Ich stand in der Küche meiner Großmutter, als sie mir die Schachtel reichte. “Das haben wir nie jemandem gezeigt”, sagte sie leise. Der Duft von altem Papier stieg mir in die Nase, und ich spürte,…

Die Geschichte der Generäle der Wehrmacht ist keine Geschichte vom Rand des nationalsozialistischen Staates, sondern eine Geschichte aus seinem Inneren. Wer den Alltag dieser Männer betrachtet, ihre Stäbe, ihre Privilegien, ihre Routine aus Lagebesprechungen und Inspektionen, der blickt zugleich auf die Funktionsweise einer Kriegsmaschine, die für Eroberung, Ausbeutung und Vernichtung gebaut worden war. Das tägliche Dasein der höchsten militärischen Führung wirkt wie ein Spiegel des Regimes, dem sie diente. Komfort und Status an der Spitze des Heeres waren nicht von den politischen Entscheidungen des Regimes getrennt, sondern an sie gebunden.

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Und genau das macht den Blick auf ihren Lebensstil so aufschlussreich. Die Wehrmacht entstand als bewaffnete Macht eines totalitären Deutschlands, geschaffen, um eine aggressive Politik der Eroberung und einen rassistisch begründeten Krieg in die Tat umzusetzen. Viele ihrer Generäle stammten aus dem traditionellen preußischen Offizierskorps mit dessen Standesbewusstsein, dessen Disziplin und dessen Vorstellung von soldatischer Ehre. Doch im Jahr 1934 leisteten sie einen persönlichen Eid auf Adolf Hitler und banden sich damit unmittelbar an den Diktator und an seine Ziele.

Dieser Schritt verband das Schicksal des Offizierskorps mit dem Schicksal einer Diktatur, die von Beginn an auf Expansion und Gewalt ausgerichtet war. Die Vorgeschichte beginnt bei der Reichswehr der Weimarer Republik, jenem verkleinerten Heer, das der Vertrag von Versailles aus dem Jahr 1919 auf 100. 000 Mann begrenzte. Diese Beschränkung empfanden viele Offiziere als nationale Demütigung, als eine Fessel, die man bei der ersten Gelegenheit abzustreifen gedachte.

Schon in den Jahren der Republik betrieb die militärische Führung eine heimliche Aufrüstung, umging die Bestimmungen des Vertrags und bereitete im Verborgenen die künftige Stärke vor. Als Adolf Hitler im Jahr 1933 an die Macht kam, versprach er der Generalität genau das, wonach sie sich sehnte. Er kündigte eine massive Wiederbewaffnung an, die Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht und die Aufhebung der Versailler Schranken. Für die militärische Elite eröffneten sich damit neue Möglichkeiten der Karriere, des Aufstiegs und des Einflusses, dazu Ressourcen und ein Ansehen, das in den Jahren der Republik undenkbar gewesen war.

Die Versuchung war groß, und sie wurde angenommen. Die heimliche Aufrüstung der Weimarer Jahre trug bereits die Handschrift jener Männer, die später zur Spitze der Wehrmacht aufstiegen. Unter der Führung von Generälen wie Hans von Seeckt hatte die Reichswehr ein Gerüst geschaffen, das auf rasche Vergrößerung ausgelegt war, ein Heer aus Führern, in dem jeder Unteroffizier die Aufgabe eines Offiziers und jeder Offizier die eines höheren Dienstgrades übernehmen konnte. Im Verborgenen wurden Panzer und Flugzeuge erprobt, teils auf entlegenen Übungsplätzen in der Sowjetunion, mit der das Reich in jenen Jahren heimlich zusammenarbeitete.

Auf diesem Fundament konnte Hitler aufbauen, als er die Wiederbewaffnung offen betrieb und die allgemeine Wehrpflicht zurückbrachte. Die Generäle erhielten neue Verbände, neue Waffen und einen Aufstieg, den der enge Rahmen der Republik niemals erlaubt hätte. So entstand ein stilles Einvernehmen zwischen der militärischen Elite und dem Regime, das auf gemeinsamen Interessen beruhte, lange bevor von einem persönlichen Eid überhaupt die Rede war. Wer in diesen Jahren Karriere machte, verdankte seinen Aufstieg einer Politik, die von Anfang an auf einen großen Krieg zielte.

