„Bäcker ist schwer verwundet. Ein Granatsplitter, der Leib aufgerissen.“ Der Leutnant, der uns durch so viele Gefechte geführt hatte, lag vor mir im Schlamm der Ukraine, und ich wusste, dass er es…

Das Jahr 44 fand uns in der weiten Ukraine, jenem fruchtbaren Land im Süden, das einst die Kornkammer des Reiches gewesen war und das nun zu einem einzigen brennenden Schlachtfeld geworden war. Wir bezogen eine neue Frontlinie, eine von vielen, die wir in jenem Jahr bezogen und wieder aufgeben sollten, denn der Rückzug ging weiter, unaufhaltsam. Jede neue Linie, die wir hielten, war nur ein kurzes Innehalten auf dem langen Weg nach Westen, ein Damm, den die Flut bald überspülen würde. Die Ukraine im Frühjahr jenes Jahres bot ein Bild des Jammers.

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Die Dörfer lagen niedergebrannt, teils von uns auf dem Rückzug, teils von den Russen beim Vormarsch, teils in den Kämpfen. Die Felder waren verwildert, die Menschen geflohen, verschleppt oder umgekommen. Über allem lag der Rauch der Brände und der Geruch des Todes. Ich hatte dieses Land im Vormarsch gesehen, in seiner Schönheit und seinem Reichtum, und ich sah es nun in seinem Untergang.

Es schmerzte mich, denn ich liebte dieses Land auf eine sonderbare Weise – seine Weite, seine Schwermut, seine Schönheit – und es schmerzte mich, es so zerstört zu sehen. Die Frontlinie, die wir bezogen, verlief durch ein Gebiet von sanften Hügeln und weiten Feldern. Wir gruben uns ein, wie wir es so oft getan hatten, in dem fruchtbaren schwarzen Boden der Ukraine, jener berühmten Schwarzerde, die so fett und nahrhaft war, dass man sagte, man brauche nur einen Stock in sie zu stecken und er schlage aus. Es war ein sonderbarer Gedanke: Wir hoben Gräben für den Tod ausgerechnet in jenem Boden aus, der geschaffen war für das Leben, für das Korn, für die Ernte.

Wir wussten, dass wir diese Linie nicht lange halten würden. Der Feind war übermächtig geworden, an Menschen, an Panzern, an Geschützen. Wir waren wenige, erschöpft, schlecht versorgt. Das Halten der Linie war nur ein Aufschub, ein Hinauszögern des Unvermeidlichen.

Und diese Gewissheit, dass aller Kampf vergeblich war, machte das Kämpfen noch schwerer, noch bitterer. Es ist eine furchtbare Sache, zu kämpfen und zu sterben für etwas, von dem man weiß, dass man es doch verlieren wird. In jenen Tagen erhielt unsere zusammengeschmolzene Truppe wieder einmal Ersatz. Doch es waren nicht mehr die rosigen, begeisterten Burschen der früheren Jahre.

Es waren teils sehr junge, fast kindliche Rekruten, halbe Kinder noch, die man aus der Heimat herangezogen hatte, weil die Männer ausgingen. Und teils ältere Männer, die man früher nicht eingezogen hätte und die nun, da die Not groß war, doch an die Front geschickt wurden. Diese Mischung aus halben Kindern und alten Männern zeigte mir deutlicher als alles andere, wie es um Deutschland stand. Die Substanz war verbraucht, man verheizte die letzten Reserven, die jüngsten und die ältesten.

Ich sah diese neuen Männer an, und mein Herz war schwer. Ich wusste, dass auch sie sterben würden, die meisten von ihnen, und dass ihr Sterben noch sinnloser war als das unsere, denn sie starben für einen Krieg, der längst verloren war. Ich fragte mich, welcher Wahnsinn diese Kinder und diese Greise noch in den Tod schickte, da doch alles entschieden war. Ich fand keine Antwort als den Wahnsinn selbst, den blinden, mörderischen Wahnsinn eines Krieges, der sich nicht beenden ließ, sondern weiter fraß, bis er alles verschlungen hatte.

