Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich in der Zeitung las, wie sie die Geschichte meines Großvaters erzählten – als wäre er ein Held gewesen. Wir saßen in der Küche meiner Mutter, es…

Dieser Beitrag behandelt keinen europäischen Freiwilligenverband, der angeblich die Zivilisation verteidigt hat. Es geht um einen konkreten Verband der Waffen-SS, um die fünfte SS-Panzerdivision namens Wiking. Sie wird hier so dargestellt, wie sie die überlieferten Quellen zeigen: als militärische Formation einer verbrecherischen Organisation, eingesetzt in einem Vernichtungskrieg im Osten Europas. Die Division entstand Ende 1940 und Anfang 1941.

Thumbnail

Nach den deutschen Siegen des Sommers 1940 nutzte Heinrich Himmler den militärischen Erfolg, um seine bewaffnete SS gegen den Widerstand des Heeres auszubauen. Dafür suchte er Rekrutierungsquellen außerhalb der deutschen Wehrpflicht. So wurde Wiking einer der ersten Verbände, in denen gezielt sogenannte germanische Freiwillige aus Nord- und Westeuropa aufgenommen wurden. Ab Ende Juni 1941 bis in den Mai 1945 verlief ihr Einsatzweg fast ausschließlich an der Ostfront: über die Ukraine, den Kaukasus, den Raum Charkow, Polen, Ungarn und schließlich Österreich.

Die Entscheidung zur Aufstellung fiel im Herbst 1940. Himmler ordnete an, eine weitere Division der Waffen-SS aufzustellen, in der neben Deutschen auch Freiwillige aus Ländern dienen sollten, die die nationalsozialistische Rassenlehre als germanisch einstufte. Zunächst trug der Verband den Namen des Regiments Germania, wurde jedoch im Januar 1941 in Wiking umbenannt. Der Name sollte den nordischen Charakter betonen und die Freiwilligen aus Skandinavien und den Niederlanden symbolisch einbinden.

Den Kern bildeten drei Regimenter. Germania bestand überwiegend aus Deutschen und kam aus der bereits bestehenden SS-Verfügungstruppe. Westland versammelte niederländische und flämische Freiwillige. Nordland nahm Dänen, Norweger und Schweden auf, dazu eine sehr kleine Zahl von Isländern.

Später kam ein finnisches Freiwilligenbataillon hinzu, das bis zum Frühsommer 1943 bei der Division blieb. Die Propaganda machte daraus einen europäischen Kreuzzug gegen den Bolschewismus. In Zeitungen und Wochenschauen erschien Wiking als Vorbote einer künftigen europäischen Ordnung. Die Wirklichkeit sah anders aus.

Schon im Sommer 1941 stellten Reichsdeutsche und Volksdeutsche die überwältigende Mehrheit der Division. Dieser Anteil stieg im Krieg weiter an und erreichte zeitweise über neunzig Prozent. Die ausländischen Freiwilligen waren nicht gleichmäßig verteilt, sondern in bestimmten Regimentern und Bataillonen konzentriert, wo sie sichtbar blieben und propagandistisch verwertet werden konnten. Zahlenmäßig blieben sie eine Minderheit, deren Gewicht in der Außendarstellung weit größer war als in der Truppe selbst.

Die Beweggründe der Freiwilligen waren unterschiedlich. Ein Teil kam aus überzeugtem Antikommunismus, geprägt durch politische Milieus, die die Sowjetunion als Hauptfeind betrachteten. Andere standen dem Nationalsozialismus ideologisch nahe, oft über einheimische faschistische Parteien und Jugendorganisationen. Wieder andere meldeten sich aus wirtschaftlicher Not, weil Arbeitslosigkeit oder fehlende Perspektiven den Sold attraktiv erscheinen ließen.

Bei manchen spielte die Vorstellung vom Abenteuer eine Rolle, verstärkt durch gezielte Werbung. In einzelnen Fällen kam Druck hinzu, etwa durch Kollaborationsorganisationen oder durch die Aussicht, sonst zur Zwangsarbeit herangezogen zu werden. Daraus ergab sich ein praktisches Problem. Männer aus mehreren Sprachräumen mussten zusammenarbeiten, während alle Befehle auf Deutsch gegeben wurden.