Der entscheidende Moment kam mit dem Eid vom 2. August 1934. An diesem Tag, unmittelbar nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, schworen die Soldaten und Offiziere nicht mehr auf die Verfassung und nicht mehr auf das Vaterland im abstrakten Sinne, sondern auf die Person Adolf Hitlers. Aus einer Treue zum Staat wurde eine Treue zum Führer.

Aus einer rechtlichen Bindung eine persönliche Gefolgschaft. Für viele Offiziere war dies eine pragmatische Entscheidung, die sich aus nüchternen Erwägungen speiste. Sie sahen Stabilität nach Jahren des politischen Chaos. Sie sahen die ersehnte Remilitarisierung, und sie teilten mit dem Regime einen tiefen Antikommunismus.

Doch dieser pragmatische Schritt hatte eine weitreichende Folge, denn er machte das Offizierskorps zu einem Bestandteil des nationalsozialistischen Machtapparats. Wer dem Führer persönlich verpflichtet war, konnte sich später nur schwer auf die Trennung von militärischer Pflicht und politischem Verbrechen berufen. Die Bindung war geknüpft, lange bevor der erste Schuss fiel. Wie weit die Unterordnung unter den Führer reichte, zeigte sich im Jahr 1938.

In einer Folge von Intrigen wurden der Kriegsminister Werner von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres Werner von Fritsch durch erfundene oder aufgebauschte Vorwürfe gestürzt. Hitler nutzte die Gelegenheit, um die Führung des Militärs unmittelbar in die eigene Hand zu nehmen. Er schuf das Oberkommando der Wehrmacht als ein ihm ergebenes Instrument und setzte gefügige Männer an die Spitze. Das traditionelle Offizierskorps, das sich gern als eigenständige Macht im Staat verstanden hatte, verlor damit den Rest seiner politischen Unabhängigkeit.

Wer aufbegehrte, wurde entfernt, und wer sich fügte, behielt seinen Rang und seine Aussichten. Die Lehre dieser Krise war eindeutig, denn sie zeigte, dass das Regime keine Mitsprache, sondern Gehorsam erwartete. Die große Mehrheit der Generäle entschied sich für den Gehorsam und für die Karriere. Damit war der Weg in die Mittäterschaft schon vorgezeichnet, ehe der Krieg begann.

Mit dem Überfall auf Polen im Jahr 1939 begann die Reihe der Feldzüge, in denen sich die Generäle als Planer und Vollstrecker bewährten. Befehlshaber wie Gerd von Rundstedt und Stabsoffiziere wie Erich von Manstein, der als Chef des Stabes einer Heeresgruppe wirkte, entwarfen und führten die Operationen, die Polen in wenigen Wochen niederwarfen. Während die Truppen vorrückten, folgten in ihrem Rücken die Einsatzgruppen, jene mobilen Mordkommandos, die gezielt polnische Eliten, Geistliche und Juden verfolgten und erschossen. Die militärische Führung wusste von diesen Taten, und sie leistete in vielen Fällen Unterstützung.

Konkret bedeutete das die Bereitstellung von Logistik, die Absperrung ganzer Gebiete und eine duldende Haltung gegenüber den Erschießungen, die in der Etappe stattfanden. Es gab Offiziere, die sich an einzelnen Exzessen stießen, doch das System als solches wurde getragen und nicht gebrochen. Schon der erste Feldzug zeigte das Muster, das sich später ins Ungeheure steigern sollte. Der militärische Erfolg an der Front und der Terror im Hinterland waren nicht zwei getrennte Welten, sondern Teile desselben Vorgehens.