Es geschah in jenen Tagen, dass wir auf unserem Rückzug durch ein Dorf kamen, das verlassen dalag, von seinen Bewohnern aufgegeben. Dieses verlassene Dorf prägte sich mir mit besonderer Eindringlichkeit ein, denn es war nicht zerstört, nicht niedergebrannt wie so viele andere. Es stand noch unversehrt, und gerade das machte seinen Anblick so gespenstisch, so beklemmend. Es war ein Dorf voller Häuser, in denen niemand mehr wohnte, voller Stuben, die noch eingerichtet waren, als seien die Menschen nur für einen Augenblick fortgegangen und kämen gleich zurück.

Doch sie waren fort für immer. Das Dorf lag da in einer toten Stille, in der nur der Wind durch die offenen Türen strich und die Läden klappern ließ. Wir bezogen Quartier in diesem verlassenen Dorf für eine Nacht. Ich erinnere mich, wie ich durch die leeren Häuser ging, durch die verlassenen Stuben, und wie mich ein Schauder überlief bei dem Anblick all dieser Spuren eines unterbrochenen Lebens.

Ein Tisch, auf dem noch das Geschirr stand. Ein Bett, das noch ungemacht war. Ein Spinnrad in der Ecke. Ein heiliges Bild an der Wand, vor dem das Öllämpchen erloschen war.

All diese Dinge, diese stummen Zeugen eines Lebens, das hier gewesen und nun ausgelöscht war, sprachen zu mir von dem Leid, das wir über dieses Land gebracht hatten. Von den Menschen, die fliehen mussten vor uns, vor dem Krieg, die ihre Heimat verließen, ihr Hab und Gut, alles, was ihnen lieb war, um irgendwohin zu fliehen ins Ungewisse, in ein Elend, das ich mir nicht auszumalen wagte. In einem der Häuser, dem größten und wohlhabendsten des Dorfes, fand ich in einer Stube eine Wand voller Fotografien. Gerahmte Bilder einer Familie über die Generationen hinweg.

Alte Großeltern in feierlicher Haltung. Ein Hochzeitspaar. Kinder in verschiedenen Lebensaltern. Ein junger Mann in Uniform, vermutlich ein Sohn, der in den Krieg gezogen war.

Ich stand vor dieser Wand und betrachtete diese Bilder, die Gesichter dieser fremden Menschen, die hier gelebt und geliebt und gelitten hatten. Es überkam mich eine tiefe Wehmut, eine schmerzhafte Verbundenheit mit diesen Unbekannten. Ihre Familie glich der meinen, glich allen Familien. Ich dachte an meine eigenen Eltern, an die Fotografien an unserer Wand zu Hause, und ich begriff, dass diese fremde Familie und die meine im Grunde dasselbe waren.

Wir waren alle Menschen mit denselben Bindungen, denselben Lieben, denselben Hoffnungen. Der Krieg hatte uns gegeneinander getrieben, uns, die wir doch im Grunde Brüder waren. Ich konnte mich lange nicht von diesen Bildern losreißen. Ehe ich ging, richtete ich das erloschene Öllämpchen vor dem heiligen Bild wieder auf, das umgefallen war.

Eine kleine, sinnlose Geste, ich weiß. Doch ich fühlte das Bedürfnis, etwas zu tun. Ein Zeichen des Respekts vor dem Leben, das hier gewesen war, vor den Menschen, die hier gewohnt hatten und die nun verschwunden waren in dem großen Strom der Flüchtlinge, der über die Straßen dieses geschundenen Landes zog. Die Nacht in jenem verlassenen Dorf war eine unruhige Nacht.

Die tote Stille, die Spuren des unterbrochenen Lebens, das Gefühl, in den Häusern fremder, vertriebener Menschen zu hausen – all das lastete auf mir und ließ mich nicht schlafen. Ich lag wach und lauschte dem Wind, der durch das leere Dorf strich. Ich dachte über vieles nach, über das Leid dieses Landes, über unsere Schuld, über das Sinnlose des Krieges. Es war, als sprächen die leeren Häuser zu mir, als klagten sie an.