Sprachkurse und zweisprachige Unterführer sollten das ausgleichen. Doch Missverständnisse im Gefecht, Reibungen zwischen deutschen Ausbildern und ausländischen Rekruten sowie Beschwerden über Benachteiligung bei Beförderungen begleiteten die Division über Jahre. Kommandeur wurde Felix Steiner, ein Offizier des Ersten Weltkriegs. Sein Führungsstil setzte auf verhältnismäßig große Selbstständigkeit der unteren Führungsebenen.

Kompanie- und Zugführer sollten den Zweck eines Auftrags verstehen und im Gefecht selbstständig entscheiden, ohne auf Rückfragen zu warten. Diese Praxis entsprach dem, was später als Auftragstaktik bezeichnet wurde. Sie war keine Erfindung der Waffen-SS, sondern ein im deutschen Heer verbreitetes Prinzip, das Steiner konsequent umsetzte. Er legte Wert auf körperliche Härte, Sport, Geländeausbildung und das Zusammenwirken kleiner Kampfgruppen aus Infanterie, Pionieren und schweren Waffen.

Die Ausbildung fand vor allem auf dem Truppenübungsplatz Heuberg auf der Schwäbischen Alb statt. Der Ausbildungsstand lag über dem Durchschnitt neu aufgestellter Heeresverbände desselben Jahres, weil mehr Zeit und Munition zur Verfügung standen und weil ein Teil der Führer Erfahrung aus dem Westfeldzug mitbrachte. Einzigartig war dieser Stand nicht. Erfahrene Divisionen des Heeres hatten vergleichbare oder bessere Voraussetzungen, besonders im Zusammenwirken der Waffengattungen und in der Artillerieführung, wo Wiking noch deutliche Schwächen zeigte.

Beim Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion war Wiking eine motorisierte Division ohne eigenes Panzerregiment. Sie verfügte über drei motorisierte Infanterieregimenter, ein Artillerieregiment, eine Aufklärungsabteilung, eine Panzerjägerabteilung, eine Pionierabteilung und Nachrichteneinheiten, dazu eine Batterie Sturmgeschütze. Ihre Beweglichkeit beruhte auf Lastwagen, von denen viele aus Beutebeständen der Westfeldzüge stammten. Diese Typenmischung verursachte schon in den ersten Wochen erhebliche Ausfälle, weil die Straßenverhältnisse in der Ukraine mit denen in Frankreich nicht vergleichbar waren.

Der Einsatz begann mit Verzögerung. Während die Masse der deutschen Verbände am 22. Juni die Grenze überschritt, folgte Wiking erst Ende Juni und wurde der Heeresgruppe Süd unterstellt, im Verband der ersten Panzergruppe unter Ewald von Kleist. Der Vormarsch führte über Galizien und Wolhynien nach Osten.

Die Division kämpfte bei Tarnopol, marschierte in Richtung Schitomir und geriet in mehrere Gefechte mit sowjetischen Panzerverbänden. Im August folgte die Beteiligung an den Kämpfen um den Kessel von Uman, in dem zwei sowjetische Armeen eingeschlossen wurden. Anschließend stieß die Division zum Dnjepr vor. An der großen Kesselschlacht bei Kiew selbst war Wiking nicht unmittelbar beteiligt.

Ein Punkt, an dem populäre Darstellungen ihre Rolle regelmäßig vergrößern. Typisch für diese Wochen waren kleine, schnell zusammengestellte Kampfgruppen aus einem verstärkten Bataillon, einer Batterie und Pionieren, die dem zurückweichenden Gegner vorausfuhren, Straßenkreuzungen besetzten und Brücken vor der Sprengung zu nehmen versuchten. Gelang das, brach die Verteidigung eines Abschnitts zusammen. Scheiterte es, folgten stundenlange Gefechte um Flussübergänge, in denen Pioniere unter Feuer Behelfsbrücken bauen mussten.