Der Oberbefehlshaber des Heeres Walter von Brauchitsch und der Generalstabschef Franz Halder trugen die oberste Verantwortung für die Planung des Feldzugs, und unter ihnen ordnete sich die gesamte Befehlskette dem Ziel einer raschen Zerschlagung Polens unter. Die Propaganda des Regimes stilisierte den Überfall zu einem Verteidigungskrieg und nutzte angebliche Übergriffe gegen die deutsche Minderheit, um die eigene Gewalt zu rechtfertigen. In Wirklichkeit war es ein Angriffskrieg, der von Beginn an mit besonderer Härte gegen die polnische Bevölkerung geführt wurde. Die militärische Führung erließ Anordnungen, die ein scharfes Vorgehen gegen alles ermöglichten, was als Widerstand gedeutet werden konnte, und sie überließ den Sicherheitskräften des Regimes weite Felder der Verfolgung.

Geistliche, Lehrer, Gutsbesitzer und vor allem die jüdische Bevölkerung wurden zu Opfern eines Programms, das die polnische Führungsschicht auslöschen sollte. Schon in diesem ersten Feldzug verschwammen die Grenzen zwischen Kriegführung und Verbrechen. Und die Generäle, die ihre Operationen mit Stolz auf ihre fachliche Leistung führten, taten dies in voller Kenntnis dessen, was sich im Rücken der Front abspielte. Mit dem Westfeldzug im Jahr 1940 veränderte sich der Alltag der Generäle auf eine Weise, die ihren Lebensstil deutlich macht.

Die Stäbe richteten sich in requirierten Schlössern, Landhäusern und Palästen ein, in denen Raum, Wärme und eine gewisse Vornehmheit selbstverständlich waren. Die Verpflegung verbesserte sich spürbar. Wein aus den eroberten Gebieten stand zur Verfügung, und für den persönlichen Gebrauch dienten Wagen der Marken Horch und Mercedes. Ein Stab von Adjutanten, Ordonnanzen und Fernsprechern hielt den Betrieb am Laufen und nahm den Befehlshabern die alltäglichen Mühen ab.

Der Kontrast zu den Bedingungen der einfachen Soldaten war groß, denn während diese in Quartieren und Stellungen lebten, arbeiteten die Generäle in einer Umgebung, die an einen bürgerlichen Haushalt gehobener Art erinnerte. Diese Organisation der Stabsarbeit hatte tiefe Wurzeln. Die preußisch-deutsche Tradition des Generalstabs und das Prinzip der Auftragstaktik, das den unteren Führern auf taktischer Ebene Selbstständigkeit zugestand, erlaubten es der Spitze, sich ganz auf die großen Linien der Operationen zu konzentrieren. So konnten die Befehlshaber im Krieg planen und führen, ohne den unmittelbaren Schrecken des Gefechts zu teilen.

Der rasche Sieg über Frankreich im Sommer 1940 hob das Ansehen der Generalität auf einen Gipfel. Hitler belohnte den Erfolg, indem er an einem einzigen Tag zwölf Generäle in den Rang von Generalfeldmarschällen erhob und ihnen damit die höchste militärische Würde verlieh. Diese Beförderungen banden die Geehrten noch enger an den Führer, denn der Aufstieg verdankte sich allein seiner Gunst. Mit den hohen Rängen wuchsen die Bezüge, die Anwesen und die Stäbe, und der Lebensstil der höchsten Führer näherte sich dem einer neuen militärischen Aristokratie, die ihren Glanz dem Diktator schuldete.

Zugleich verfestigte der Triumph im Westen die Überzeugung, dass das deutsche Heer jeder Aufgabe gewachsen sei, und erschuf jene Stimmung der Zuversicht, in der die Planung des Ostfeldzugs voranschritt. Der Erfolg verdeckte, wie sehr die Geschlossenheit der Führung bereits von der Bindung an einen Diktator abhing, dessen nächste Ziele weit über einen herkömmlichen Krieg hinausreichten und in einen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion mündeten. Der Übergang vom Westen in den Osten war kein bloßer Wechsel des Schauplatzes, sondern der Eintritt in einen Krieg von anderer Art. Im Jahr 1941 fanden sich die Generäle in einem Feldzug wieder, der von Anfang an als Krieg der Vernichtung geplant war.