Ich fühlte mich beschwert von einer Last, die nicht abzuschütteln war, der Last der Verantwortung für all das Leid, das wir gebracht hatten. Am Morgen, als wir aufbrachen und das verlassene Dorf hinter uns ließen, blickte ich noch einmal zurück auf die stillen Häuser, in denen wir eine Nacht gehaust hatten und die nun wieder leer waren, dem Verfall preisgegeben. Mir war, als nähme ich Abschied von etwas, von einer Welt, die zugrunde ging, von einem Leben, das wir zerstört hatten. Ich trug das Bild dieses verlassenen Dorfes mit mir fort als ein weiteres Bild des Krieges in der langen Galerie der Bilder, die sich in mir angesammelt hatten.

Ein Bild der stummen Anklage, das mich mahnte und nicht losließ. Der Feind ließ uns nicht lange Ruhe in unserer neuen Frontlinie. Er war nun zum Herrn der Lage geworden. Er bestimmte das Geschehen, griff an, wann und wo es ihm beliebte, mit einer Übermacht, der wir nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatten.

Der Angriff kam aus dem Osten, wie er immer kam. Zuerst ein Vernichtungsfeuer der Artillerie, das unsere Stellungen zerschlug, dann die Panzer und die Infanterie in Massen, die uns überrollten. Ich erlebte diesen Angriff als einen von vielen, doch er prägte sich mir ein, denn er war von einer besonderen Wucht, einer besonderen Erbarmungslosigkeit. Er kostete uns wieder viele Männer, darunter manchen der jungen Rekruten, die erst wenige Tage bei uns gewesen waren und die nun fielen, ehe sie noch recht begriffen hatten, was Krieg war.

Das Artilleriefeuer, das dem Angriff vorausging, war von einer Heftigkeit, wie ich sie nur selten erlebt hatte. Der Feind verfügte nun über eine Fülle von Geschützen und Munition, von der wir nur träumen konnten. Er deckte unsere Stellungen ein mit einem Hagel von Stahl, der die Erde umpflügte und alles Leben in ihr bedrohte. Ich lag in meinem Graben, das Gesicht in der schwarzen Schwarzerde, und über mir tobte das Inferno.

Ich betete und wartete, wie ich so oft gebetet und gewartet hatte, und ich dachte, dass diesmal vielleicht meine Stunde gekommen sei, dass diesmal die Granate, die mich suchte, mich finden würde. Doch ich überlebte das Feuer, wie ich es so oft überlebt hatte, durch jenen blinden Zufall, der über Leben und Tod entschied. Als das Feuer sich verlagerte und die Panzer kamen, erhoben wir uns aus den Trümmern unserer Stellungen, die wenigen, die noch lebten, und wir kämpften. Wir kämpften verzweifelt gegen die Übermacht.

Es war ein Kampf, den wir nicht gewinnen konnten, ein Kampf nur um Zeit, um einen geordneten Rückzug zu ermöglichen. Wir hielten, solange wir konnten, und wichen dann Schritt um Schritt, kämpfend, blutend. Erich Vogt, unser treuer MG-Schütze, tat in jenem Gefecht wieder, was er so oft getan hatte. Er hielt mit seinem Maschinengewehr die heranstürmende feindliche Infanterie auf, deckte unseren Rückzug, feuerte, bis das Wasser im Kühlmantel kochte, bis die Munition zur Neige ging.

Er war stets der Letzte, der wich, der die anderen vorgehen ließ und selbst die Nachhut bildete. Ich bewunderte seinen Mut, seine Verlässlichkeit, und ich sorgte mich um ihn, denn die Nachhut zu bilden war das Gefährlichste, was es gab. Ich fürchtete, ihn eines Tages zu verlieren, wie ich so viele verloren hatte. In jenem Gefecht aber traf nicht Vogt, sondern einen anderen aus unserem alten Kreis.