Die Division legte Tagesmärsche von mehreren Dutzend Kilometern zurück, blieb dabei aber ständig von Treibstoff und Ersatzteilen abhängig. Ihre Marschkolonnen zogen sich so weit auseinander, dass die Führung zeitweise nur einen Teil ihrer eigenen Kräfte im Zugriff hatte. Im Spätsommer erreichte Wiking den Dnjepr und kämpfte verlustreich um den Brückenkopf bei Dnjepropetrowsk. Wochenlang ging es um Ortsteile, Höhen und Industrieanlagen unter ständigem sowjetischem Artilleriefeuer.

Statt Bewegung standen Stellungskampf, Nahkampf und Materialverbrauch im Vordergrund. Im Oktober folgte der Vorstoß in Richtung Rostow am Don. Die Stadt wurde Ende November genommen, konnte aber nach sowjetischen Gegenangriffen nicht gehalten werden. Die deutschen Verbände wichen auf die Linie am Fluss Mius zurück.

Es war der erste größere Rückzug dieses Frontabschnitts. Der Rückzug erfolgte bei einsetzendem Frost über verschlammte und dann gefrorene Wege unter Aufgabe beschädigter Fahrzeuge und schwerer Waffen. Der taktische Befund für das erste Halbjahr ist eindeutig. Wiking arbeitete in der Bewegungsphase erfolgreich, weil die Division voll motorisiert war, die untere Führung selbstständig handelte und Infanterie, Pioniere und Artillerie eingespielt waren.

Vor allem aber litt die sowjetische Seite in dieser Phase unter zerstörter Führungsstruktur und unterbrochenen Nachrichtenverbindungen, sodass Gegenangriffe häufig unkoordiniert erfolgten. Sobald sich die Lage stabilisierte, wie am Dnjepr oder bei Rostow, verschwand dieser Vorteil und die Verluste stiegen. Die Erfolge waren situationsabhängig, nicht Ausdruck besonderer Qualität. Benachbarte Divisionen des Heeres erreichten in denselben Wochen ähnliche oder größere Fortschritte, teilweise mit geringeren Verlusten.

Parallel dazu ist ein zweiter Befund festzuhalten. Bereits im Juli waren Angehörige der Division an Massenmorden beteiligt. Im Raum Lemberg und Slozkow wirkten rückwärtige Einheiten an Erschießungen jüdischer Männer mit, teils gemeinsam mit anderen deutschen Formationen. Ein norwegischer Freiwilliger schilderte später, wie Menschen in einer Kirche zusammengetrieben und verbrannt wurden.

Hinzu kamen Erschießungen von Zivilisten, die als verdächtig galten, sowie die Ermordung von Kriegsgefangenen. Diese Taten waren keine Ausnahmen einzelner Männer, sondern Bestandteil einer Kriegführung, die auf Vernichtung angelegt war. Der Rahmen war vorgegeben: der Befehl, politische Offiziere der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, die Gerichtsbarkeitsregelung, die Straftaten deutscher Soldaten gegen die Zivilbevölkerung straflos stellte, und die Zusammenarbeit mit den Einsatzgruppen im rückwärtigen Gebiet. Der Winter 1941 auf 1942 brachte eine neue Erfahrung.

An der Miusstellung kämpfte die Division in gefrorenen Gräben bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, mit unzureichender Winterbekleidung und Fahrzeugen, die in der Kälte ausfielen. Der Bewegungskrieg war beendet. An seine Stelle trat ein zermürbender Abwehrkampf. Im Februar wurde eine Kampfgruppe der Division bei der sowjetischen Offensive bei Isjum weitgehend aufgerieben.

Die Ursachen lagen nicht im Verhalten einzelner Männer, sondern in der Lage: zu breite Abschnitte, zu wenige Reserven, unzureichende Aufklärung und eine Artillerie, die wegen Munitionsmangels nicht dauerhaft unterstützen konnte. Krankheiten, Erfrierungen und Erschöpfung schwächten die Kompanien oft stärker als das unmittelbare Feuer. Von einer Sonderstellung als Eliteverband konnte keine Rede sein. Die hohe Motivation eines Teils der ausländischen Freiwilligen und die gute Grundausbildung glichen fehlende Erfahrung im langen Stellungskrieg nicht aus.