Gerd von Rundstedt führte die Heeresgruppe Süd, und Erich von Manstein übernahm im Herbst den Befehl über die Elfte Armee, die im südlichen Abschnitt und auf der Krim eingesetzt wurde. Die Organisation des Stabslebens entfaltete sich nun in voller Breite. Es gab bewegliche und ortsfeste Befehlsstellen, die in requirierten Gebäuden, in Gutshäusern und Palästen, manchmal auch in Bunkern eingerichtet wurden. Dutzende von Stabsoffizieren, Fernsprechern, Kartographen und Adjutanten bevölkerten diese Quartiere und sorgten dafür, dass der riesige Apparat des Krieges Befehl um Befehl in Bewegung blieb.

Das tägliche Dasein in diesen Stäben hob sich deutlich von dem der Front ab, und genau in diesem Abstand liegt ein Schlüssel zum Verständnis. Der Vernichtungscharakter des Ostkrieges war nicht erst eine Folge der Kämpfe, sondern wurde schon vor dem ersten Schuss in Befehlen festgelegt, die durch die militärische Befehlskette liefen. Im Mai 1941 erging der sogenannte Barbarossa-Erlass, der die Zuständigkeit der Kriegsgerichte für Taten deutscher Soldaten gegen die Zivilbevölkerung weitgehend aufhob und damit der Willkür Tür und Tor öffnete. Im Juni folgte der Kommissarbefehl, der die sofortige Erschießung gefangener politischer Offiziere der Roten Armee anordnete und so einen klaren Bruch des Kriegsrechts zur Pflicht machte.

Diese Befehle wurden in der obersten Heeresführung erörtert, weitergegeben und in vielen Verbänden ausgeführt. Hinzu trat eine wirtschaftliche Planung, die den Hunger ausdrücklich als Mittel einkalkulierte und davon ausging, dass die Ernährung der deutschen Truppen aus dem Land den Tod von Millionen Menschen in den besetzten Gebieten zur Folge haben werde. Die Generäle kannten diese Richtlinien, und sie machten sie zur Grundlage ihres Handelns, noch ehe die ersten Verbände die Grenze überschritten. Wer später behauptete, von all dem nichts gewusst zu haben, verschwieg, dass diese Vorgaben den Krieg von Anfang an bestimmten.

Die Annehmlichkeiten des Stabslebens waren konkret und greifbar. Die Verpflegung war besser als an der Front. Es gab Zugang zu Weinen und Lebensmitteln aus den besetzten Gebieten oder aus rückwärtigen Lagern. Persönliche Automobile standen bereit, und ranghohe Befehlshaber konnten zeitweise sogar über einen eigenen Zug verfügen.

Diese Privilegien fielen nicht vom Himmel, sondern waren die unmittelbare Folge der Ausbeutung der eroberten Länder und ihrer Ressourcen. Was den Generälen den Tisch deckte, wurde anderswo entnommen, beschlagnahmt oder geraubt, und der Komfort der Führung speiste sich aus dem Elend der unterworfenen Völker. Der Kontrast zu den einfachen Soldaten trat in den Jahren 1941 und 1942 grell hervor. Während die Männer vor Moskau und später in Stalingrad froren und hungerten, während sie in Schnee und Schlamm um ihr Leben kämpften, arbeiteten die Generäle in vergleichsweise warmen und gut ausgerüsteten Stäben.

Dieser Gegensatz war kein Zufall der Versorgung, sondern ein Ausdruck der Hierarchie, in der sich die Spitze zuerst bediente. Zu den Annehmlichkeiten der höchsten Führung gehörte auch eine Welt, die sich vom Sterben an der Front weit entfernte. Es gab Jagdausflüge in den Wäldern der besetzten Gebiete. Es gab beschlagnahmte Kunst und Wertgegenstände, die ihren Weg in private Hände fanden, und es gab eine Kultur der Aneignung, in der das Eigentum der unterworfenen Völker als Beute galt.

