausragende Bedeutung besaß.

Ungarn war nach dem Verlust Rumäniens die letzte große Quelle von Erdöl und Rohstoffen. Ohne das ungarische Öl und die dort gelegenen Raffinerien drohte der ohnehin bedrohliche Treibstoffmangel in eine vollständige Lähmung der beweglichen Kriegführung umzuschlagen. Die Führung war entschlossen, den Raum um Budapest und die Ölgebiete so lange wie möglich zu halten, und die sechste Armee stand im Mittelpunkt dieser Anstrengung. Im Oktober kam es zu einem Ereignis, das aus rein militärischer Sicht zu den bemerkenswertesten Leistungen der gesamten Geschichte der Armee gehört.

Die zweite ukrainische Front unter dem Kommando von Marschall Rodion Malinowski ging zum Angriff über, und im Zentrum stieß eine bewegliche Gruppe unter General Issa Plijew tief in die deutsch-ungarische Front hinein. Dieser Vorstoß zielte darauf, die Verteidigung im Raum von Debrecen aufzureißen und den Weg in die ungarische Tiefebene zu öffnen. Fretter-Pico erkannte die Gefahr, aber auch die Gelegenheit, die in diesem tiefen und rasch vorgetragenen Vorstoß lag. Statt die Front überall zu verstärken, zog er die verfügbaren Panzerdivisionen zusammen, darunter die erste, die dreizehnte und die dreiundzwanzigste Panzerdivision sowie weitere bewegliche Verbände, und setzte sie zu einem konzentrierten Gegenstoß gegen die Flanken der vorgestoßenen sowjetischen Gruppe an.

Das Ergebnis war die Einkesselung und Zerschlagung von drei sowjetischen Korps, ein Erfolg, der in dieser Phase des Krieges außergewöhnlich war. Zur Taktik gehörten die Schaffung einer zeitweiligen Überlegenheit auf einem eng begrenzten Abschnitt, die Ausnutzung des durchschnittenen und für den Angreifer schwer überschaubaren Geländes sowie das eingespielte Zusammenwirken von Infanterie und Panzern. Warum gelang dieser Erfolg gerade hier und gerade jetzt? Die sowjetische Seite hatte das Tempo ihres eigenen Vorstoßes überschätzt und dabei ihre Verbindungen weit überdehnt, sodass die vorgestoßene Gruppe ihren rückwärtigen Kräften vorauseilte und ihre Flanken ungedeckt ließ.

Die deutsche Führung hatte trotz aller Verluste die Fähigkeit bewahrt, ihre beweglichen Kräfte auf der operativen Ebene rasch umzugruppieren und an der entscheidenden Stelle zu bündeln, und Fretter-Pico nutzte diese Fähigkeit mit gutem Blick für den richtigen Zeitpunkt. Doch bei aller Anerkennung ist es wichtig, diesen Erfolg ohne Verklärung zu betrachten. Der Erfolg von Debrecen war örtlich begrenzt und änderte an der Gesamtlage nichts, denn der allgemeine Rückzug setzte sich fort, und die Front in Ungarn wich unter dem anhaltenden sowjetischen Druck weiter zurück. Was der Gegenschlag erreichte, war ein Gewinn an Zeit und die Abwendung einer unmittelbaren Katastrophe, nicht aber eine Wende des Kriegsverlaufs.

Zudem war dieser Erfolg mit einer äußersten Anspannung der letzten Reserven erkauft, denn die Panzerverbände fehlten an anderen Abschnitten und waren nach der Schlacht abgekämpft und geschwächt. Ein taktischer Sieg, der die eigenen letzten Kräfte verzehrt, ist auf lange Sicht kein Gewinn, sondern eine weitere Stufe der Erschöpfung. Genau diese Doppelnatur kennzeichnete den Erfolg von Debrecen. Im Dezember ging das Kommando über die sechste Armee auf General Hermann Balck über, einen der erfahrensten Panzerführer der Wehrmacht.

Unter seiner Führung stand die Armee im Mittelpunkt der letzten großen Anstrengungen im Süden. Zu dieser Zeit war ein bedeutender Teil der deutschen und ungarischen Kräfte in Budapest eingeschlossen, und die deutsche Führung unternahm mehrere Versuche, den Ring um die Stadt aufzubrechen. Diese Entsatzversuche liefen unter der Bezeichnung der Operation Konrad und wurden in mehreren Anläufen ab Januar neunzehnhundertfünfundvierzig geführt. Es handelte sich um Panzerstöße, die auf engem Raum ansetzten und zunächst örtliche Erfolge erzielten, sich jedoch an der vorbereiteten sowjetischen Verteidigung, am Mangel an Treibstoff und am Fehlen jeder Deckung aus der Luft festliefen.