Der Ersatz kam zunehmend aus deutschen Quellen, was den ausländischen Anteil weiter verringerte. Im Frühjahr und Sommer sollte die Division eine eigene Panzerabteilung erhalten. Mit dieser Verstärkung ging sie in die große Sommeroffensive, die sie in den Kaukasus führen würde. Die Aufstellung der Panzerabteilung unter Johannes Mühlenkamp veränderte den Charakter des Verbands.

Zunächst aus einer Mischung mittlerer Kampfwagen und Beutefahrzeuge bestehend, später aus Panzerkampfwagen der vierten Baureihe mit langer Kanone, besaß Wiking damit erstmals eine gepanzerte Angriffsspitze, die nicht bei anderen Divisionen angefordert werden musste. Formal wurde die Division im Herbst als Panzergrenadierdivision geführt, im Herbst 1943 schließlich als Panzerdivision. Diese Bezeichnungen beschrieben allerdings eher die angestrebte Struktur als die tatsächliche Stärke, denn die Zahl einsatzbereiter Kampfwagen lag über weite Strecken deutlich unter dem Sollbestand. Mit der Sommeroffensive begann der Vormarsch in den Süden.

Die Division überschritt den Don bei Rostow, drang in die Steppe des Kubangebiets vor und beteiligte sich an der Einnahme des Ölzentrums Maikop im August. Anschließend führte der Weg in das Vorgebirge des Kaukasus, in Gelände aus Flusstälern, Waldrücken und wenigen Straßen, das die Vorteile einer motorisierten Truppe erheblich verringerte. Im Herbst kämpfte Wiking im Raum Malgobek und versuchte, Richtung Grosny und Ordschonikidse durchzubrechen. Diese Angriffe blieben stecken.

Die Kämpfe um Malgobek gehören zu den verlustreichsten Abschnitten der Divisionsgeschichte. Es ging um eine Kette bewaldeter Höhenrücken vor den Ölfeldern, die von sowjetischen Truppen ausgebaut und mit eingegrabenen Panzern verteidigt wurden. Höhen wechselten mehrfach den Besitzer, ganze Kompanien wurden aufgerieben, und der Geländegewinn stand in keinem Verhältnis zum Aufwand. Der Vormarsch war zunächst gelungen, weil auf weiten Abschnitten nur schwacher Widerstand stand und die sowjetische Führung Raum gegen Zeit tauschte.

Der Stillstand hatte ebenso konkrete Ursachen. Die Nachschublinien reichten über Hunderte Kilometer, Treibstoff musste über improvisierte Kolonnen herangeschafft werden, und die Heeresgruppe verfügte über keine Reserven, weil die Masse der Kräfte bei Stalingrad gebunden war. Die Kämpfe im Kaukasus zeigten die Grenzen dieser Division. Sie konnte in offenem Gelände schnell operieren, verlor diesen Vorteil aber dort, wo Gelände, Befestigungen oder Materialüberlegenheit den Bewegungskrieg ausschlossen.

Als im November die sowjetische Gegenoffensive bei Stalingrad die sechste Armee einschloss, war die gesamte Südflanke gefährdet. Die im Kaukasus stehenden Verbände mussten zurückgenommen werden. Für Wiking begann ein monatelanger Rückzug über dieselben Strecken, die im Sommer gewonnen worden waren, bei Schnee, Frost und ständigem Druck nachdrängender sowjetischer Verbände. Von den Zielen des Kaukasusfeldzugs, den Ölfeldern, den Pässen und der Zerschlagung der sowjetischen Kräfte, wurde keines erreicht.