Persönliche Köche, Ordonnanzen und Fahrer sorgten dafür, dass der Alltag der Befehlshaber von den Mühen des Krieges weitgehend frei blieb. Während ein einfacher Soldat um eine warme Mahlzeit und um trockene Stiefel kämpfte, konnte ein General in einem geheizten Quartier bei Wein und gutem Essen über die Bewegungen ganzer Armeen entscheiden. Dieser Gegensatz war nicht nur eine Frage des Ranges, sondern ein Sinnbild für die ganze Ordnung des Krieges, in der die Lasten nach unten und die Vorteile nach oben verteilt waren. Die Erschöpfung der Front bezahlte den Komfort der Stäbe, und der Glanz der höchsten Quartiere ruhte auf dem Elend der besetzten Länder und auf dem Opfer der eigenen Mannschaften.

Der Geist, der dieses Kommando durchdrang, lässt sich an konkreten Befehlen ablesen. Im Oktober 1941 erließ Feldmarschall Walter von Reichenau, der Befehlshaber der Sechsten Armee, einen berüchtigten Befehl über das Verhalten der Truppe im Osten. Darin forderte er ein hartes, gnadenloses Vorgehen gegen Juden und gegen alles, was als bolschewistisch galt, und er verlangte vom Soldaten Verständnis für die Notwendigkeit einer harten Sühne. Dieser Befehl fand Hitlers ausdrückliche Billigung und wurde anderen Verbänden als Vorbild empfohlen.

Erich von Manstein gab im November auf der Krim eine ähnliche Weisung heraus, die in derselben Sprache von der Notwendigkeit sprach, das jüdisch-bolschewistische System mit Härte zu treffen. Solche Befehle waren keine Entgleisungen einzelner Hitzköpfe, sondern Ausdruck einer Haltung, die in der Führung verbreitet war. Sie verbanden den militärischen Auftrag ausdrücklich mit der ideologischen Feinderklärung des Regimes und machten die Truppe zum Werkzeug einer Politik der Auslöschung. Wie weit die militärische Führung den Gedanken der Auslöschung mittrug, zeigte die Belagerung Leningrads.

Die deutsche Führung entschied, die Stadt nicht zu stürmen, sondern sie einzuschließen und auszuhungern, in der ausdrücklichen Absicht, ihre Bevölkerung dem Tod zu überlassen. Über mehr als zwei Jahre hinweg starben in der eingeschlossenen Stadt Hunderttausende, nach Schätzungen mehr als eine Million Menschen, an Hunger und Kälte, während die belagernden Verbände den Ring geschlossen hielten und jeden Versuch der Versorgung unterbanden. Diese Entscheidung war keine Tat einzelner Mordkommandos, sondern eine strategische Wahl der militärischen Führung, die den Hungertod ganzer Städte bewusst in ihre Pläne aufnahm. In solchen Entscheidungen offenbart sich, dass die Trennung zwischen einer sauberen militärischen Sphäre und einer schmutzigen politischen Sphäre vor allem eine Erfindung der späteren Rechtfertigung war.

Die Befehle, die den Tod von Zivilisten in Kauf nahmen, kamen aus denselben Stäben, in denen die Generäle ihre Lagebesprechungen abhielten und ihre Mahlzeiten einnahmen, und sie trugen die Unterschriften von Männern, die sich für Soldaten und nicht für Mörder hielten. Wie die Generäle die rückwärtigen Operationen sicherten, gehört zu den dunkelsten Kapiteln dieser Geschichte. Die Heeresgruppen stellten Logistik bereit, ohne die die Einsatzgruppen ihre Morde nicht hätten verrichten können. Sie sperrten Gebiete ab, in denen Erschießungen stattfanden, und sie nutzten Zwangsarbeit in großem Umfang aus.

Die Versorgung der Front und die Sicherung des Hinterlandes waren eng verzahnt, und die militärische Verwaltung der besetzten Gebiete arbeitete mit den Mordkommandos zusammen. Viele Befehlshaber zogen es vor, sich auf die rein militärische Seite der Operationen zu konzentrieren und die Vorgänge im Rücken der Front als politische Angelegenheiten zu betrachten, in die sie sich nicht einmischten. Andere unterstützten diese Vorgänge aktiv und sahen darin einen notwendigen Teil der Kriegführung. In beiden Fällen lief das Ergebnis auf dasselbe hinaus.