Leutnant Bäcker, unser Zugführer, der uns durch so viele Gefechte geführt hatte, wurde schwer verwundet. Ein Granatsplitter riss ihm den Leib auf. Er brach zusammen. Lindner war sogleich bei ihm, doch die Wunde war schwer, sehr schwer.

Ich half, Bäcker in Deckung zu bringen, half Lindner, ihn zu verbinden. Ich sah das Gesicht des Leutnants, von Schmerz verzerrt, und ich sah in seinen Augen das Wissen um den eigenen Zustand, denn er war ein erfahrener Mann und wusste, wie es um ihn stand. Wir konnten Bäcker zurückbringen, fort von der Front zum Verbandsplatz. Man flog ihn aus, hieß es, in ein Lazarett im Hinterland.

Ich erfuhr nie mit Gewissheit, ob er überlebte oder nicht, ob er durchkam oder seinen Wunden erlag. Diese Ungewissheit über sein Schicksal blieb eine von den vielen offenen Wunden, die der Krieg mir schlug. So verlor man im Krieg die Menschen. Nicht immer durch den sichtbaren Tod, sondern oft auch durch das bloße Verschwinden, durch das Auseinandergerissenwerden, durch das Nicht-mehr-Wissen, was aus einem geworden war.

Bäcker, den ich geachtet und gemocht hatte, der ein guter, fürsorglicher Offizier gewesen war, einer von den wenigen, die ihre Männer liebten, verschwand aus meinem Leben in jenem Gefecht in der Ukraine. Ich wusste nicht, ob ich ihn betrauern sollte oder ob er irgendwo fern von mir lebte. Auch dies, diese Ungewissheit, gehörte zu den Qualen des Krieges, die ich zu tragen hatte. Nach dem Verlust unserer Frontlinie und der Verwundung Bäckers begann ein Rückzug, der mir als einer der bittersten in der Erinnerung geblieben ist.

Er führte uns durch die brennende Ukraine, durch ein Land, das in Flammen stand. Es war, als zögen wir durch die Vorhöfe der Hölle, durch eine Landschaft des Untergangs, in der alles brannte: die Dörfer, die Felder, die Wälder. Der Himmel selbst schien zu glühen von den unzähligen Bränden. Der Rauch lag so dicht über dem Land, dass die Sonne nur als trübe rote Scheibe durch den Qualm zu erkennen war.

Ich dachte, dass dies das Ende der Welt sein müsse, das Bild der Apokalypse, von der die Bibel spricht, und dass wir mitten in ihr wanderten, geschlagene, fliehende Männer in einem brennenden Land. Wir zogen zurück, Tag und Nacht, denn der Feind drängte nach. Wir durften nicht rasten, durften nicht stehen bleiben, mussten weiter und immer weiter. Die Erschöpfung wuchs ins Unermessliche, und die Reihen lichteten sich.

Manche blieben zurück, erschöpft, verwundet, oder fielen in den Nachhutgefechten, die wir schlagen mussten, um den Feind aufzuhalten. Der Weg, den wir zogen, war gesäumt von den Spuren des Rückzugs: von liegen gebliebenem Gerät, von toten Pferden, von gefallenen Männern, von den Trümmern einer geschlagenen Armee. Auf den Straßen vermischte sich unser militärischer Rückzug mit dem Elend der fliehenden Zivilbevölkerung. Auch die Menschen flohen vor dem nahenden Feind, vor dem Krieg.

Die Straßen waren verstopft von Flüchtlingstrecks, von Wagen, hochbeladen mit Habe, gezogen von mageren Pferden oder Ochsen oder von den Menschen selbst. Alte Männer, Frauen und Kinder gingen zu Fuß mit ihrer letzten Habe auf dem Rücken. Dieses Bild des Elends, des Jammers, der entwurzelten, fliehenden Menschen mischte sich mit dem Bild unseres eigenen geschlagenen Rückzugs zu einem einzigen großen Bild des Untergangs. Ich begriff, dass der Krieg nun nicht mehr nur die Soldaten verschlang, sondern dass er übergriff auf die ganze Bevölkerung, auf die Unschuldigen.