Im Winter übernahm die Division Deckungsaufgaben, sicherte den Rückzug der ersten Panzerarmee und führte schwere Verzögerungsgefechte. Die Panzerabteilung wurde meist in kleinen Gruppen eingesetzt, weil geschlossene Verwendung am fehlenden Treibstoff scheiterte. Ausgefallene Fahrzeuge mussten häufig gesprengt werden, weil Zugmittel zum Abschleppen fehlten. Im Februar und März folgte die Beteiligung an Erich von Mansteins Gegenschlag zwischen Donez und Dnjepr, der zur Rückeroberung von Charkow führte.

Wiking war an der Zerschlagung der Gruppe Popow beteiligt, deren Panzerverbände nach langem Vormarsch ohne Treibstoff und ohne gesicherte Flanken standen. Entscheidend war dabei nicht Tapferkeit, sondern der Zustand der sowjetischen Verbände am Ende ihrer Nachschublinien und die Fähigkeit der deutschen Führung, mehrere Panzerdivisionen an einer Stelle zusammenzufassen. Es handelte sich nicht um eine Wende, sondern um eine örtliche Stabilisierung. Wie in deutschen Stäben üblich, wurde Wiking als Feuerwehr eingesetzt, dorthin verlegt, wo eine Front zu brechen drohte.

Damit wuchsen die Abhängigkeiten vom Nachschub und vom Zustand der Nachbarverbände. Im Frühjahr wechselte die Führung. Felix Steiner gab die Division ab, um ein neues Korps aufzustellen. Sein Nachfolger wurde Herbert Otto Gille.

Während der Offensive gegen den Frontbogen bei Kursk im Juli stand Wiking zunächst in Reserve und griff nicht in die Anfangskämpfe ein. Nach dem Scheitern des Unternehmens wurde sie in Abwehrschlachten geworfen, kämpfte an der Miusfront und anschließend bei Bogoduchow, wo sowjetische Panzerverbände massiert angriffen. Örtliche Erfolge waren weiterhin möglich, weil die Division im Gegenstoß geübt war. Sie hatten jedoch keine operative Wirkung mehr, weil der Gegner an mehreren Stellen gleichzeitig angriff.

Charkow ging im August endgültig verloren. Danach folgte der Rückzug über die Steppe an den Dnjepr, verbunden mit systematischer Zerstörung von Ortschaften, Vorräten und Anlagen. Die Praxis der verbrannten Erde war befohlen. Die Frontverbände waren an ihrer Durchführung unmittelbar beteiligt.

In dieselbe Zeit fiel eine bedeutende Umgliederung. Das Regiment Nordland wurde herausgelöst, um eine neue Division gleichen Namens aufzustellen. Als Ersatz kam ein estnisches Bataillon namens Narwa hinzu, das rasch schwere Verluste erlitt. Himmler betrieb den Ausbau seines Apparats weiter, auch als die vorhandenen Divisionen längst nicht mehr aufgefüllt werden konnten.

Die Division trug Spuren chronischer Unterbesetzung. Bataillone führten die Stärke von Kompanien. Der ausländische Anteil verschob sich. Niederländer und Flamen wurden abgegeben, Skandinavier wanderten zur neuen Division Nordland ab.

Dafür kamen Volksdeutsche aus Südosteuropa, von denen viele nicht freiwillig gekommen waren und deren Deutschkenntnisse gering waren. Im November führten SS und Polizei im Distrikt Lublin unter der Tarnbezeichnung Erntefest die Erschießung von mehreren Zehntausend jüdischen Zwangsarbeitern in den Lagern um Majdanek, Trawniki und Poniatowa durch. Es handelte sich um eine der größten einzelnen Mordaktionen des Krieges. Zu den herangezogenen Formationen zählten nach den überlieferten Aufstellungen auch Teile aus dem Bereich der Division Wiking.

Frontverbände der Waffen-SS wurden für solche Aufgaben herangezogen, weil sie zur selben Organisation gehörten und dieselbe ideologische Schulung durchlaufen hatten. Das Jahr 1944 begann mit einer Katastrophe. Ende Januar durchbrachen sowjetische Verbände die Front westlich des Dnjepr und schlossen im Raum Korsun mehrere deutsche Divisionen ein. Wiking befand sich im Kessel und war dort der einzige Verband mit gepanzerten Kräften.