Die Maschine der Vernichtung funktionierte, weil die militärische Führung sie funktionieren ließ und ihr die nötigen Mittel zur Verfügung stellte. Die Berufung auf das rein Soldatische war keine Distanz zum Verbrechen, sondern ein Teil seiner Voraussetzung. Der Tagesablauf eines Generals folgte einem festen Rhythmus, der den Eindruck geordneter Arbeit erweckte. Am Morgen standen die Lagebesprechungen an den Karten, an denen die Bewegungen der Verbände verfolgt und die nächsten Schritte entschieden wurden.

Es folgten Meldungen an das Oberkommando der Wehrmacht oder unmittelbar an Hitler, dazu Inspektionen der unterstellten Truppen, und am Abend erneute Besprechungen, in denen der Tag ausgewertet wurde. Diese Routine verlangte hohe fachliche Fähigkeiten, denn Planung und Koordination eines Millionenheeres waren eine gewaltige Aufgabe. Doch dieselbe Routine war verflochten mit einem System, in dem der Erfolg an der Front unmittelbar vom Terror im Hinterland abhing. Hier stellt sich die Frage, was eine normale Stabsarbeit eigentlich bedeutete, wenn sie die Abstimmung mit jenen Stellen einschloss, die für Massenmorde verantwortlich waren.

Was hieß es, Karten zu studieren und Operationen zu planen, während im Rücken der eigenen Armee Menschen zu Hunderttausenden ermordet wurden? Diese Fragen führen unmittelbar in die Jahre 1941 und 1942, in denen die ersten schweren Niederlagen das Gefüge der Führung und ihre Psychologie zu verändern begannen. Bereits im Winter 1941, als der Vormarsch vor Moskau im Schnee stecken blieb und die sowjetische Gegenoffensive die deutsche Front erschütterte, kam es zur ersten großen Krise zwischen Hitler und seinen Generälen. Der Diktator verlangte, jede Stellung um jeden Preis zu halten, und reagierte auf jeden Rückzug mit Wut und mit Absetzungen.

Der Oberbefehlshaber des Heeres Walter von Brauchitsch wurde entlassen, und Hitler übernahm den Oberbefehl über das Heer selbst, um die Führung vollständig in seiner Hand zu halten. Auch erfahrene Befehlshaber wie Gerd von Rundstedt und Heinz Guderian verloren in jenen Wochen vorübergehend ihre Posten. Damit begann jene Phase wachsenden Misstrauens, in der die fachliche Eigenständigkeit der Generäle Schritt für Schritt der Willkür des Führers wich. Die Männer, die sich als Meister der operativen Kunst verstanden hatten, mussten erleben, dass ihr Urteil wenig galt, sobald es dem Willen des Diktators widersprach.

Der Eid, den sie einst geleistet hatten, wandelte sich von einem Versprechen in eine Fessel. Nach der Katastrophe von Stalingrad und nach der gescheiterten Offensive bei Kursk im Jahr 1943 verschärfte sich der Druck Hitlers auf die Generalität in einem Maße, das den Alltag der Führung umformte. Der Diktator griff immer tiefer in die Führung ein, betrieb ein Mikromanagement der Fronten, setzte Befehlshaber ab und verlangte, jede Stellung um jeden Preis zu halten. Diese Entwicklung schlug sich im Leben der Generäle nieder.

Sie verbrachten mehr Zeit in Bunkern und festen Hauptquartieren, etwa in der Wolfschanze und in anderen Führerhauptquartieren, und ihr Spielraum schrumpfte mit jeder Niederlage. Die wachsende Isolation und das ständige Eingreifen von oben nahmen ihnen die Freiheit des Manövers, die sie als Kern ihres Berufs verstanden hatten. Selbst erfolgreiche Befehlshaber wie Erich von Manstein stießen immer häufiger auf den Widerstand des Führers, wenn sie bewegliche Operationen statt starrer Verteidigung vorschlugen. Die Konflikte um die Verteidigung der Normandie zeigten dasselbe Bild, denn Gerd von Rundstedt und Erwin Rommel rangen mit Hitler und untereinander um die richtige Strategie gegen die erwartete Invasion.