Er wurde zu einem allgemeinen Untergang, in den alles hineingerissen wurde, was lebte. Ich sah Dinge auf jenem Rückzug, die ich nicht beschreiben will. Bilder des Leidens, die zu furchtbar sind, um sie in Worte zu fassen. Ich wandte oft den Blick ab und konnte ihn doch nicht abwenden, denn das Grauen war überall, und es gab kein Entrinnen vor ihm.

Doch mitten in diesem Untergang, in dieser Apokalypse, hielten wir zusammen, die wenigen, die uns geblieben waren. Otto und ich, Weiß und Lindner und Vogt. Dieser kleine Kreis, der allem zum Trotz noch bestand. Wir stützten einander, halfen einander, teilten, was wir hatten.

Ich begriff aufs Neue, dass diese Kameradschaft das Einzige war, was uns am Leben hielt, was uns Mensch bleiben ließ in dem allgemeinen Untergang. Ich klammerte mich an sie wie an einen letzten Halt. Eines Abends, nach einem langen Tag des Rückzugs, machten wir erschöpft Halt in einem halb zerstörten Gehöft. Der Himmel im Westen glühte rot von den Bränden.

Wir saßen beisammen, die fünf von uns, und teilten ein kärgliches Mahl. Keiner sprach viel, denn wir waren zu müde, zu erschöpft. Doch in der bloßen Gegenwart der anderen, in dem Wissen, dass wir noch zusammen waren, noch lebten, lag ein Trost. Ich blickte in die müden, ausgezehrten Gesichter meiner Kameraden, die der Schein des fernen Feuers rot färbte, und ich fühlte eine tiefe Liebe zu diesen Männern, mit denen ich so viel geteilt hatte.

Ich betete im Stillen, dass wir alle überleben würden, dass dieser kleine Kreis nicht zerbrechen würde, dass wir gemeinsam das Ende erreichen würden, gleich wie das Ende auch aussehen mochte. Ich wusste, dass dies meine einzige Hoffnung war, mein einziges Gebet. Und ich hielt daran fest in der brennenden Nacht, während um uns her ein Land und eine Welt zugrunde gingen. Februar 1944.

Die Ukraine brennt. Ich finde keine anderen Worte. Wir ziehen zurück durch ein Land, das in Flammen steht. Die Dörfer, die Felder, die Wälder, alles brennt.

Der Himmel glüht rot. Die Sonne ist nur eine trübe Scheibe im Rauch. Es ist wie das Ende der Welt, wie die Apokalypse, von der die Bibel spricht. Und wir wandern mitten hindurch, geschlagene, fliehende Männer.

Auf den Straßen vermischt sich unser Rückzug mit dem Elend der Flüchtlinge. Alte Männer, Frauen, Kinder mit ihrer letzten Habe auf dem Rücken oder auf hochbeladenen Wagen. Der Krieg verschlingt nicht mehr nur die Soldaten, er greift über auf alle. Ich habe Dinge gesehen, die ich nicht aufschreiben will.

Zu furchtbar. Bäcker ist schwer verwundet. Ein Granatsplitter, der Leib aufgerissen. Sie haben ihn ausgeflogen.

Ich weiß nicht, ob er überlebt. So verliert man die Menschen hier. Nicht immer durch den Tod, oft durch das bloße Verschwinden. Das Nicht-mehr-Wissen.

Er war ein guter Offizier, einer von den wenigen, die ihre Männer liebten. Aber wir halten zusammen, die fünf von uns. Otto, Weiß, Lindner, Vogt und ich. Dieser kleine Kreis besteht noch allem zum Trotz.

Gestern Abend saßen wir beisammen, teilten ein karges Mal im roten Schein der Brände. Keiner sprach viel, aber in der Gegenwart der anderen lag Trost. Ich bete, dass wir alle überleben, dass dieser Kreis nicht zerbricht. Es ist meine einzige Hoffnung.

Gott halte uns zusammen.