Die Verteidiger von Budapest konnten nicht entsetzt werden, und die Stadt fiel nach schweren Kämpfen. Damit war einer der wichtigsten Anker der deutschen Stellung in Ungarn verloren, und die Lage der sechsten Armee verschlechterte sich weiter. Im März folgte mit dem Unternehmen Frühlingserwachen der letzte große deutsche Angriff des gesamten Krieges. Er richtete sich gegen die sowjetischen Stellungen im Raum des Plattensees und sollte die dortigen Ölgebiete sichern und die Front wieder nach vorn tragen.

In den ersten Tagen erzielten die deutschen Verbände, unter denen sich starke Panzerkräfte befanden, einige örtliche Geländegewinne. Doch der Angriff blieb schon nach kurzer Zeit im aufgeweichten Boden, an der tief gestaffelten Verteidigung und am eigenen Mangel stecken. Was als letzter Vorstoß gedacht war, verkehrte sich rasch in einen Rückschlag, denn die sowjetische Seite ging ihrerseits zum Gegenangriff über und durchbrach die überdehnte deutsche Front. Die anschließende sowjetische Offensive auf Wien riss die Verbindung zwischen der sechsten Armee und ihren Nachbarn auseinander und drängte die deutschen Kräfte nach Westen zurück.

Die Armee wich nach Österreich aus, und am achten Mai endete ihr Weg mit der Kapitulation, die sie nicht vor den sowjetischen, sondern vor den amerikanischen Truppen vollzog. In dieser Schlussphase zeigte sich noch einmal ein zwiespältiges Bild, denn einzelne Verbände bewahrten bis zuletzt eine gewisse Gefechtskraft und einen inneren Zusammenhalt. Doch die strategische Lage war so hoffnungslos, dass jeder Widerstand nur noch den Zeitpunkt des Endes hinausschob und weitere Opfer forderte, ohne am Ausgang das Geringste zu ändern. Zieht man das Fazit, so überdauerten Name und Nummer der Armee Stalingrad um mehr als zwei Jahre und waren mit mehreren bemerkenswerten Ereignissen verbunden, von der Stabilisierung der Front am Mius im Sommer neunzehnhundertdreiundvierzig bis zur Einkesselung der sowjetischen beweglichen Gruppe bei Debrecen im Herbst neunzehnhundertvierundvierzig.

Diese Ereignisse zeigen, dass die Wehrmacht die Fähigkeit bewahrte, große Verbände rasch wieder aufzustellen und örtliche Gegenstöße zu führen, selbst unter den Bedingungen eines empfindlichen Mangels an allem, vom Treibstoff über die Luftwaffe bis zu den erfahrenen Führern. Doch keiner dieser Erfolge besaß strategischen Charakter. Sie ereigneten sich vor dem Hintergrund einer ununterbrochenen sowjetischen Offensive, einer wachsenden Überlegenheit der Roten Armee an Menschen, Technik und operativer Kunst sowie der harten Beschränkungen, welche die oberste Führung den Frontbefehlshabern auferlegte. Der Bündnischarakter der Verteidigung mit rumänischen und ungarischen Verbänden fügte eine zusätzliche Unbeständigkeit hinzu, die sich im August besonders verhängnisvoll auswirkte.

Am Ende ist die Geschichte dieser Armee die Geschichte einer allmählichen Erschöpfung und eines erzwungenen Rückzugs in einem Krieg, dessen strategische Grundlagen bereits im Jahr neunzehnhunderteinundvierzig gelegt worden waren. Das taktische Können einzelner Befehlshaber und Verbände konnte an einer Lage nichts ändern, die durch das allgemeine Ungleichgewicht der Mittel und durch politische Entscheidungen bestimmt war. Stalingrad wurde tatsächlich nicht zum buchstäblichen Ende der Nummer sechs, aber es wurde zu einem jener Wendepunkte, nach denen die Niederlage des Deutschen Reiches an der Ostfront nur noch eine Frage der Zeit war.