Die Privilegien blieben in dieser Phase erhalten. Der relative Komfort, das Personal, der Wagen. Doch sie wurden zerbrechlich vor dem Hintergrund wachsender Verluste und innerer Säuberungen. Der 20.

Juli 1944 wurde zum Wendepunkt im Verhältnis zwischen Führer und Generalität. An diesem Tag versuchte eine Gruppe von Offizieren, Hitler durch ein Attentat zu töten und einen Umsturz herbeizuführen. Viele Generäle waren in die Verschwörung verwickelt. Andere wussten von ihr oder gerieten in den Verdacht, von ihr gewusst zu haben.

Das Scheitern des Anschlags löste eine Welle der Rache aus. Es folgten Hinrichtungen, Schauprozesse vor dem Volksgerichtshof und erzwungene Selbstmorde, unter denen der Tod Erwin Rommels im Oktober das bekannteste Beispiel ist. Rommel, der mit den Verschwörern in Verbindung gebracht wurde, erhielt die Wahl zwischen einem Verfahren und dem stillen Tod und nahm Gift, um seine Familie zu schützen. Auf die überlebenden Generäle wirkte dieses Geschehen tief.

An die Stelle einer Loyalität aus Überzeugung trat vielfach eine Loyalität aus Zwang und Angst, und mancher bemühte sich, jede Spur einer Nähe zum Widerstand zu verwischen. Das Misstrauen des Regimes gegenüber den eigenen Befehlshabern erreichte einen Höhepunkt, und die militärische Elite, die einst auf den Führer geschworen hatte, lebte nun in der Furcht vor ihm. Das Ende des Krieges traf die Generäle in einer Welt, die zusammenbrach. Die letzten Hauptquartiere waren von Enge, Erschöpfung und dem Bewusstsein der nahenden Niederlage geprägt.

Evakuierungen folgten auf Evakuierungen, und schließlich blieb vielen nur die Gefangenschaft. Nach dem Krieg begann eine neue Phase, in der die überlebenden Befehlshaber ihre Rolle neu erzählten. In Verhören und in den Memoiren, die viele von ihnen verfassten, stellten sie sich als reine Fachleute dar, die nur ihre Pflicht erfüllt und von den Verbrechen nichts gewusst hätten. Sie zeichneten das Bild einer sauberen Wehrmacht, die fern von der Politik und fern von den Mordtaten der SS einen ehrenhaften Krieg geführt habe.

Diese Erzählung kam nicht nur den ehemaligen Militärs entgegen, sondern auch einem Teil der westlichen Alliierten zu Beginn des Kalten Krieges gelegen. Im Angesicht der Konfrontation mit der Sowjetunion erschien ein wiederbewaffnetes Deutschland wünschenswert, und ein Mythos der ehrenhaften Truppe erleichterte die Eingliederung ehemaliger Offiziere in neue Strukturen. Doch die Forschung und die Archive zeichnen ein anderes Bild. Vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg stand die Frage im Raum, ob der Generalstab und das Oberkommando als verbrecherische Organisationen zu gelten hätten.

Das Gericht verzichtete auf eine solche pauschale Einstufung, doch zahlreiche Befehlshaber wurden in eigenen Verfahren angeklagt und verurteilt. Erich von Manstein wurde Ende der vierziger Jahre, im Jahr 1949, von einem britischen Gericht wegen seiner Verantwortung für Kriegsverbrechen zu einer langen Haftstrafe verurteilt, die er nur zu einem geringen Teil verbüßte. In seinen später erschienenen Erinnerungen zeichnete er das Bild des reinen Soldaten, der verlorene Siege beklagte und von den Verbrechen nichts gewusst haben wollte. Andere hohe Offiziere, darunter der ehemalige Generalstabschef Franz Halder, fanden nach dem Krieg Beschäftigung bei den westlichen Siegern, etwa bei der historischen Aufarbeitung des Krieges aus deutscher Sicht.