Zusätzlich unterstand ihr die belgische Freiwilligenbrigade Wallonien. Die eingeschlossenen Kräfte umfassten mehrere Zehntausend Mann, deren Versorgung ausschließlich über den Luftweg lief. Die Lage verschlechterte sich täglich, Munition und Treibstoff wurden knapp. Ein Entsatzangriff von außen kam nicht heran und blieb mehrere Kilometer vor dem Kesselrand liegen.

Mitte Februar entschied die Führung den Ausbruch. Der Angriff wurde bei Nacht geführt, mit den letzten fahrbereiten Panzern an der Spitze, ohne wirksame Artillerieunterstützung, über offenes verschneites Gelände. Wer den Ring durchstieß, musste anschließend einen eiskalten Fluss durchqueren. Ein Teil der Eingeschlossenen erreichte die deutschen Linien.

Der Preis war katastrophal. Sämtliche Panzer, die gesamte Artillerie und praktisch der ganze Fahrzeugbestand blieben zurück. Die Division verließ den Kessel als Ansammlung erschöpfter Männer ohne schwere Waffen, faktisch als Kader, der von Grund auf neu aufgestellt werden musste. Für die Zivilbevölkerung bedeutete diese Schlacht zerstörte Dörfer, requirierte Vorräte und erschossene Einwohner.

In den Nachkriegserinnerungen erscheinen diese Wochen fast ausschließlich als Leidensgeschichte der eigenen Truppe, während die Lage der Menschen, in deren Land gekämpft wurde, kaum vorkommt. Diese Verschiebung der Perspektive prägt bis heute einen Teil der populären Darstellungen. Bereits im Frühjahr wurde der wieder aufgestellte Verband erneut an die Front geworfen. Im Raum Kowel war eine deutsche Besatzung eingeschlossen worden, und Teile der Division beteiligten sich an ihrer Befreiung.

Im Sommer folgten Kämpfe bei Maziejow, wo die Panzerabteilung eine größere Zahl sowjetischer Panzer ausschaltete. Solche Gefechte änderten nichts an der Gesamtlage. Die sowjetische Sommeroffensive zerschlug die Heeresgruppe Mitte, und die Front verschob sich innerhalb weniger Wochen um Hunderte Kilometer nach Westen. Im Spätsommer kämpfte Wiking im Vorfeld von Warschau.

Gemeinsam mit der Division Totenkopf und dem Verband Hermann Göring wurde sie gegen vorstoßende sowjetische Panzerverbände eingesetzt. Diese Kämpfe verzögerten den sowjetischen Vorstoß. Sie fielen zeitlich mit dem Aufstand der polnischen Heimatarmee zusammen, der von deutschen Kräften niedergeschlagen wurde. Die Massenmorde an der Warschauer Zivilbevölkerung, besonders im Stadtteil Wola, gingen vor allem auf besonders herangezogene Einheiten und Polizeiverbände zurück.

Die kämpfenden Verbände sicherten jedoch den Rahmen, in dem die Niederschlagung des Aufstands erfolgte. Ende des Jahres wurde die Division nach Ungarn verlegt. Budapest war eingeschlossen. Die Führung unternahm mehrere Entsatzversuche unter der Bezeichnung Konrad.

Der dritte Angriff kam bis auf wenige Kilometer an die eingeschlossenen Kräfte heran, ehe er unter sowjetischen Gegenangriffen zusammenbrach. Diese Wochen kosteten die Division Tausende Männer und den größten Teil ihrer Panzer. Budapest fiel im Februar. Die Entsatzversuche zeigen den Zustand der deutschen Kriegführung.

Sie wurden auf schmalen Abschnitten geführt mit Verbänden, die unmittelbar aus anderen Frontabschnitten herangefahren worden waren. Aufklärung, Artillerie und Nachschub waren improvisiert. Örtlich gelang tiefes Eindringen, doch sobald die Flanken freilagen und sowjetische Reserven herangeführt wurden, mussten die Räume wieder aufgegeben werden. Im März folgte mit dem Unternehmen Frühlingserwachen der letzte große deutsche Angriff des Krieges.