So entstand über Jahre eine Geschichtsschreibung, die das Handeln der Wehrmacht oft im Sinne ihrer ehemaligen Führer darstellte und die Verbrechen an den Rand schob. Erst spätere Forschung und die Öffnung der Archive rückten dieses Bild zurecht und machten das volle Ausmaß der Verstrickung sichtbar. Die Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen des Regimes war systematisch und keine Ausnahme. Von den fast sechs Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen, die in deutsche Hand fielen, starben über drei Millionen an Hunger, Kälte, Krankheit und durch gezielte Tötung.

Die Verantwortung dafür lag bei der militärischen Verwaltung, die diese Menschen ohne Schutz dem Tod auslieferte. Die Zusammenarbeit mit der SS und den Einsatzgruppen, die Ausbeutung der besetzten Gebiete und der Einsatz von Zwangsarbeit gehörten zum Kern der Kriegführung im Osten. Der Lebensstil der Generäle war vor diesem Hintergrund keine getrennte andere Seite des Krieges, sondern ein untrennbarer Teil derselben Maschine, die den Vernichtungskrieg führte. Der Komfort der Stäbe und die Härte der Befehle entsprangen demselben System.

Und das eine ließ sich vom anderen nicht trennen. Wer das tägliche Dasein der Führung verstehen will, muss es als Bestandteil dieser Ordnung begreifen und nicht als private Episode neben dem großen Geschehen. Am Schluss steht die Einsicht, dass das tägliche Leben der Generäle der Wehrmacht nicht von individuellen Tugenden oder von außergewöhnlicher Fachkunst erzählt, sondern davon, wie sich eine ganze militärische Organisation in ein nationalsozialistisches System der Aggression und Vernichtung einfügte. Der Komfort der Stäbe, die bessere Verpflegung, der persönliche Wagen und das zahlreiche Personal waren möglich durch die umfassende Ausbeutung der besetzten Gebiete und der Ressourcen, die in einem Krieg erobert wurden, den das Regime als Rassen- und Vernichtungskrieg geplant hatte, besonders im Osten.

Die höchste Führung blieb dabei nicht abseits. Befehle über ein hartes Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung, die Zusammenarbeit mit den Einsatzgruppen bei der Sicherung der rückwärtigen Operationen, der Einsatz von Zwangsarbeit und die Verantwortung für den Tod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener gehörten zu jener Wirklichkeit, in der die Generäle Operationen planten und Besprechungen abhielten. Der Mythos der sauberen Wehrmacht, der nach dem Krieg in Memoiren und in manchen westlichen Kreisen verbreitet wurde, hält den Dokumenten und Tatsachen der Archive nicht stand. Die Generäle dienten einem Regime, dem sie persönlich geschworen hatten, und ihr Lebensstil spiegelte eine Hierarchie, in der militärisches Können in den Dienst einer Ideologie der Expansion gestellt war.

Gegen Ende des Krieges gerieten viele in Intrigen, wurden Opfer von Säuberungen oder kamen ums Leben. Doch das hebt ihre Rolle in den Jahren zuvor nicht auf. Das Verständnis dieser Seite des Krieges erlaubt es zu sehen, wie institutionelle Loyalität, Karrieredenken und berufliche Disziplin den zerstörerischsten Zielen dienen können, ohne dass jeder einzelne persönlich Gräueltaten begehen muss. Es ist keine Geschichte über allgemeingültige Beispiele der Führung, sondern über ein bestimmtes historisches System und über den Preis, den es von allen forderte, die sich in es einfügten.

Genau in dieser Nüchternheit liegt die bleibende Bedeutung dieser Betrachtung, denn sie zwingt dazu, hinter dem ordentlichen Schein des Stabsalltags die Ordnung der Gewalt zu erkennen, der er diente.