Ziel war es, die Ölfelder im westungarischen Raum zu sichern. Der Angriff begann bei Tauwetter. Die schweren Fahrzeuge sanken im aufgeweichten Boden ein, die Aufklärung hatte die sowjetische Verteidigungstiefe unterschätzt, und der Treibstoff reichte nicht aus. Nach wenigen Tagen war das Unternehmen gescheitert.

Unmittelbar danach begann die sowjetische Gegenoffensive. Wiking zog sich über Westungarn nach Österreich zurück, in einem Zustand, der mit dem Begriff Division kaum noch zu beschreiben war: wenige einsatzbereite Fahrzeuge, Bataillone in Kompaniestärke, Versorgung nur aus dem, was unterwegs aufgetrieben wurde. Gleichzeitig wurden jüdische Zwangsarbeiter auf Todesmärschen nach Westen getrieben. Die letzten Kriegswochen waren damit bis zum Schluss von Gefechten und Verbrechen geprägt.

Am 9. Mai endete der Weg des Verbandes mit der Kapitulation gegenüber amerikanischen Truppen in Österreich. Der Marsch nach Westen folgte der Überlegung, dass amerikanische Gefangenschaft weniger gefährlich war als sowjetische. Ein Teil der Angehörigen wurde später an die Sowjetunion übergeben.

Die juristische Aufarbeitung blieb lückenhaft. Die Waffen-SS wurde in Nürnberg als verbrecherische Organisation eingestuft, doch die meisten Angehörigen der Division kehrten nach einigen Jahren Gefangenschaft ins zivile Leben zurück, ohne für konkrete Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ehemalige organisierten sich in Traditionsverbänden und verbreiteten das Bild einer rein soldatischen Truppe, die mit den Verbrechen nichts zu tun gehabt habe. Diese Darstellung prägte über Jahrzehnte die populäre Literatur, obwohl die Aktenlage sie nicht stützt.

Über die Gesamtverluste der Division liegen keine vollständigen Zahlen vor. Allein die Kämpfe des Januars kosteten mehrere Tausend Mann, und der gesamte Bestand an Panzern und Geschützen ging im Krieg mehrfach vollständig verloren, im Kessel von Korsun ebenso wie in Ungarn. Die Kommandeure, von Felix Steiner über Herbert Otto Gille und Johannes Mühlenkamp bis zu Karl Ulrich, waren keine bloßen Fachleute. Sie gehörten zum Kern einer politischen Organisation, hatten deren Ausbildungsgang durchlaufen und führten ihre Verbände in einem Krieg, dessen Zweck und Methoden ihnen bekannt waren.

Die Division Wiking legte einen Weg zurück, der von einem motorisierten Verband des Jahres 1941 zu einer Panzerdivision führte, die bis 1945 mehrfach praktisch aufhörte, als vollwertige Kampfeinheit zu bestehen. Ihre ausländischen Freiwilligen waren eine reale Erscheinung, doch sie bildeten zu keinem Zeitpunkt jene europäische Armee, von der die Propaganda sprach. Die Entscheidungen ihrer Kommandeure und die Ausbildung ermöglichten örtliche Erfolge in den Bewegungsgefechten von 1941 bis 1943. Dieselben Faktoren konnten die grundlegenden Probleme nicht ausgleichen: den chronischen Mangel an Menschen und Material, die wachsende sowjetische Überlegenheit und den Charakter dieses Krieges selbst.

Wiking kämpfte innerhalb einer Politik der Vernichtung. Die Massenerschießungen von Zivilisten und Kriegsgefangenen, die Beteiligung an Mordaktionen und die Zerstörungen beim Rückzug gehören zu dieser Geschichte ebenso wie die Gefechte. Sie waren keine Ausrutscher einzelner Männer, sondern Bestandteil des Auftrags, in dem dieser Verband stand. Der Weg der Division endete mit der Kapitulation im Mai 1945.

Was bleibt, ist die konkrete Geschichte eines Verbandes der Waffen-SS an der Ostfront mit seinen Gefechten, seinen Verlusten und seinen Verbrechen.